Test
4
16.11.2021

Yamaha Recording Custom Brass 13“ x 6,5“ Snare Test

Messingsnare

Workhorse 2.0

Mit der Recording Serie hat Yamaha seinerzeit einen Meilenstein in der Geschichte des modernen Schlagzeugbaus gesetzt. Mit kompromissloser Qualität und innovativen Hardware-Konzepten eroberten die japanischen Trommeln schnell die Herzen von Drummern rund um den Globus, bis heute sind sie ein gesetzter Standard im Arsenal von zahlreichen Tonstudios. Für die Neuauflage der Yamaha Recording Metallsnares war unter anderem der Langzeit-Endorser und „Studio King“ Steve Gadd beratend tätig. Heute checken wir die Qualitäten des 13“ x 6,5“ Messingmodells.

Details & Praxis

Die hier vorliegende 13“ x 6,5“ Recording Brass Snare hat einen 1,2 Millimeter starken, nicht nahtlosen Kessel, der an einer nur im Inneren sichtbaren, sauber kaschierten Naht verlötet ist. Die mittlere Sicke des Kessels ist nach außen gewölbt, so wie man es von Ludwig und Konsorten her kennt. Frühere Yamaha-Metallsnares hatten immer eine nach innen gebördelte Sicke. Das geänderte Design sorgt laut Hersteller für einen offeneren und präsenteren Sound. 

Die Oberfläche der im Naturton gehaltenen Trommel ist geschliffen und anschließend klar lackiert. In Kombination mit der makellos verchromten Hardware wirkt die Trommel wertig, aber insgesamt auch nüchtern und funktional – eben wie ein Arbeitsgerät durch und durch. Die Fellauflagekante ist von außen leicht verrundet gestaltet und fällt insgesamt recht schmal aus, die Gratungen sind dahinter beidseitig im 45-Grad-Winkel nach innen gebördelt. 

Die Trommel wirkt wertig und ein bisschen nüchtern

Die Snare ist mit acht Doppelspannböckchen mit flexiblen Gewindehülsen bestückt, sogenannten One Piece Lugs, die ohne Unterlegscheiben direkt auf den Kessel geschraubt sind. Die Dyna Hoops sind 2,3 Millmeter stark, wir haben es also mit typisch dreifach geflanschten Stahlspannreifen zu tun. Ins Auge sticht außerdem die massive Q-Style Abhebung, sie ist seitlich abklappbar und rastet beim Anspannen des Teppichs hörbar und sicher ein. Auf der Gegenseite befindet sich das geschwungene Q-Style Butt End. Die Teppichfeinjustierung erfolgt einseitig am Einstellrad der Abhebung. Für das charakteristische Teppichgeräusch ist ein 20-Spiraler aus Carbonstahl zuständig, der mit Schnüren befestigt ist. Wie üblich bei zeitgemäßen Trommeln, sind auch die Schrauben zur Teppichmontage mit Vierkantköpfen ausgestattet. Bei den Fellen setzt Yamaha auf die bewährte Kombination aus Remo USA Ambassador Coated und Ambassador Snare Side. Dabei handelt es sich um handelsübliche Standardmodelle ohne Yamaha-Aufdruck. Im Lieferumfang ist außerdem ein Stimmschlüssel enthalten.

Der Klang ist fokussiert und erstaunlich breit für eine 13er

Ich hatte in meiner bisherigen Trommelsammlung einige Yamaha Signature Snares, u.a. das Paul Leim- und das Ndugu Chancler-Modell, auch die beiden Manu Katché Snares kenne ich gut. Alle waren sehr wertig gefertigte und sehr gut klingende Instrumente, die im Vergleich zu diversen Ludwig Snares aber für mein Empfinden immer etwas nüchterner und „geordneter“ klangen. Bei der Yamaha Recording Brass Snare fällt mir direkt auf, wie breit und präsent, aber auch fokussiert sie klingt. Die eingangs angesprochene Überarbeitung der Kesselform macht sich absolut bemerkbar. 

In tiefen Lagen muss ich mich kurz am Kopf kratzen, weil ich partout nicht das Gefühl habe, es hier mit einer 13er Snare zu tun zu haben, so tief vom Grundton und voll klingt der Kessel. Ansonsten zeichnet die Snare alles aus, was ich an einer professionellen Trommel schätze: eine crispe und volle Teppichansprache, eine ausgewogene Mischung aus Kesselton und Attack und die Tatsache, dass die Trommel auch mit allerlei Dämpfung drauf – auch in höheren Stimmungen – nicht leblos klingt. Alle Arten von stereotypischen Sounds lassen sich so sehr leicht realisieren, was die Trommel in meinen Ohren zu einer idealen Pop Snare macht, nur eben mit einem etwas kleineren Durchmesser. 

In hohen Stimmungen wird der Obertonanteil merklich präsenter, die Snare kann also bei Bedarf auch sehr gut „knallen“. Rimshots haben ordentlich Kraft und Rimclicks klingen prägnant und durchsetzungsfähig. Gibt es auch einen Kritikpunkt? Ja, aber nur einen kleinen. Etwas unverständlich finde ich, dass der Hersteller auf zusätzliche Kunststoffunterlegscheiben verzichtet, denn damit laufen die Stimmschrauben noch eine ganze Spur weicher. Zum Thema Stimmen ist anzumerken: Wie bei den Metallsorten Kupfer und Bronze auch, modulieren Messingsnares etwas mehr als die eher geradlinig klingenden Aluminium- und Stahlkessel. Deshalb muss man sich beim Feinstimmen etwas mehr Zeit nehmen, sofern man nicht dämpft. Ich hatte aber insgesamt kein Problem, die Trommel unterschiedlich und gleichmäßig zu stimmen. Besonders stark fand ich sie in tiefen Lagen, gedämpft, und ab einer mittleren Stimmung bis in hohe Lagen aufwärts.

1 / 2
.

Verwandte Artikel

User Kommentare