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Test
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14.06.2017

Image-Line FL Studio 12 (Producer Edition) Test

DAW-Software

Ich bin patternbasiert und das ist gut so!

FL Studio – ehemalig Fruity Loops – ist erwachsen geworden: Im Laufe der Jahre ist aus der reinen Pattern-Schraub-Maschine eine Musikproduktionssoftware geworden, deren Featureumfang weitestgehend mit den großen DAWs mithalten kann. Dabei ist man dem ursprünglichen Kernkonzept der patternbasierten Songerstellung bis heute treu geblieben. Durch dieses simple Kompositions-Baukasten-Prinzip ist FL Studio zwar besonders bei Einsteigern sehr beliebt, doch auch Superproducer wie die der 808 Mafia und Mike Will Made It schreiben ihre Hits mit dieser DAW. 

Daher wundert es nicht, dass FL Studio trotz seines Einsteigersoftware-Images aktuell zu den meistgenutzten DAWs gehört! Kaum eine andere DAW schafft den Spagat, Neulingen einen leichten Einstieg zu ermöglichen und dennoch umfangreich genug für Profis zu sein. Mit dem Update auf Version 12 wurde das Interface generalüberholt und der Workflow einigen Verbesserungen unterzogen, die das Konzept im Produktionsalltag nochmals erleichtern sollen. Wir haben gecheckt, wie sich FL Studio 12 in der Praxis schlägt.

 

Details

Ein Leben lang

Wer die Software einmal sein Eigen nennen darf, wird es für immer dürfen. Mit dem Erwerb einer FL Studio Lizenz gewährt Image-Line den Usern nämlich ein lebenslanges Update-Recht! FL Studio gibt es in den vier Varianten Fruity, Producer, Signature und All Plug-ins-Bundle. Bei unserem heutigen Testkandidaten handelt es sich um die Producer Edition, was bedeutet, dass alle Funktionen enthalten sind, nicht aber das gesamte Plug-in-Paket. Den Feature-Vergleich der Versionen findet ihr hier.

Der Hersteller bietet eine Testversion, die darauf beschränkt ist, dass gespeicherte Projekte nicht mehr geöffnet werden können und manche Plug-ins hin und wieder ein Rauschen (White Noise) ausgeben. Mit FL Studio Mobile erhält man die DAW in abgespeckter Form auch für iOS, Android und Windows Phone. Die mobil erstellten Ideen lassen sich daraufhin in die große Version importieren und finalisieren. 

Konzept

Im Gegensatz zu anderen DAWs verfügt FL Studio seit Tag 1 über einen Step-Sequenzer, in dem hauptsächlich Drum-Grooves erzeugt werden, die in Loops (Schleifen) wiedergegeben werden – daher der ursprüngliche Produktname „Fruity Loops“. Rhythmusgefühl benötigt man zur Erstellung der Patterns nicht zwingend, denn die Steps eines Patterns sind in Sechzehntel gerastert und klingen daher immer „on point“. Man muss sie nur mit der Maus anklicken, um einen Timing-perfekten Beat aus dem Ärmel zu schütteln – das kann wirklich jeder! Um aus den Patterns einen Song aufzubauen, werden sie daraufhin in das Arrangierfenster verschoben. Durch diese Produktionsweise ist FL Studio prädestiniert zum Arrangieren jeglicher elektronischer EDM-Musikarten sowie Hip-Hop, Trap und ähnlicher Stile.

Man muss kein musikalisches Wunderkind sein, um mit FL Studio im Handumdrehen harmonische Skalen und Akkorde zu programmieren. Wie in anderen DAWs auch müssen diese nicht zwanghaft live mit einem MIDI-Keyboard eingespielt werden, da sie sich in der Pianorolle auch mit der Maus einzeichnen lassen. FL Studios Pianorolle hält zusätzlich vorgegebene Harmonien und Skalen bereit, mit denen man auch ohne Vorwissen von Harmonielehre mit wenigen Mausklicks zu professionellen Ergebnissen kommt.

Vectorial User Interface

Image-Line hat die Benutzeroberfläche vektorisiert, was bedeutet, dass sich die Größe an jede aktuell verfügbare Bildschirmauflösung anpassen lässt, ohne dabei verpixelt zu erscheinen. Dadurch unterstützt FL Studio Auflösungen bis zu 8K – in Sachen Auflösung ist die DAW ihrer Zeit voraus. Bemerkbar macht sich die Vektorisierung beispielsweise beim virtuellen Mischpult, dessen Design komplett überarbeitet wurde und mit dem Update vertikal skalierbar ist. Das Schöne: Alle eingeblendeten Mixer-Funktionen sind beinahe immer sichtbar – egal, ob der Mixer den gesamten Platz eines Bildschirms für sich einnimmt oder nur das untere Drittel belegt. Wenn man ihn auf ein Minimum skaliert, verschwinden ausschließlich Mixer-Buttons, die ohnehin nicht ständig benötigt werden, etwa Reverse Polarity, Swap Left and Right Channels und Stereo Separation.

Neu ist auch der Auto-Zoom in der Pianorolle, mit dem sich die Noten passend zur Fenstergröße skalieren lassen. Das Ganze kann in den Preferences deaktiviert werden. Manche Teile der Benutzeroberfläche ermöglichen zudem keinen „Live-Zoom“, sondern nur globale Größenänderungen in den Preferences, die einen Neustart der Software erfordern.

 

Multitouch und Kopfleiste

Besitzer eines Windows-Tablets dürfen sich zusätzlich über die neue Multitouch-Unterstützung freuen. Diese ermöglicht es beispielsweise, vertikalen sowie horizontalen Zoom durch unterschiedliche Gesten zu steuern. Shortcuts, die man normalerweise nur durch die Tastatur erreichen kann, lassen sich praktischerweise als Buttons in der Kopfleiste unterbringen. Die Kopfleiste selbst kann ab Version 12 endlich an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Einzelne Sektionen dieser sind fortan herausnehmbar, um sie frei auf der Bedienoberfläche zu platzieren.

FLAC-Export

Neben dem verlustbehafteten MP3- gibt es das verlustfreie FLAC-Format. Hiermit werden Audiodateien in der Dateigröße im Vergleich zu WAV komprimiert, jedoch ohne Qualitätsverlust. Mit FL Studio 12 ist FLAC nun beim Export auswählbar.

Device Updates

FL Studios Envelope Controller verfügt nun über acht separate Hüllkurvengeneratoren, ein X/Y-Feld sowie sogenannte Smart Knobs. Dadurch ermöglicht der Envelope Controller aufwendigere Modulationen als sein Vorgänger. Fruitys Keyboard Controller erhält einen zusätzlichen „Attack Smoothing“-Parameter und ebenfalls wie der Formula Controller ein überarbeitetes GUI.

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