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Test
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25.08.2019

Tama Dyna-Sync HPDS1 Single und HPDS1TW Double Bass Drum Pedale Test

Fußmaschinen

In Sync

Mit den Dyna-Sync Pedalen steigt Tama in die Produktion direkt angetriebener Fußmaschinen ein. Womit wir auch schon mittendrin wären, denn nur wenige Themen bringen soviel Schwung in Drummer-Diskussionen wie die Frage, ob es nun ein Kettenmaschine oder eben ein Modell mit Zugstange sein sollte. Interessanterweise genießt die Firma Tama mit ihren Iron Cobra und Speed Cobra Modellen gerade bei Metaldrummern einen hervorragenden Ruf, und zwar trotz des Umstands, dass man den in der Szene so beliebten Direktantrieb bisher nicht im Programm hatte. Das ändert sich mit den beiden heute getesteten Geräten, welche mit vollem Namen Dyna-Sync HPDS1 (Single) und Dyna-Sync HPDS1TW (Double) heißen.

Obwohl Direktantrieb-Pedale oft mit modernem, schnellem Spiel und High Tech assoziiert werden, reicht ihre Geschichte doch bis an die frühesten Anfänge des Drumset-Spiels zurück, denn auch die ersten Fußmaschinen besaßen starre Metallstifte, um die Fußkraft von der Trittplatte auf den Schlägel zu transportieren. Eine weitere Option waren Lederstreifen, die bekannten Kettenmaschinen wurden jedoch erst Anfang der 80er Jahre vorgestellt. Eine dieser Maschinen war übrigens die Tama Camco, woraus sich vielleicht die langjährige Vorliebe der Marke für dieses Antriebskonzept erklärt. Unsere heutigen Neuzugänge basieren übrigens weiterhin auf den Rahmen der bereits vorhandenen Cobra Oberklasse-Modelle mit Kette. Mit den verbauten Neuerungen soll jedoch ein deutlich anderes Spielgefühl als bei den Kettenversionen erreicht werden. So wurde eine spezielle, zweigeteilte Antriebskonstruktion entwickelt, und auch die Cam wurde optimiert. Welche Spezialitäten die beiden Testkandidaten noch so auf Lager haben und ob sich der Aufpreis lohnt, erfahrt ihr auf den folgenden Zeilen.

Details

Modifizierte Cobra

Zum Test hat der deutsche Tama Vertrieb Meinl beide verfügbaren Dyna-Sync Pedale geschickt, welche nun in ihren schicken Kartons vor mir liegen. Nach dem Entfernen der Papphüllen kommen leicht veränderte Versionen der bekannten Kunststoff-Cases, die man bereits von den anderen Oberklasse-Pedalen der Marke kennt, zum Vorschein. Sauber eingepasst, liegen darin unsere Testobjekte. Die erste Begutachtung bringt die Erkenntnis, dass es sich bei den Dyna-Syncs nicht um komplette Neuentwicklungen handelt, sondern um mehr oder weniger stark modifizierte Speed Cobras. Wir haben es also mit einer grundsätzlich unauffälligen, zweisäuligen Standardbauweise mit Bodenplatten zu tun, welche jedoch an entscheidenden Stellen „getuned“ wurde. Dass schon optisch keine Verwechslungsgefahr besteht, dafür sorgen die neu gestalteten, fast glatten Trittplatten mit eingefrästem Dyna-Sync Schriftzug. Inklusive Fersenteil kommen sie auf eine stattliche Gesamtlänge von etwa 32,5 Zentimetern und liegen damit nur knapp unter jener der Speed Cobra (etwa 34 Zentimeter). Hier wie dort kommt der sogenannte „Hinge Guard Block“ zum Einsatz, welches aus einem dreiteiligen, kugelgelagerten Scharnier zwischen Fersenteil und Trittplatte besteht. Am oberen Ende stoße ich jedoch auf eine weitere Neuheit, nämlich den Verstellmechanismus der Trittplattenhöhe. Anders als bei der Speed Cobra, wo sich die Beater-Halterung auf der Antriebswelle drehen lässt, hat man diese Funktion bei der Dyna-Sync an den Kontaktpunkt zwischen den Link-Stangen und dem Trittplattenende verlegt.

Durch das Lösen einer Vierkantschraube ist es möglich, den Winkel des Boards um einige Grad nach oben oder unten zu bewegen, eine Skala hilft bei der Orientierung. Interessanterweise besitzt der Slave-Beater des Doppelpedals auch noch das Verstellsystem der Cobras, somit lässt sich hier der Winkel der Trittplatte auf zwei verschiedene Weisen justieren.

Ein weiterer Unterschied zwischen der Speed Cobra und der Dyna-Sync ist die dunkelgraue Lackierung, in welcher der Rahmen sowie die Bodenplatte gehalten sind. Formal wirken beiden Teile ansonsten weitgehend identisch. Auf der Bodenplatte finde ich ebenfalls einen alten Bekannten, nämlich die Cobra Coil, welche man hier kurzerhand in Dyna Coil umbenannt hat. Dabei handelt es sich um eine verschiebbare Feder, welche dabei helfen soll, die Trittplatte von unten schneller wieder in ihre Ausgangsposition zu befördern. Der Rahmen beherbergt weitere Cobra-Features wie den seitlich angebrachten Multifunktionsschlüssel-Halter samt Inhalt auf der einen sowie die Zugfederarretierung auf der anderen Seite. Um eine möglichst widerstandsarme Funktion zu ermöglichen, ist die Feder oben kugelgelagert eingehängt, auf der Einstellseite sorgen zwei speziell geformte Kunststoffmuttern für eine verstellsichere Justierung der Spannung.

Kommen wir jetzt zum spannenden Teil der Dyna-Syncs, nämlich der Antriebseinheit, welche aus drei Teilen besteht. Da wären zunächst die beiden Aluminiumbügel, die aus der Maschine ein direktgetriebenes Modell machen. Unten sind sie kugelgelagert mit dem Trittplatten-Verstellmechanismus verbunden, oben sind sie auf dieselbe Weise mit einer Art „Nase“ aus Alu verschraubt. Der Clou ist nun, dass diese Nase nicht fest mit der Welle verbunden ist, sondern verschiebbar auf einem weiteren Aluminiumsockel sitzt. Löst man eine, bequem von oben erreichbare, Vierkantschraube, lässt sich die Distanz zwischen Link-Bügel und Welle in einem Bereich von etwa zwei Zentimetern verschieben. Zwei eingefräste Buchstaben zeigen an, in welche Richtung sich der Abstand verschiebt. „L“ steht für Long, „S“ für Short. Je länger der Abstand zwischen Direct-Link und Welle ausfällt, desto leichter und linearer soll das Spielgefühl ausfallen, ein kurzer Abstand soll ein zackigeres, deutlich „direct-drive-mäßigeres“ Antreten des Pedals zur Folge haben.

Das Slave-Pedal besitzt einen zusätzlichen Halteanker

Wie bei vielen Tama Oberklasse-Pedalen üblich, ist auch das Slave-Pedal der Dyna-Sync Doppelfußmaschine mit einem großen, mit der Bodenplatte verschraubten Halteblech versehen. Dieses ist mit zwei ausfahrbaren Spikes bestückt und soll dem häufig auftretenden Problem des „Abwanderns“ entgegen wirken. Einen ebenfalls sehr soliden und präzise gefertigten Eindruck macht auch die leichte Kardanwelle, deren Schrauben durch kleine Plastikformteile am selbsttätigen Herausfallen gehindert werden sollen. Kratzfreien Halt am Bassdrum-Reifen versprechen die Kunststoff-gefütterten, „Para Clamp II Pro“ genannten Klemmen, welche sich seitlich arretieren lassen und über bewegliche Backen verfügen. Große Freude macht dem Tester der Umstand, dass man sich bei Tama wieder auf die einfachen, runden Filz-Beater zurückbesinnt. Im Falle der Testkandidaten sind sie in schwarz gehalten. Jetzt fragt sich nur noch, wie all diese makellos verarbeiteten und sorgfältig konstruierten Komponenten in der Praxis zusammen spielen.

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