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IGS Audio 567 Blue Stripe Test

IGS Audios 576 trägt das Vorbild im Namen: Der originale „Bluestripe“-Limiter ist der wiederentdeckte Stern am 1176-Himmel.

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Zuletzt ist er auf breiter Front wieder in den Fokus geraten, und das hat zahlreiche Hersteller zu eigenen Adaptionen inspiriert. Was kann der 500-Blaustreifen von IGS Audio?
Der UREI/Universal Audio 1176 gilt bis heute als der vielleicht legendärstem erfolgreichste Transistorkompressor aller Zeiten. Er war, Mitte/Ende der 60er von Recording-Tausendsassa und UA-Mastermind Bill Putnam auf den Markt gebracht, nicht nur einer der ersten frei verkäuflichen Transistor-Kompressoren, sondern er bleibt bis heute auch einer begehrtesten, bestklingenden und meistverkauften. Bei so vielen Superlativen scheint es nachvolltziehbar, dass auch andere Hersteller ihr Stück vom Kuchen haben möchten – und so ist der 1176 auch eines der meistkopierten Dynamiktools am Markt. Dabei ist dieses Feld zumindest auf den ersten Blick schon reichlich unübersichtlich, wenn man den Blick auf das UA-Original wirft. Man sollte nämlich besser sagen: die Originale! Der 1176 wurde in seiner ersten Produktionsphase nämlich stets weiterentwickelt und wurde bereits von Universal Audio über die Jahre in rund einem Dutzend unterschiedlicher Revisionen angeboten. Lange hielt sich allgemein die Vorstellung, dass die Revisionen D und E (beide mit schwarzer Frontplatte ausgestattet und auch als „Blackface“ bezeichnet) die am meisten begehrenswerten seien. Diese Versionen verfügten nämlich einerseits noch über eine voll diskrete Class-A-Ausgangsstufe, andererseits aber auch schon über die werksseitige sogenannte „Low Noise“-Modifikation, welche den Nebengeräuschpegel senkte und dem Gerät den Namenszusatz „LN“ bescherte.
Erst kürzlich wanderte das allgemeine Augenmerk wieder auf die ersten drei Revisionen, welche, mit silberner Frontplatte und blauem Farbstreifen am VU-Meter versehen, gerne „Bluestripe“ tituliert werden. Klar, diese Variante rauscht möglicherweise etwas mehr, aber mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass einige Features das Gerät für die Vocalkompression prädestinieren – möglicherweise mehr sogar noch als sein schwarzgesichtiger Nachfolger.

Details

Die polnischen Analogspezialisten von IGS nutzen das Series-500-Format für ihre Adaption

Es überrascht also nicht, dass unter den Klonen und loser inspirierten Abwandlungen verschiedener Hersteller nun auch eine Bluestripe-Version von den polnischen Analogspezialisten IGS Audio zur Seite gestellt wird. Und praktischerweise kommt diese im 500-Format daher, was insbesondere den Freunden platzsparender und portabler Studiotechnik Freude bereiten dürfte.

Fotostrecke: 4 Bilder Farbcode: Mit dem blauen Streifen orientiert sich der IGS 576 unmissverständlich am Ur-1176.

Übersichtliches Layout

Als Modul mit einfacher Baubreite konzipiert, hat der IGS Bluestripe kein Überangebot an Frontplattenplatz zur Verfügung. Dennoch präsentiert sich das Gerät nicht nur gestalterisch mit einer Eindeutigkeit, die sich auf den ersten Blick zuordnen lässt, sondern diese geht auch Hand in Hand mit einem sehr übersichtlichen Layout der Bedienelemente. Oben hat die Frontplatte Platz genug für ein rundes, analoges Drehspulinstrument (aka VU-Meter), welches stilecht von einem blauen Streifen eingefasst wird. Darunter befinden sich auch noch fünf Knöpfe im UREI-Style, darunter zwei Input/Output-Potis sowie zwei weitere für die Zeitkonstanten Attack und Release. Des weiteren findet sich hier noch ein Drehschalter für die Anwahl der Kompressionsraten, und damit gleichzeitig auch eine der Besonderheiten der Bluestripe-Variante. Angewählt werden können nicht nur die klassischen 1176-Ratios 4:1, 8:1, 12:1, 20:1 sowie der hier mit „S“ für „Slam“ betitelte All-Button-Modus, sondern auch die Kompressionsrate 2:1. Was für ein Vorteil diese Option darstellt wird klar, wenn man sich die übrigen Parameter und das generelle Funktionsprinzip eines 1176 einmal genauer zu Gemüte führt. Zu Recht heißt das Gerät „Limiting Amplifier“ oder zu deutsch „Begrenzungsverstärker“. Oftmals wird das Gerät in die Kompressor-Schublade gesteckt, aber es verhält sich eher getreu seiner Bezeichnung als Limiter. Das liegt einerseits an den auf Wunsch sauschnellen Attackwerten von bis zu 20 Mikrosekunden (Spitzenfeld für analoge Dynamics), zum anderen an den recht zupackend gewählten Kompressionsraten: Schon 4:1 sorgt für eine satte, fest zupackende Kompression, die sich bisweilen wie Limiting anfühlt, und spätestens bei 12:1 kann man wirklich von Begrenzung sprechen. Damit eignet sich ein 1176 immer dann sehr gut, wenn dynamisch komplexes Audiomaterial wirklich festgehalten werden soll. Auf der anderen Seite kommt jede Eigenschaft gerade recht, welche diese robusten Eingriffe etwas abmildern und abrunden kann. Dazu zählt zum einen die vintage-typische Rückwärtsregelung des Gerätes, und speziell beim Bluestripe auch die deutlich softere Ratio-Option 2:1.

Fotostrecke: 4 Bilder Innenleben: Mix aus konventionellen und SMD-Bauteilen

FET-Regelglied und Carnhill-Übertrager

Wie sein UA-Vorbild setzt auch der IGS im Regelelement einen Feldeffekttransistor (FET) ein. Die Audioschaltung ist unter Verwendung von konventionellen und SMD-Komponenten aufgebaut und in Übertrager des englischen Qualitätsherstellers Carnhill eingebettet. Zwei analoge OpAmps basieren auf 5534-Chips, sind also nicht vollkommen diskret aufgebaut. Da diese aber standardmäßig gesockelt sind, können Spezialisten hier jedoch mit diskreten OpAmps (DOAs) experimentieren. Für den Bypass sorgt eine Relais-Schaltung. Die Fertigungsqualität ist insgesamt sauber und ordentlich, und das Gehäuse im Hammerschlag-Look macht einen robusten Eindruck. Damit erscheint der 576 insgesamt gut designt und wertig, und mit den Übertragern wurden auch wirklich hochwertige Komponenten verbaut. Angesichts des Kaufpreises, welcher durchaus im gehobenen 500-Mittelfeld rangiert, hätte ich mir allerdings einen ähnlichen Ansatz für die Operationsverstärker gewünscht. Nun ist der 5534-IC ein analoger Klassiker, welcher in vielen durchaus hochwertigen Geräten zum Einsatz kam (z.B. Trident), aber eines der klassischen Merkmale des originalen Rev-A-Bluestripes ist eben die volldiskrete Class-A-Schaltung. Ich hätte es gerne gesehen, dass diese hier auch ab Werk ohne weitere Modifikationen vorhanden wäre, und denke, dass man das auch bei diesem Kaufpreis hätte realisieren können. Und wenn es mit minimalem Aufpreis verbunden wäre, so hätte ich dies als sinnvollere Option verstanden, eine nachträgliche Aufrüstung auf eigene Faust wird mit Sicherheit noch teurer als ein etwaiger Preisaufschlag direkt vom Hersteller.

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Praxis

Abweichungen vom Original nicht unbedingt nachteilig

Es scheint klar, warum IGS den 576 als „revised version of the classic FET compressor“ bezeichnet: Das Gerät orientiert sich in der Schaltungstopologie insgesamt am UA-Vorbild, aber trotz des gleichen konzeptuellen Rahmens gibt es hier bei den Details deutliche schaltungstechnische Abweichungen. Dies muss jedoch kein prinzipieller Nachteil sein: Das Angebot an 1176-Varianten jeglicher Couleur ist groß, und für alle Geschmäcker sollte etwas dabei sein. Es ist erst einmal gar nichts dagegen zu sagen, wenn eine immerhin rund 50 Jahre alte Analogschaltung mal etwas anders interpretiert wird.

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Klanglich gemischtes Bild

Es stellt sich aber nun spätestens jetzt die Frage: Wie klingt es denn nun? Und hier muss man konstatieren, dass sich ein etwas gemischtes Bild bietet. Auf der einen Seite hat der 576 definitiv seine Stärken, und in Situationen, in denen er diese ausspielen kann, sorgt er für rundum positive Resultate. Allerdings trifft in diesem Falle einmal wirklich das Sprichtwort zu, dass dort, wo Licht zu finden ist, auch Schatten auftreten. Was genau das bedeutet, wollen wir uns im Detail einmal ansehen.

Audio Samples
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E-Bass Original E-Bass, Ratio 2:1 E-Bass, Ratio 8:1 E-Bass, Ratio 12:1 Drumroom Original Drumroom, All-Button-Modus Vocals Original Vocals, Ratio 2:1 Vocals, Ratio 4:1 Vocals, Ratio 8:1

Eleganter und neutraler als ein originaler 1176 Bluestripe

Vorteilhaft ist schon einmal, das Nebengeräusche hier keine nennenswerte Rolle spielen – auch kein Wunder, denn das Innenleben der Verstärkerstufen des IGS hat mit dem klassischen UA-Bluestripe eben auch nicht so viel zu tun. Generell gefällt mir das Klangbild jedoch sehr gut. Während ein Original-UREI/UA den Sound gerne heller macht, so gibt sich der IGS etwas eleganter und neutraler. Hier ist eher „Pop“ als „Rock“ angesagt, und das passt in vielen Situationen sehr gut. Der Einfluss der Carnhill-Übertrager macht sich recht wohltuend bemerkbar, allerdings schmecken sie eben auch nicht übermäßig hervor, sind gut in das neutral-offene Klangbild eingebettet.

Ein original 1176 lässt sich niemals aus der Ruhe bringen

Wesentliches Klangmerkmal eines 1176(-artigen)-Geräts bleibt jedoch das Regelverhalten. Wenige Kompressoren/Limiter können dem Audiomaterial so gleichmütig unbeeindruckt und doch absolut bestimmt ihre Hüllkurve aufprägen wie eben ein 1176. Und in diesem Feld macht der IGS leichte Abstriche. Klar, seine Attack kann ebenso schnell die Transienten packen, die Release ist schnell genug für die klasssischen Limiter-artigen Einsätze. Aber während der Original-1176 eben niemals, wirklich niemals dabei aus der Ruhe zu bringen ist, regelt der IGS in manchen Situationen etwas „wankelmütiger“ – keineswegs schlecht, aber eben nicht hundertprozentig mit der selbstgewissen Autorität eines echten 1176. Ein vergleichbarer „Squeeze“ lässt sich auch mit dem IGS erzeugen, allerdings erst bei etwas drastischeren Einstellungen als man vom UREI gewöhnt ist. Gefühlt muss man beim IGS die Rate 8:1 einstellen um die Resultate des UREI bei 4:1 zu erzielen, 12:1 um dessen 8:1-Regelverhalten zu erzielen. Mann kommt also ähnlich zum Ziel, muss aber die Parameter im Zweifelsfall etwas tweaken. Dann aber fungiert auch der IGS als wirklicher Lautmacher, der blockig-feste, ordentlich zusammengestauchte „Würste“ aus unruhigem Ausgangsmaterial erzeugen kann. Genau dieser Eindruck manifestiert sich auch beim „All-Button-Modus“: Auch dieser erinnert an den 1176, greift jedoch weniger zackig und voluminös ins Geschehen ein. 

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Fazit

Auch wenn der IGS Audio 576 Blue Stripe im Vergleich mit dem Original nicht in jeder Hinsicht gleichziehen kann, so bleibt er doch ein vielseitiger Analog-Kompressor mit unbestrittenen Qualitäten. An vielen Stellen erinnert sein Klang- und Regelverhalten schon sehr ans Vorbild, und ob man die eigene Note, die er ins Spiel bringt, subjektiv gut oder schlecht findet, hat mehr mit persönlichen Vorlieben zu tun als mit der objektiven Qualität des Gerätes. Die Bauqualität ist insgesamt gut, und mit den Carnhill-Übertragern hat der Hersteller an zentraler Stelle beim Einkauf nicht gespart. Trotzdem wären diskrete Operationsverstärker bei der Bewertung des Preis-Leistungsverhältnisses sehr positiv ins Gewicht gefallen. Doch trotz punktueller Kritik: Wer sich für einen bezahlbaren Kompressor des 1176-Typs für das 500-Format interessiert, der sollte sich den IGS 576 Bluestripe ruhig einmal anschauen!

Unser Fazit:
3,5 / 5
Pro
  • Klangeigenschaften (mit Einschränkungen)
  • klassischer FET-Kompressor des 1176-Typs
  • hochwertige Audioübertrager von Carnhill
Contra
  • keine diskrete Class-A-Schaltung
  • Regelverhalten insgesamt nicht ganz so schlüssig wie beim Original
Artikelbild
IGS Audio 567 Blue Stripe Test
Für 799,00€ bei
IGS_bluestripe_02
Features und Spezifikationen
  • FET-Kompressor im 500-Format
  • Design orientiert sich am klassischen Universal Audio 1176 Blue Stripe
  • VU-Meter
  • Bypass-Schalter
  • Kompressionsraten von 2:1 bis 20:1
  • Audioübertrager von Carnhill
  • Preis: € 827,– (UVP)
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