Test
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08.12.2020

Allen & Heath DX168/X Test

Portables Audiorack

Die multifunktionale Stagebox

Das Mischpult-Universum von Allen & Heath wurde in den letzten Jahren konsequent erweitert und steuert langsam, aber sicher in Richtung Großfamilie. Um für möglichste viele Mixer eine passende Kompakt-Stagebox anbieten zu können, wurde die DX168/X entwickelt. Diese lässt sich allein oder in Kombination mit anderen Stageboxen von Allen & Heath dank ihrer zwei S-Link-Netzwerk-Ports einsetzten. Die Bedienelemente wurden dabei auf das Notwendigste beschränkt, dafür aber wurde Wert auf eine professionelle Verarbeitung und einen überzeugenden Sound gelegt. Zeit sich die kompakte I/O-Kiste näher anzusehen.

Details

Sicherheit steht bei Allen & Heath offensichtlich hoch im Kurs. Die DX 168/X kommt in einem stabilen Karton und wird durch sehr dicke Kunststoffpolster geschützt. Dabei braucht die Stagebox wohl nur in Ausnahmefällen einen Bodyguard, da sie selbst über ein sehr massives Metallgehäuse mit mächtigen Gummiecken-Bumpern verfügt, das vermutlich selbst einen Sturz von einer Bühnenkante ohne größere Schäden überstehen dürfte.

Der Lieferumfang ist dagegen auf das Notwendigste beschränkt. Stagebox, Kaltgerätekabel, Ausweispapiere – das ist alles, was sich im Karton befindet. Mit einem Gewicht von etwas unter fünf Kilogramm ist die Audioeinheit erstaunlich schwer, was aber dank dem Metallgriff auf der rechten Gehäuseseite kein Problem in der Praxis darstellt. Aufgrund des beeindruckenden Gewichts dürfte die Box auf der Bühne einen sicheren Stand haben und nicht so leicht verrutschen.

Wenn man die DX168/X genauer betrachtet, fällt auf, dass es im Grunde keine wirklichen Bedienelemente gibt. Mit Ausnahme des versenkt angebrachten Schalters mit der Bezeichnung „Mode“. Ansonsten wird nicht lange gefackelt: Hinstellen, Ein- und Ausgänge verbinden und das Kaltgerätekabel einstecken. Ready to roll! Selbst einen Netzschalter sucht man vergebens, was ich bei einer missionskritischen Audioeinheit sogar eher als Vorteil sehe.

Was den Netzanschluss als solchen betrifft, habe ich eher gemischte Gefühle. Professioneller wäre ein verriegelbarer PowerCon-Anschluss. Zumindest spendierte man dem Kaltgerätekabel eine verschraubte Zugentlastung, welche die Grundbedürfnisse der Betriebssicherheit befriedigt.

Gespart wurde nicht an professionellen EtherCon-Armaturen für die Netzwerkverbindung der beiden verbauten S-Link-DX-Ports. Diese dienen zur Audiodatenübertragung und sollen eine maximale Reichweite an einem CAT5e-Kabel (oder besser) von 100 Metern ermöglichen. Dabei ergeben sich mit besagtem Mode-Taster und je nachdem welchen Mixer von Allen & Heath man mit der Stagebox verwendet, zwei Optionen bezüglich der Verkabelung.

Größere Pulte wie die Allen &Heath dLive ermöglichen eine redundante Verkabelung. Fällt ein Kabel aus, läuft der Audiostream über die zweite Leitung weiter. Dafür stellt man den Mode-Taster auf die Stellung „redundant“. Steht er dagegen auf „cascade“, dann kann die DX168/X im Daisy-Chain-Verfahren kurzerhand durchgeschliffen und so mehrere Stageboxen hintereinander zu einem größeren System gekoppelt werden. Unterschiedlich farbige LEDs zeigen an, in welchem der beiden Betriebsmodi sich die Stagebox befindet. Sollte das Netzwerkprotokoll in irgendeiner Weise gestört sein, wird das ebenfalls über LEDs an den DX-Ports angezeigt. Somit ist der Anwender stets bestens über den Gemütszustand der Stagebox informiert.

Überaus kompatibel

Wie bereits erwähnt, lässt sich die DX168/X innerhalb des Allen-&-Heath-Universums flexibel einsetzen. Die Stagebox kommuniziert mit allen Surfaces der dLive-Serie, der neuen Avantis und den kostengünstigen SQ-Mixern. Darüber hinaus lässt sie sich auch mit dem neuen Allen & Heath Matrix Prozessor AHM-64 verwenden. Klasse!

Je nach verwendetem Mixer bieten sich mit dem Einsatz einer oder mehrerer DX168/X Stageboxen unterschiedliche Möglichkeiten. In Kombination mit dem Flaggschiff Allen & Heath dLive lassen sich bis zu sechs DX168/X betreiben. Vier Stück können direkt am Mixrack andocken, während zwei weitere Einheiten über das Surface verwaltet werden. In Summe werkeln damit 96 Eingänge und 48 Ausgänge im Verbund. An der Avantis-Konsole lassen sich zwei DX168/X am Avantis S-Link-Port betreiben und bis zu 16 DX168/X via DX-Link-Karte und/oder DX-Hubs. Auch an den SQ-Pulten von Allen & Heath lassen sich zwei DX168/X an einem SQ-S-Link-Port betreiben. Ein DX-Hub verwaltet acht weitere DX168/X-Einheiten, deren Inputs frei an die 48 Eingangskanäle einer SQ-Konsole patchbar sind. Aber Hallo – damit geht doch so einiges!

Vorderseite

Hier geht es sehr übersichtlich zu. Auf der linken Seite notiere ich die 16 Mic/Line-Eingänge mit verriegelbaren XLR-Armaturen. Diese werden begleitet von Phantomspeisung-LEDs. Wie in dieser Preisklasse üblich, so sind die verbauten Mikrofonvorverstärker fernsteuerbar. Die eingestellte Vorverstärkung und eine aktivierte Phantomspeisung werden nach einem unvorhergesehenen Stromausfall beim Hochfahren wiederhergestellt. Zwei zusätzliche, grüne Status-LEDs zeigen die anliegende Netzspannung an und ein korrekt eingerichtetes Netzwerk.

Für die Ausgänge stehen acht XLR-Buchsen bereit. Alle XLR-Armaturen stammen übrigens aus dem Hause Neutrik. Die Buchsen sind geschützt durch die dicken Gummi-Bumper. Etwas aufpassen muss man in puncto Flüssigkeiten. Das Gehäuse verfügt über reichlich Luftschlitze. Vorteil: Die Stagebox benötigt keinen Gehäuselüfter. Nachteil: Flüssigkeiten wie Bühnennebel, Regen oder Flugbier haben einfachen Zutritt zur internen Elektronik. Das sollte man stets im Hinterkopf behalten und dementsprechend eine passende Aufstellung wählen.

Alternativ verbaut man die Stagebox in ein passendes Rack. Die passenden Rackwinkel sind unter der Bezeichnung Allen & Heath AB168-RK10 erhältlich und schlagen mit satten 87,– Euro zu Buche. Für meinen Geschmack ist das schon ein happiger Preis für zwei lackierte Metallwinkel. Wer die DX168/X allerdings in ein 19-Zoll-Rack verfrachten möchte, der wird kaum um diesen Kauf herumkommen.

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