Test
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05.01.2018

Praxis

Was mir beim Hantieren mit den drei Testtrommeln als erstes auffällt, ist das sensationell geringe Gewicht der Alu-Version. Mit nur 2,8 Kilogramm ist sie eine der leichtesten Snares, die ich je in der Hand hatte. Für rückengeplagte Drummer zahlt sich der konsequente Leichtbau also schon beim Transport aus. Kommen wir nun zum Soundcheck, der nicht nur deswegen spannend ausfällt, weil es sich hier um die Neuauflage legendärer Instrumente handelt. Auch der Vergleich verschiedener Metalle bei identischer Konstruktion dürfte interessante Ergebnisse liefern. Den gängigen Kesselmaterialien werden schließlich bestimmte klangliche Charakteristika zugeschrieben. So soll Stahl eher scharf, hell und durchsetzungsstark klingen, während Messing über wärmere Obertöne und einen insgesamt „musikalischeren“ Sound verfügen soll. Aluminium hingegen schreibt man dank eines trockeneren Klangs besondere Fähigkeiten in Aufnahmesituationen und ein gutmütiges Stimmverhalten zu. Um es gleich vorweg zu nehmen: Diese Einschätzungen treffen grundsätzlich auch auf unsere Testobjekte zu.

Ich habe sowohl ein Video als auch Soundfiles in insgesamt fünf Stimmungen erstellt. Im Video könnt ihr zusätzlich hören, wie sich eine nahtlose Recording Custom SD-055 Stahl-Snare von 1982 gegen die Urenkel schlägt. Mechanisch halten unsere Testobjekte keine Überraschungen bereit. Alles funktioniert wie erwartet, wobei ich mir von den neuen Abhebungen einen etwas weicheren und runderen Betriebsablauf gewünscht hätte. Im letzten Drittel der Hebelbewegung muss man in musikalisch sensiblen Situationen schon ein bisschen aufpassen, dass der Teppich nicht das typische Knallen von sich gibt, wenn er auf das Resonanzfell trifft. Das können andere Fabrikate teilweise besser. Dies ist allerdings Jammern auf hohem Niveau, denn funktional gibt es an den Strainern nichts auszusetzen. 

Sehr hohe Stimmung

Metall-Snares eignen sich gut zum funkigen Hochstimmen, außerdem lässt sich so heraus finden, wie hoch man die Kandidaten ziehen kann, bis sie abgewürgt klingen. Es zeigt sich, dass diese Grenze bei allen drei Trommeln sehr hoch liegt. Natürlich erreichen sie hier nicht die Souveränität beispielsweise einer Gussmetall-Snare, aber die stabile und sorgfältige Verarbeitung der Kessel lässt sie auch „angeknallt“ noch frisch und offen klingen. Hier liefert der Alu-Kessel einen sehr fokussierten Sound mit trockenem, artikuliertem Attack, gefolgt von einem kurzen, klaren Sustain. Etwas breiter im Anschlag wirkt das Messing-Modell, hier treten anschließend auch die Obertöne etwas stärker hervor. Am meisten Ton im Anschlag besitzt die Stahl-Snare, gleichzeitig wirkt der Teppich-Sound minimal prominenter als bei den anderen beiden Modellen. Der Kesselton wirkt von allen am präsentesten und räumt der Snare innerhalb der Band etwas mehr Raum frei. Hier kommen die Soundfiles.  

Mittelhohe Stimmung

Ganz hervorragend machen sich unsere Test-Snares in mittelhohen Tunings. Im Gegensatz zu den ganz hohen Registern wird hier etwas Druck vom Kessel genommen, und es ist schon beeindruckend, wie fett und lebendig alle drei Kandidaten nun rüberkommen. Gleichzeitig treten die Grundsounds jetzt noch deutlicher hervor. Klar und sauber klingt die Alu, gleichzeitig sorgen die Alu-Reifen sowohl für einen kompakten Anschlag bei Rimshots als auch für eine weitere Begrenzung der Obertöne. „Saftiger“ und breiter wird es mit dem Messing-Modell, gleichzeitig wird klar, warum viele Drummer das gelbe Metall bei Snares so schätzen, denn während die Obertöne deutlich hörbar sind, fügen sie sich sehr harmonisch in den Gesamtsound ein. Auch die Integration des Teppichs gefällt mir hier sehr gut. Durchaus ähnlich gibt sich die Stahltrommel, sie klingt allerdings eine Spur aggressiver als die anderen beiden, ihre Obertöne wirken etwas schärfer und „wilder“.  

Mitteltiefe Stimmung

Deutlich tiefer gestimmt, verlieren alle drei Snares etwas an Straffheit, was angesichts ihrer Konstruktion und Dimension aber auch kein Wunder ist. Ungedämpft werden die Obertöne wesentlich prominenter, der Attack tritt im Vergleich etwas zurück. Im Verhältnis zueinander gibt es jedoch keine Überraschungen, die Abstufungen entsprechen denen der höheren Stimmungen. Allerdings fällt auf, dass sich die Alu-Version am leichtesten stimmen lässt und insgesamt tonal am konkretesten bleibt. Bei der Messing- und der Stahl-Snare fällt es schwerer, eine exakte Stimmung zu erzielen. Hier komme ich auch zum deutlichsten, wenn auch einzigen Kritikpunkt: Yamahas Entscheidung, auf Kunststoffunterlegscheiben zu verzichten, resultiert (besonders mit den Stahlreifen) in einem etwas hakeligen Stimmerlebnis. Ich persönlich würde die Gefahr leichter Verstimmungen bei harten Schlägen zugunsten eines höheren Stimmkomforts in Kauf nehmen oder auf zusätzliche Schraubensicherungen zurück greifen. 

Im Stimmungskeller

Viele Drummer bevorzugen für manche Situationen Tunings knapp über dem Faltenwurf. Das kann sowohl für Balladen sinnvoll sein als auch für elektronisch inspirierte Sounds, die einen „808-Touch“ bekommen sollen. Alle drei Snares besitzen ordentlich Druck, soll es aber ungedämpft zugehen, kann die Alu-Variante mit ihren kontrollierten Obertönen im Studio besonders überzeugen. Bei der Stahl-Snare werden die Obertöne materialbedingt sehr dominant, hier würde ich immer etwas Moongel oder andere Dämpfungen anbringen. Eine schöne Balance aus saftigem Attack und deutlich vorhandenen, aber angenehm integrierten Obertönen erzielt die Brass. Im Video könnt ihr die tiefe Stimmung auch noch zusätzlich mit einem Dämpfungsring hören. 

20 oder 10? Die Teppiche

Standardmäßig kommen die Snaredrums mit den 20-spiraligen Teppichen aus dem Karton, ich habe allerdings auch die schmalen Versionen mit nur zehn Drähten ausprobiert. Der Effekt ist geringer als erwartet, tendenziell spricht die „Steve Gadd-Lösung“ etwas schneller an und verschiebt die Klangbalance in Richtung eines minimal volleren Kesseltons. Insgesamt nimmt der Raschelanteil besonders bei tieferen Stimmungen leicht ab. Im Video habe ich versucht, euch den Effekt darzustellen. 

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