Hersteller_Zoom
Test
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04.10.2014

Praxis

Ein Blick ins Handbuch beim TA-2 ist eigentlich nicht notwendig, trotzdem befindet sich erfreulicherweise eines dieser Relikte in englischer Sprache im Lieferumfang des TAC-2. Die Einrichtung des TAC-2 gestaltet sich also kinderleicht: Nachdem man sich die entsprechenden Treiber heruntergeladen hat, wird das Gerät am Mac sofort erkannt und ist damit einsatzbereit. In manchen Foren wurde zwar berichtet, dass sich der Treiber nicht besonders gut mit der aktuellen OS X Version 10.9 (Mavericks) versteht, wir können diese These so allerdings nicht bestätigen, denn sowohl auf meinem aktuellen Mac Pro als auch auf meinem 2014er MacBook Air harmonierte das Interface problemlos mit dem aktuellem Betriebssystem.

Sehr gute Wiedergabeeigenschaften

Kommen wir nun zum wohl wichtigsten Qualitätsfaktor eines Interfaces: Dem Ausgangsklang, wobei hier ein Chipsatz der Marke AKM AK4396 zum Einsatz kommt.

Im Direktvergleich mit meinem RME Fireface UFX schlägt sich das kleine TAC-2  tatsächlich sehr gut. Zwar wirkt die Stereobühne im äußerst kritischen Direktvergleich durchaus eine Spur schmaler, was vor allem bei sehr breiten Gitarrenwänden auffällt, andererseits wirken die crispen Höhen von Overheads und Hi-Hats beim TAC-2 wiederum durchaus präziser und damit auch ein wenig feiner aufgelöst. Etwas überpräsent erscheint mir hingegen der untere Mittenbereich, wodurch der Gesamtklang etwas „dicker“ und dadurch ein klein wenig undifferenzierter erscheint als bei meinem geliebten RME. 

Ganz kritisch betrachtet rücken Vocals beim Zoom aber auch ein ganz klein wenig in den Hintergrund, sodass mir James Blakes Engelsstimme im Gegensatz dazu bei meinem RME direkt ins Ohr säuselt. Aber wie gesagt, dass ist wirklich Meckern auf ganz hohem Niveau! Die Abstimmung des TAC-2 lässt sich wiedergabeseitig also als sehr stimmig, neutral und ausgewogen bezeichnen, sprich „überdurchschnittlich gut“. Gut, dass auch der Kopfhörer-Ausgang diese Qualitäten wiedergibt und obendrein recht laut ausspielt.

Neutrale Preamps

Aber auch im Aufnahmeweg wird das Zoom seinem hohem Anspruch gerecht, denn der Sound der Vorverstärker lässt sich im besten Sinne als „unauffällig“ beschreiben, wobei als Wandler übrigens nun ein Burr Brown PCM4202 zum Einsatz kommt. Die Signale wirken im Grundklang jedenfalls sehr neutral und niemals verzerrt, sogar bei maximalem Gain ist kaum ein Rauschen wahrnehmbar. Doch hört lieber wieder selbst:

Im Falle der beiden Western-Gitarren spielt der TAC-2 seine Stärken dann deutlich hörbar aus. So werden die feinen Höhen besonders beim Brauner VM1 fast schon seidig weich gezeichnet, wobei die Resonanz vom Korpus auch sehr organisch abgebildet wird. Bei den Shakern hingegen zeigt sich das brillante High-End und die Schnelligkeit der Wandler/Preamp-Kombination, gerade was die Transienten anbelangt, besonders gut. Es wird hier also nichts überzeichnet, und der Sound bleibt dadurch stets glaubhaft und linear, trotz des doch sehr dynamischen Instruments.

Der Bass, welcher über eine DI-Box eingespielt wurde, besitzt ebenfalls keinerlei grobe Schnitzer in der digitalen Abbildung. Nur eine leichte Überhöhung im unteren Mittenbereich lässt sich nicht verbergen, stört aber insgesamt an dieser Stelle eher weniger. Bei einem Instrument wie dem E-Bass trennt sich bekanntlich auch die Spreu vom Weizen, da dieser vor allem ohne vorherige Kompression ein sehr dynamisches Instrument sein und außerdem auch durch den tiefen Grundsound so manchen Wandler zur Verzweiflung bringen kann. Höherwertige Interfaces bzw. Preamps wie z.B. die von meinem RME UFX besitzen an dieser Stelle deshalb auch eine etwas bessere Transienten-Abbildung in Nuancen, was dieses Instrument gerade im Mix spürbar präsenter klingen lässt. Insgesamt liefert das TAC-2 aber auch an dieser Stelle wirklich sehr gute Ergebnisse, und das bei einem relativ moderaten Preis.

Hardware-Routing und Hall mit MixEFX-Software

Mit der MixEFX-Software stellt Zoom weiterhin eine komfortablere Bedienoberfläche für alle weiteren Parameter des Interfaces bereit und reagiert somit auf die doch recht spartanische Bedienbarkeit der Hardware mittels eines einzelnen Push-Encoders. Die Software präsentiert sich dabei zeitgemäß als auch übersichtlich. Und so können alle Input-relevanten Parameter wie Phantomspeisung, Lo-Cut bei 80Hz und auch ein Phasendreher hinzugeschaltet werden sowie deutlich präzisere Gainanpassungen vorgenommen werden. Mit Hilfe der Auto-Gain Funktion, welche sich über einen kleinen Umschalter optional einschalten lässt, kann der Eingangspegel aber auch automatisch eingepegelt werden. 

In der Mixer-Sektion können außerdem die anliegenden Direktsignale sowie das Computersignal aus der DAW in Volume und Panorama angepasst werden, sodass auch lateznfreie Kopfhörer-Mixe realisiert werden können. Sogar ein einfacher Hall lässt sich während der Aufnahme den unterschiedlichen Eingangsquellen hinzumischen, wobei hier zwischen verschiedenen Room-, Hall-, Plate- und Echo-Algorithmen gewählt werden kann. Nicht zuletzt können mit MixEFX auch das MainOut- und das Kopfhörer-Signal unabhängig voneinander in der Lautstärke geregelt werden, wobei dies ja auch über den Push-Encoder via Hardware-Zugriff möglich ist. Leider ist dies in beiden Fällen wieder - wie bei den Preamps - nur in 3dB-Schritten möglich, was für meinen Geschmack allerdings ein wenig zu grob ist.

Unter Ableton Live 9 auf meinem MacBook Air konnte das TAC-2 übrigens selbst bei 64 Samples noch knackfrei betrieben werden - und das bei einer außerordentlich geringen Latenz von gerade einmal 2,90 ms. Thunderbolt sei Dank. Allerdings musste ich den Sampleversatz per Hand korrigieren, was wiederum nicht so toll ist.

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