Test
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25.04.2019

the t.racks DSP 4X4 Mini Test

kompakter Vierkanal-DSP

Ultra Small Fun Factor

PA-Controller, aktive Frequenzweiche, digitales Speaker-Management – alles Bezeichnungen, die einen DSP beschreiben, der alle notwendigen Funktionen zur Verfügung stellt, um eine Audioinstallation zu verwalten. Dabei ist die Preisspanne für PA-Controller groß. Vom Einsteigermodell wie dem Behringer DCX2496 bis zu hin zu teuren Profi-Gerätschaften wie den Lake LM44 hält der Markt für jeden Geldbeutel ein passendes Angebot bereit. Digitale Controller unterhalb der 100-Euro-Schallmauer suchte man allerdings bis dato vergebens. Doch mit dem the t.racks DSP 4X4 Mini wird nun erstmals digitales Audio-Processing für unglaubliche 79,- Euro Endkundenpreis verfügbar. Schauen wir uns den Klein-Controller genauer an.

Details

Der Karton ist schon übersichtlich, das Gerät selbst ist nicht viel größer als meine Handfläche und trägt den Beinamen „Mini“ daher nicht zu Unrecht. Eher „Mini“ ist auch der Lieferumfang. Neben dem Testkandidaten befindet sich nur noch eine (wie passend) Mini-CDR mit der Remote-Software in dem Karton. Auf Nachfrage stellt sich heraus, dass mittlerweile auch ein passendes Netzteil zum Lieferumfang zählt.

Zur Programmierung des Controllers benötigt man allerdings noch ein USB-Mini-Kabel mit einem Typ-B Stecker. Gut, dass ich eine ausgewiesene Kabelsammlung bevorrate und ein passendes Kabel schnell gefunden ist. Selbst für das in meiner Lieferung noch nicht enthaltene Netzteil findet sich ein passender Ersatz. Laut Aufdruck benötigt der Mini-DSP 12 Volt/1A, mit innenliegendem Pluspol. Mein 9 Volt, 0,6 A Netzteil eines TP-Link Switch stellt jedoch genügend Spannung für den Betrieb des Kandidaten sicher, so dass ich kurzerhand dieses verwende.

Installation

Bevor ich den Mini-DSP verwenden kann, steht die Installation der Remote-Software an. Auf der CD findet sich neben dem Installer auch noch die Gebrauchsanweisung für den Controller im PDF-Format. Das habe ich allerdings erst nach dem Test herausgefunden. Somit ist immerhin geklärt, dass man zur Bedienung diese nicht zwingend benötigt.

Natürlich ist es im Jahre 2019 nicht selbst verständlich, dass jeder Nutzer einen PC mit einem CD-Laufwerk besitzt. Alternativ steht die Software daher als Download auf der Thomann Produktseite zur Verfügung. Als Tontechniker, der im Herbst des Lebens angekommen ist, besitze ich jedoch einen antiquierten Lenovo Laptop samt CD-Laufwerk, den ich zur Installation heranziehe. CD einlegen, EXE-Datei ausführen, Desktop-Icon anlegen lassen – fertig! Das war einfach. Mac-Nutzer müssen leider draußen bleiben, die Software gibt es nur für Windows.

Kontaktbörse

Ich verbinde den Laptop mittels Mini-USB-Kabel mit dem Controller und starte die App. Ein Popup macht mich darauf aufmerksam, dass kein Device zur Verfügung steht. Ich drücke auf den Scanning-Button und in wenigen Sekunden bezeugt ein grün aufleuchtender Online-Button, dass die Verbindung steht. Einfacher geht es wohl kaum.

Übersicht

Die Software ist erstaunlich umfangreich und dennoch übersichtlich gestaltet. Oben links finde ich neun Tabs, welche die Hauptfunktionen aufrufen (Gain, Gate, Comp, Delay, Matrix und die Ausgänge 1-4). Die Gain-Page stellt die Startseite dar. Hier lassen sich die Pegelverhältnisse der vier Ein- und Ausgänge justieren. Der Anwender kann zwar keine direkten Werte in die Anzeigefelder tippen, dafür reagieren die virtuellen Fader recht feinfühlig (in Schritten von 0,3 dB). Noch genauer (0,1 dB) geht es allerdings mit dem Mausrad.

Jeder Ein- und Ausgang verfügt über eine neunstellige LED-Meter-Anzeige, eine Mute-Taste und eine Polaritätstaste. Die Ein- und Ausgänge lassen sich für Stereoanwendungen bei Bedarf auch linken. Ideal für klassische Standard-Setups: So ließen sich beispielsweise die Eingänge 1/2 linken und die Ausgänge 1/2 und 3/4. Eingang 1/2 wird von einem Mischpult gespeist, die Ausgänge 1/2 versorgen die Subwoofer einer PA, während die Ausgänge 3/4 die Topteile mit einem Signal versehen. Die Verlinkung hat den Vorteil, dass die Parameter beider Kanäle stets identisch sind und wir diese nur einmal eingeben müssen. Das erleichtert die Preset-Erstellung enorm. Alternativ bietet die Software auch die Möglichkeit, Einstellungen der Kanäle zu kopieren.

Gate & Kompressor

Ja, der Mini-DSP bietet beides, wobei ein Gate bei DSP-Controllern nicht zur Standard-Ausstattung gehört. Nützlich kann es dennoch sein, vor allem wenn das Eingangssignal nicht frei von Rauschanteilen ist. Anstatt das Rauschen unkommentiert an Endstufen oder Aktivboxen weiterzuleiten, filtert man das Grundrauschen mit Hilfe des Gates heraus. Für jeden der vier Eingänge steht ein separates Gate zur Verfügung, die mit Threshold, Attack, Hold und Release die üblichen Parameter bietet. Die Gates lassen sich nicht ein- oder ausschalten. Ob sie ihre Arbeit aufnehmen oder nicht, wird lediglich über den Threshold-Regler definiert. Da das Gate-Threshold als niedrigste Schwelle mit -90 dB definiert ist, dürfte selbst ein sehr leises Signal in der Praxis nicht abgeschnitten werden.

Das Gleiche gilt für die vier Kompressoren in den Ausgängen des DSPs. Wie die Gates lassen sich auch die Kompressor-Einheiten nicht komplett ausschalten. Ob sie ihre Arbeit aufnehmen oder nicht, wird ebenfalls über die Stellung der Threshold-Regler definiert. Eines vorweg: Die Kompressoren klingen für ihre Preisklasse erstaunlich gut! Auch bei hoher Kompression sind kaum Artefakte vorhanden und bei Einstellungen von 1:20 oder höher wird ein Pumpen nur bei extremem Überfahren der Limiter hörbar.

Eine dedizierte Gain-Reduction-Anzeige gibt es nicht. Aber die meisten Nutzer dürften die Kompressoren überwiegend als Limiter konfigurieren, um damit einen entsprechenden Treiberschutz für nachgeschaltete Lautsprecher zu generieren. Zumindest bietet die Software eine Anzeige pro Ausgang, die das Erreichen der Limiter-Schwelle anzeigt. Schade, dass man der Hardware selbst keine Limiter/Clip-LEDs für die Ausgänge spendiert hat. Lediglich die Eingänge verfügen über Signal-LEDs. Wer sich über die vorherrschenden Pegelverhältnisse innerhalb des Mini-DSPs eine Übersicht verschaffen möchte, der muss stets den Umweg über den Laptop bzw. die Software gehen.

Die Limiter lassen sich penibel genau einstellen. Die niedrigste Ratio ist 1:1.1. Bis 1:2 geht es in 0,3 Schritten weiter, ab 1:2 dann in 0,5 Schritten und ab 1:4, dann in den Ratios: 1:5, 1:6, 1:8, 1:10, 1:20, Limit. Der Attack ist von 1 ms bis 999 ms einstellbar, Release von 10 ms bis 3000 ms und das Knee von 0 dB bis 12 dB.

Wie spät ist es?

Laufzeiten-Delays gehören zur Grundausstattung eines jeden Controllers und auch der kleine t.racks DSP enttäuscht in diesem Punkt nicht. Jeder Ausgang verfügt über ein Delay, das sich in der Anzeige von Millisekunden über Meter und Feet umschalten lässt. Die kürzeste Verzögerung beträgt 0,008 m (0,023 ms), die längste Verzögerung reicht bis 680 ms (233,6 m). Ideal, um Unterschiede innerhalb einer Box auf das Genaueste abzugleichen oder Delay-Lautsprecher mit einer entsprechenden Lautzeitenkorrektur zu versehen. Auch hier gilt, die Delay-Funktion besitzt keinen On/Off-Taster.

The Matrix

Der nächste Tab trägt den Namen einer meiner Lieblingsfilme. Ähnlich komplex wie im gleichnamigen Streifen geht es in der Matrix des Mini zu. Diese erlaubt nämlich ein freies Routing der Signale. Jeder Eingang kann mit Hilfe der Matrix frei auf jeden Ausgang geroutet werden. Ideal für Spezialanwendungen.

Die Ausgänge

Die letzte Seite der Software adressiert die Ausgänge. Hier setzten wir die Crossover-Filter (Hochpass und Tiefpass) und können dem Ausgang noch eine ganze Ladung EQ-Punkte verpassen. Jeder Ausgang verfügt über sieben parametrische EQ-Punkte. Jeder dieser Filter lässt sich vom Typ her umschalten. Der Anwender kann wählen zwischen Peak, Low Shelf, High Shelf, Tiefpass, Hochpass, Allpass 1 und Allpass 2. Die Crossover-Filter bieten die Auswahl des beliebten Trios „Linkwitz/Riley, Bessel und Butterworth“ und das mit Flankensteilheiten, angefangen mit 6 dB über 12, 18 bis hin zu 24 dB. Eine gute Ausstattung für einen derart günstigen Controller.

Das Leben der Anderen

Keine Frage, der the t.racks DSP 4X4 Mini bietet erstaunlich viel für 79 Euro. Doch was unterscheidet die Profiklasse von unserem Kandidaten? Profi-Controller bieten in der Regel zusätzliche EQ-Filter in der Eingangssektion, die man dazu nutzt, um eine Anlage auf den Raum einzustellen. Darüber hinaus ist die X-Over-Filterauswahl größer und Flankensteilheiten bis 48 dB sind keine Seltenheit. Außerdem findet sich in der Profiliga auch eine größere Auswahl bei den Limitern. Neben RMS-Limitern wird mindestens noch ein zusätzlicher Peak-Limiter angeboten. Was die Steuerung betrifft, verfügen Profi-DSPs neben der USB-Anbindung oftmals über die Möglichkeit, via Netzwerk einen Zugriff zu realisieren. Wer diese Funktionen nicht zwingend braucht, der darf bedenkenlos zum the t.racks DSP 4X4 Mini greifen und schont damit sein Technik-Budget.

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