Nach der ersten Auflage mit Snaredrums aus Solid Maple hat die Slingerland Drum Company im vergangenen Jahr gleich noch einmal nachgelegt und die ersten Radio King Sets und Snares mit dreilagigen Kesseln vorgestellt. Kurz vor Weihnachten war es dann auch für uns soweit: ein vierteiliges Shellset mit 22er-Bassdrum inklusive passender Snaredrum ist zum Test eingetroffen. Wie viel Vintage-Flair in den neuen „alten“ Trommeln steckt, erfahrt ihr hier.

- gute Verarbeitung, ansprechende Optik
- leichte Ansprache & sehr gut stimmbar
- weicher, aber definierter Retro-Sound
- besonders stark in mittleren und tiefen Tunings
- crisp klingende Snaredrum
- Beine mit Memory Locks am Floortom lassen sich nur umständlich entfernen

Wie kommt es, dass Slingerland Drums wieder da ist?
Nicht wenige Protagonisten haben einen Neustart für einst legendäre Brands versucht, zuletzt Rogers Drums unter der Regie von Reliance. Auch für Slingerland ist es nicht die erste Wiederauferstehung: Nach der Übernahme durch Gibson gab es Mitte der 1990er-Jahre eine kurze Ära mit Nashville Studio King Sets und Snares. Die Maple-Trommeln mit Keller-Kesseln klangen fantastisch und wurden u.a. von Levon Helm gespielt, fanden aber in der breiten Masse so gut wie keinen Anklang. Seit 2019 gehört die Marke Slingerland zu DW Drums.

Neben den jetzt ebenfalls neu aufgelegten Studio King Sets und Snares, die komplett aus Taiwan stammen, werden die Kessel der Radio King-Trommeln in den USA bei DW Drums gefertigt. Die aktuelle Auflage orientiert sich – was Kesselkonstruktion und Optik betrifft – ganz klar an den ganz alten Vorbildern à la Gene Krupa und Co.

Die dreilagigen Radio King-Kessel haben einen dicken Kern aus Pappelholz
Die dreilagigen Radio King-Kessel haben einen recht breiten Pappelkern, der innen und außen von Mahagoni flankiert ist. Oben und unten ist ein dampfgebogener Ahorn-Verstärkungsring eingeklebt. Die Fellauflagekante fällt breit und von außen verrundet aus, was den Trommeln den soften Attack und weichen Klangcharakter bescheren soll, der bei vielen Drummern und Produzenten so begehrt ist. Hier und da sieht man kleine Spuren der Feile auf den Gratungen. Der Geist der Handarbeit wird also durchaus sichtbar.
Bei den vernickelten Beavertail-Spannböckchen und den Stick Saver-Spannreifen handelt es sich um exakte Replikas, allerdings laufen die Edelstahlstimmschrauben am neuen Slingerland super rund – so wie man es von einem modernen Set erwartet. Die Toms in 13“ x 9“ und 16“ x 16“ sowie die 14“ x 6,5“ Snare sind mit Innendämpfern an der Schlagfellseite bestückt, die sich mit einem kleinen, aber griffigen Einstellrädchen von außen sehr gut anpassen lassen.
Trotz moderner Akzente überwiegt der gediegene und klassische Look
Nur an wenigen Stellen haben sich die Konstrukteure für pragmatisch-modern arbeitende Anbauteile entschieden, wie bei der Halterung des Racktoms oder den Bassdrum-Füßen mit Teleskop-Funktion. Trotzdem ist es den Entwicklern gelungen, dass die Trommeln in allen Belangen wie aus einem Guss aussehen und nicht wie zusammengestückelt, wie es bei manchen, auf Vintage getrimmten Custom-Instrumenten der Fall ist. Was sicherlich auch daran liegt, dass die vernickelte Hardware wirklich stringent bei allen Anbauteilen zu finden ist.
Einzig die kräftigen Standtombeine, die man nahezu eins-zu-eins von DW übernommen hat, offenbaren ein Manko: Die dazugehörigen Memory Locks sind so breit, dass man das Bein nicht ohne diese zu lösen, bzw. es umständlich zu verdrehen, über die Spannreifen bekommt. Das wird den Enthusiasten, der darauf in seinem Musikzimmer trommelt, weniger stören als den tourenden Profi, der beim Abbau schnell die Beine entfernen möchte.
Das Set ist rundherum mit einlagigen Remo Ambassador-Fellen (Coated und Clear) mit Slingerland-Logo ausgestattet. In der 22“ x 14“ Bassdrum liegen zudem zwei weiße Kissen im DW-Stil, die jeweils vor den Fellen mit Klettband befestigt sind.
Die Radio King Snare fügt sich nahtlos ein
Die Snaredrum, in unserem Fall das 14“ x 6,5“-Modell, hat dieselbe Kesselkonstruktion wie die Bassdrum und die Toms. Sie ist mit acht Doppelspannböckchen bestückt, als Snareabhebung kommt eine Replika des Zoomatic-Strainers zum Einsatz. Dieser arbeitet nahezu geräuschlos, lediglich die Teppichbänder aus Plastik wollen für meinen Geschmack nicht zum Rest des Vintage-Looks passen.
Außer den drei Standtombeinen sowie einem Stimmschlüssel für je die Snaredrum und das Set, sind im Lieferumfang noch ein Begrüßungsschreiben, ein kleiner Wimpel (habe ich unter die Fußmaschine als Kratzschutz geklemmt) und ein Baumwolltuch (siehe Foto oben) enthalten, aber keinerlei Hardware. Der europäische Vertrieb hat mir einen Satz DW 5000er Hardware für das Set mitgeschickt. Da die Bassdrum keine Tomhalterung hat, sollte man hier beim Kauf eine entsprechende Klammer / ein Kombistativ für das Racktom einplanen.























