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14.07.2021

"Zu viel Schweiß": Südkorea verbietet Songs über 120 BPM

Die südkoreanisches Behörden verstehen keinen Spaß bei der Eindämmung des Virus. Eine neue Corona-Regel in Seoul verbietet das Abspielen von Musik über 120 Schlägen pro Minute. Die Maßnahme gilt ab sofort in Fitnessstudios. K-Pop dürfte damit erstmals Geschichte sein. 

In den letzten 1,5 Jahren hat jeder schon die ein oder andere skurrile Corona-Maßnahme mitbekommen. In Panama durften Männer und Frauen nur an unterschiedlichen Tagen das Haus verlassen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden Drohnen eingesetzt, um Desinfektionsmittel über die Straßen zu sprühen. In Indonesien wurden auf der Straße Särge aufgestellt, in die sich Maskenverweigerer legen mussten, um mögliche Konsequenzen ihres Handelns zu erleben. 

"Schnelle Atmen" muss eingedämmt werden

Südkoreas neueste Corona-Regel erscheint da zwar harmloser, wirkt aber dennoch sehr skurril. Bei Gruppenübungen in Fitnessstudios wie Aerobic oder Spinning ist das Abspielen von Musik mit mehr als 120 Schlägen pro Minute verboten. Laut den Gesundheitsbehörden von Seoul soll die Maßnahme das "schnelle Atmen" und "andere mit Schweiß bespritzen" eindämmen. 

Damit könnte K-Pop und pulsierende elektronische Musik der Vergangenheit angehören. Kritik gab es von Seiten der Opposition schnell. Kim Yong-Tae, Mitglied der "People Power Party", stellte die Sinnhaftigkeit in Frage: "Wer um alles in der Welt prüft die bpm der Lieder, wenn man trainiert? Ich verstehe nicht, was Covid-19 mit meiner Musikauswahl zu tun hat." Außerdem gibt es eine Regelung, welche die Geschwindigkeit auf dem Laufband begrenzt. Yong-Tae dazu: "Man bekommt also kein Covid-19, wenn man langsamer als 6km/h läuft."

Neue Regel sorgt für viel Unverständnis

Auch ein Betreiber eines Fitnessstudios bezog Stellung: "Das Spielen von fröhlichen Titeln soll unsere Mitglieder und die allgemeine Stimmung aufheitern, aber meine größte Frage ist, ob das Spielen von klassischer Musik oder Songs von [der Boyband] BTS nachweislich einen Einfluss auf die Verbreitung des Virus hat. Viele Leute benutzen heutzutage ihre eigenen Kopfhörer und ihre tragbaren Geräte. Wie kontrolliert man ihre Playlists?"

Als "Schwachsinn" bezeichnete die Regel auch ein Mitglied eines Fitnessstudios: "Sie sind bürokratisch und von Leuten ausgedacht, die noch nie in einem Fitnessstudio trainiert haben". 

Welche Lieder dürfen noch gehört werden?

Was bleibt den Koreanern also übrig? Die Top 10 Tracks der Spotify-Workout-Playlist haben alle über 120 Beats pro Minute. K-Pop liegt meist zwischen 120 und 130.  

Relativ einfach haben es hier natürlich die Hip-Hop-Hörer. Ob 'Shook Ones' oder 'Above the Clouds', hier wird es kein Einschreiten geben. Rock und Pop-Fans müssen hingegen aufpassen. 'Yellow Submarine' (111bpm) wird akzeptiert, 'Paint It Black' (160 bpm) ist im gefährlichen Bereich. Und selbst die Reggae-Beats von Bob Marley - Buffalo Soldier (124bpm) sind wohl zu schweißtreibend. 

Musik kann für die körperliche Fitness sehr fördernd sein. Demnach erhöht sie die Schmerztoleranz, etwa beim Laufen. Die Übungen fühlen sich weniger anstrengend an, die Leistungsfähigkeit wird dadurch gesteigert. Ein simpler Grund ist, dass Musik von Schmerzen ablenkt. 

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