Gitarre Hersteller_Mooer
Test
1
06.10.2020

Mooer GE300 Lite Test

Multi-Effektpedal

Kleine Multi-Schwester

Das Mooer GE300 Lite ist eine leicht abgespeckte Version des Multi-Effekt-Flaggschiffs GE300 des chinesischen Herstellers, der sich durch recht preisgünstige und kleine Effektpedale sehr schnell einen Namen in der Gitarristenwelt gemacht hat. Mit einem Verkaufspreis von knapp unter 500 Euro ist das GE300 Lite zum Zeitpunkt des Tests um ca. 90 Euro günstiger als das "große" GE300.
Allerdings musste dafür auch an einigen Ecken gespart werden. Auf den ersten Blick fällt das Fehlen des Expression-Pedals auf und auch etwas weniger Schaltmöglichkeiten sind an Bord. Wie es im Inneren bei der Software-Ausstattung aussieht und wie das Gerät in unterschiedlichen Anwendungsbereichen klingt, das erfahrt ihr hier.

Details

In ihrer optischen Aufmachung sind sich GE300 Lite und GE300 recht ähnlich. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob auf der rechten Seite das Expression Pedal und eine Schalter-Einheit abgeschnitten wurden und dafür alle Regler dorthin gewandert sind. Das ist die grobe Beschreibung, im Klartext sieht es folgendermaßen aus: Das GE300 Lite misst 287 x 208 x 64 mm (B x T x H) und hat ein Gewicht von 2,1 kg. Das Gehäuse ist aus Metall gefertigt, alles sieht sehr solide und stabil aus. Für den Einsatz auf der Bühne und der damit üblicherweise verbundenen etwas groben Behandlung bei Transport, Aufbau und Gig stellen sich keine großen Bedenken ein. Die Bedienelemente sind klar strukturiert auf der leicht angeschrägten Oberseite angeordnet. In der hinteren Hälfte sind acht Fußschalter mit farbigen LED-Kränzen in zwei Reihen positioniert. Über den Schaltern ist die Signalkette mit den einzelnen Effektblöcken mit beleuchteten Tastern aufgereiht und darüber befinden sich links das 5" LCD Display und rechts sämtliche Regler, allesamt mit stabilen Potiknöpfen aus Metall. Wie beim GE300 stehen fünf Parameter-Regler zum Editieren in Verbindung mit dem Display zur Verfügung. Darüber befinden sich das etwas größere Value-Rad mit Tastfunktion und ganz rechts außen die beiden Lautstärke-Regler. Hier wurde einer eingespart, und zwar der Pegelregler für den Kopfhörerausgang, der zusammen mit dem normalen Klinkenausgang jetzt mit einem einzelnen Poti eingestellt wird. Das zweite ist für den Pegel am XLR-Out zuständig. Dazu kommen noch ein paar Taster zur Anwahl bestimmter Funktionen oder Menüs (System, Save, etc.). Alles in allem ist das GE300 Lite ein sehr kompaktes Gerät, das auf seinen vier Gummifüßen rutschfest auf glatten Bühnenböden steht und in seinen Abmessungen etwa denen eines Din A4-Ordners entspricht. Man könnte es auch in der Zusatztasche eines Standard-Gitarrengigbags verstauen.

Rückseite/Anschlüsse

Bei den Anschlussmöglichkeiten hat man glücklicherweise nichts eingespart, und um alle unterzubringen, wurden diverse Buchsen übereinander positioniert. Es gibt zwei Eingangsbuchsen, einmal mit Standardklinke für die Gitarre und ein Miniklinkenanschluss für Geräte mit Line-Pegel (Aux In). Hier kann ein Zuspielgerät (MP3 Player) angeschlossen werden, von dem man zum Beispiel Backing-Tracks zum Üben und Jammen abfeuern kann. Mit einem kleinen Schalter lässt sich auch der Gitarreneingang auf Line Pegel umschalten, falls man das Effektgerät mit einem Keyboard ansteuern möchte. Dann folgen zwei Stereoklinken-Anschlüsse für externe Expression-Pedale und daneben Send- und Return-Buchse für den internen Effektloop. Hier können externe Effektgeräte in den Signalfluss des GE300 Lite eingebunden werden - der Loop ist übrigens frei im Signalweg positionierbar. Außerdem kann hiermit das GE300 Lite über die 4-Kabel-Methode mit einem Amp mit Einschleifweg verbunden werden. Als nächstes folgen die Ausgänge, zuerst zweimal der Standard-Output mit Klinkenanschluss und daneben der Phones Out mit Stereoklinkenbuchse. Symmetrische Ausgänge gibt es auch - es stehen zwei XLR Anschlüsse mit dazugehörigem Ground-Lift zur Verfügung, damit das GE300 Lite bei längeren Kabelwegen direkt an Mischpult oder Stagebox angeschlossen werden kann. Der MIDI-Anschluss lässt sich wahlweise als In oder Out benutzen, was in den Systemeinstellungen konfiguriert wird. Letzter Anschluss ist der USB B-Port zur Verbindung mit einem Computer, über den das GE300 Lite per Mooer Studio App bedient und gegebenenfalls auch mit Firmware-Updates auf den neuesten Stand gebracht wird. Ganz rechts findet man die Buchse für das mitgelieferte Netzteil (9V Center Negativ).

Bedienung

Fangen wir erst mal mit den Zahlen an: Das GE300 Lite hat 108 Amp-Modelle, 43 IR-basierte Cabs und 164 unterschiedliche Effekteinheiten. Innerhalb der Signalkette können 13 Effektblöcke gleichzeitig genutzt werden:

  • Comp - Compressor
  • Wah-Wah-Effekte (Pedal, Touch Wah)
  • FXA - Diverse Effekte (Modulation, Pitch, etc.)
  • DS/OD - Distortion und Overdrive
  • Amp - Ampsimulation
  • Cab - Speakersimulation
  • NS - Noise Gate
  • Tone Cap - Tone Capture Funktion
  • EQ - Equalizer
  • FX B - Diverse Effekte (Modulation, Pitch, etc.)
  • FX Loop - Integrierter Effektloop für externe Effekte
  • Delay - Delay-Effekte
  • Reverb - Reverb-Effekte

Es besteht auch die Möglichkeit, eigene Impulsantworten zu laden. Bei den Effekten stehen immer unterschiedliche Modelle zur Auswahl, darunter selbstverständlich auch einige digitale Nachbildungen beliebter Klassiker wie Tube Screamer, Big Muff u.a. Der Speicher im GE300 Lite ist so organisiert, dass 85 Speicherbänke mit je drei abrufbaren Presets (A, B, C) bereitstehen. Die Presets werden mit den Fußschaltern in der unteren Reihe (A, B, C) aufgerufen, die Bänke mit den beiden linken Schaltern auf- oder abwärts durchgesteppt. Über die Fußschalter CTRL1, 2 und 3 werden weitere Funktionen geschaltet, zum Beispiel Effektblöcke ein und aus. Die Schalter sind komplett frei programmierbar, man kann auch mehrere Effektblöcke über einen Schalter aktivieren. Editiert wird über das Display, auf dem nach dem Drücken eines Effektblock-Tasters die entsprechenden Parameter angezeigt werden, die sich dann mit den fünf Parameter-Reglern verändern lassen. Sind mehr als fünf Parameter verfügbar, wird per Druck auf das Value-Rad die Anzeige auf die nächsten fünf Parameter gewechselt. Diese Konzeption der Bedienung hat sich mittlerweile bei vielen Multi-Effektpedalen bewährt, mit der sich auch alles recht zügig und übersichtlich einstellen lässt. Das farbige Display bietet dazu eine sehr gute und kontrastreiche Anzeige.

Mooer Studio App

Die komplette Übersicht erhält man natürlich beim Editieren am Bildschirm des Computers mit der Mooer Studio App, die kostenlos von der Hersteller-Website heruntergeladen werden kann. Installation und Geräte-Erkennung funktionieren absolut problemlos. Die Signalkette wird in der unteren Hälfte angezeigt, wo ein Effektblock angewählt werden kann, dessen Parameter oberhalb mit Balken angezeigt und verändert werden. Hier sind ein paar Screenshots.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare