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Ibanez SR1206VNF Test

Praxis

Die Ibanez SR Serie steht für komfortables Handling und mühelose Bespielbarkeit und selbstverständlich sollen auch die noch jungen Premium-Sprösslinge der SR-Familie mit diesen Tugenden glänzen. Demzufolge hat der SR1206 einen, besonders für Sechssaiter-Verhältnisse, sehr kompakten, flachen und leichten Korpus; der komplette Bass wiegt kaum mehr als 4 Kilo. Auch der Hals ist trotz sechssaitiger Bespannung nicht klobig, das Profil ist relativ flach und mit den engen Saitenabständen von 16 mm an der Brücke auch nicht übermäßig breit. Leider ist das Instrument aber nicht gut balanciert, der Hals zieht deutlich nach unten und erfordert auch am Gurt einen stetigen Gegendruck mit der linken Greifhand. Das ist nicht sehr angenehm und relativiert das ansonsten durchaus wünschenswerte leichte Gewicht des Basses. Einige Gramm mehr auf der Korpusseite würden dem SR1206 gut tun, denn eine gute Balance ist für den Spielkomfort letztendlich wichtiger als das reine Gewicht, wie ich finde. Davon abgesehen lässt sich der Premium Sechssaiter sehr leicht spielen, der Hals ist kerzengerade und die gute Bundierung ermöglicht eine extrem niedrige Saitenlage, auch die allerhöchsten Bünde sind mühelos erreichbar, wie es sich für ein modernes Instrument gehört. Die Saitenabstände von nur 16mm sind sicherlich Geschmacksache, beim Fingerstyle-Spiel mit vielen Akkorden und virtuosen Läufen ist ein enges Spacing sehr angenehm und erleichtert die vertikalen Bewegungen, Slapartisten hingegen haben gerne mehr Platz, damit der Daumen zwischen die Saiten passt. Unser Proband ist übrigens ab Werk mit Elixir Saiten ausgestattet.

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Jetzt möchte ich aber endlich hören, wie sich der Premium Sechssaiter mit den Big Singles am Verstärker macht und starte meine erste Probefahrt im passiven Betrieb, also ohne EQ.

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Flat, Passiv

Was mir entgegenkommt, gefällt mir sehr gut. Das Fundament ist sehr klar und straff, die Mitten sind relativ ebenmäßig und klingen warm, und der Höhenbereich ist sehr offen, aber nicht überrepräsentiert. Das ist kein typischer, knochiger Singlecoil-Sound und der Ibanez klingt schon konstruktionsbedingt nicht wie ein moderner Jazzbass, die Nordstrands übertragen aber einen sehr offenen und bei aller Ausgeglichenheit trotzdem durchsetzungsstarken Sound, der sehr universell einsetzbar ist und in viele Richtungen geschraubt werden kann. Und hier kommt die aktive Elektronik mit dem Dreiband-EQ ins Spiel, der hervorragend mit den Big Singles harmoniert. Besonders der Mittenregler mit den zwei wählbaren Frequenzen hat einen hohen Praxiswert. Die unteren Mitten bei 250Hz dicken den Klang an und sorgen für immensen Punch und Druck, wer etwas mehr Aggressivität oder Transparenz braucht, wählt die höhere Mittenfrequenz bei 600Hz, mit der sich der Bass im Klangbild deutlich nach vorne schiebt. Auch die anderen beiden EQ-Bänder für Bässe und Höhen arbeiten über den kompletten Reglerweg genau so effektiv wie geschmackvoll und ermöglichen zahlreiche Klangvariationen.

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Aktiv – 600Hz Midboost, Bassboost Aktiv – Neck-PU, Bassboost Aktiv – Bridge-PU, Midboost, Bassboost

Mir gefällt die Kombination aus Nordstrand Tonabnehmer und Ibanez Preamp beim SR1206 sehr gut, der breite, offene und klare Sound macht das Premium Modell etwas spritziger und vielseitiger als beispielsweise die sehr ähnlich konstruierten Ibanez Prestige-Modelle mit Bartolini-Tonabnehmerausstattung, und damit zu einer gelungenen Erweiterung im umfangreichen Ibanez SR Line-Up.

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