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Test
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20.11.2018

Yamaha MODX8 Test

Synthesizer Workstation

Kleiner Montage?

Yamaha legt nach: Nachdem das aktuelle Synthesizer-Spitzenmodell MONTAGE vor über zwei Jahren den Motif abgelöst hat, kommt nun der nächste logische Schritt: Der MOXF wird ersetzt durch den neuen Mittelklasse-Synthesizer MODX. Schlagende Argumente: Der MODX besitzt dasselbe Soundmaterial wie der große Bruder MONTAGE, kostet und wiegt aber weniger als die Hälfte! Er ist auch in drei Größen erhältlich: Mit 61, 76 und gewichteten 88 Tasten.

Welche Komponenten des MONTAGE hat Yamaha beim Entwurf des MODX weggelassen, um auf einen solch günstigen Preis zu kommen? Das ist die entscheidende Frage, die man stellen muss, wenn man die beiden Modellreihen miteinander vergleicht. Man erkennt auf den ersten Blick, dass viele der großzügig verbauten wertigen Bedienelemente des MONTAGE beim MODX nicht, oder nur in kleinerem Umfang vorhanden sind. Allerdings ist dasselbe Touch-Display verbaut wie beim großen Bruder. Die Sound-Engine ist anscheinend weitgehend dieselbe wie im MONTAGE. Das erklärt auch die Namensgebung des MODX, denn das Kürzel „DX“ weist darauf hin, dass die FM-Synthese des guten alten DX7 in verbesserter Form auch in die Mittelklasse der Yamaha-Synths zurückgekehrt ist. In diesem Test wurde der große MODX8 mit 88 gewichteten Tasten auf Herz und Nieren geprüft. Ist der MODX wirklich ein kleiner MONTAGE? 

Details

Äußeres

Beim Auspacken des MODX8 merkt man schnell, dass es sich hier um ein Leichtgewicht unter den 88-Tasten-Keyboards handelt. Mit seinen 13,8 kg ist das Instrument sogar noch einmal über 1 kg leichter als sein Vorgänger, der beliebte MOXF8. Das schwarze Kunststoff-Gehäuse besitzt anthrazitfarbige, abgerundete Seitenteile und bietet genügend Stabilität. Mit dem wirklich hochwertigen Gehäuse des MONTAGE lässt sich das aber nicht vergleichen, der MODX befindet sich in diesem Bereich in einer anderen Klasse.

Bedienfeld

Das Frontpanel wirkt beim MODX sehr aufgeräumt. In der Mitte sitzt das farbige 7“-Touch-Display, links daneben der Super Knob. Diese beiden entscheidenden Bedienelemente wurden direkt vom MONTAGE übernommen und das führt dazu, dass die Bedienung des MODX sehr ähnlich zum teuren Flaggschiff ist. Wie beim MOXF liegen die Pitch Bend- und Modulations-Regler nicht links neben der Klaviatur, sondern darüber. Dadurch wurde Platz eingespart. Das ist übrigens auch bei den kleineren Varianten MODX6 und MODX7 so. Das kleinste Modell MODX6 ist deshalb nur noch 94 cm breit und damit extrem kompakt! Beim Vorgänger MOXF6 lagen diese Spielhilfen noch an gewohnter Stelle links neben der Tastatur. Einen MOXF7 mit 76 Tasten gab es nicht. Einen Ribbon-Controller wie beim MONTAGE sucht man vergebens.

Wie beim MONTAGE liegen rechts neben den beiden Spielhilfen vier rot beleuchtete Taster, die ebenfalls die Klänge beeinflussen. ASSIGN1 und ASSIGN2 sind frei belegbar und werden bei vielen Sounds beispielsweise dazu benutzt, Effekte zu aktivieren. Mit MOTION SEQ HOLD und TRIGGER wird der Motion Sequenzer eingefroren bzw. angetriggert. Daneben liegen Taster, um den Arpeggiator und den Motion Sequenzer ein- bzw. auszuschalten sowie zwei +/- Octave Taster, die über die gleichzeitige Betätigung der SHIFT-Taste auch die Transpose-Funktion abdecken.

Rechts davon stellt man mit den drei Drehreglern MASTER VOLUME, USB VOLUME und A/D INPUT GAIN die Gesamtlautstärke, die Lautstärke des über den USB-Port eingehenden Audio-Signals sowie die Empfindlichkeit des analogen Audio-Eingangs ein. Letzterer kann mit einer Taste ein- und ausgeschaltet werden. Links vom Display geht’s weiter mit der Kontrolle der Sounds: Vier Drehregler, vier Fader und 4 SCENE-Taster übernehmen unterschiedlichste Aufgaben zur Parameter-Änderung. Durch Taster links der Regler wird zwischen den verschiedenen Zuweisungen umgeschaltet. Dadurch, dass im Gegensatz zum MONTAGE nicht acht sondern nur vier Regler, Fader und SCENE-Taster zur Verfügung stehen, muss öfters zwischen 1-4 und 5-8 gewechselt werden.

Der farbig im eingestellten Tempo blinkende Super Knob besitzt durch seine vielfältigen Verknüpfungsmöglichkeiten eine Sonderstellung bei der Klangbeeinflussung. Er kann bis zu 128 Parameter gleichzeitig in einer einzelnen Performance steuern. Dabei steuert der Super Knob eigentlich die acht zuweisbaren Assignable Knobs links von ihm. Beim MONTAGE existieren tatsächlich acht Endlosdrehregler mit LED-Kranz, an denen man deutlich erkennen kann, wie sich die Parameter jedes der acht Assignable Knobs verändert, wenn man am Super Knob dreht.

Beim MODX sind es vier einfache Potis. Bei leuchtender ASSIGN-Taste fungieren die Potis als Assignable Knobs 1-4, drückt man nochmals auf die ASSIGN-Taste, beginnt sie zu blinken und die Potis entsprechen den Assignable Knobs 5-8. Die Augenblickswerte kann man nur im Display nachverfolgen. Mit den beiden darüber liegenden Tastern KNOB POSITION 1 und 2 werden schnell zwei beliebige Stellungen der Assignable Knobs festgehalten, die sich anschließend mit dem Super Knob zwischen diesen beiden Positionen morphen lassen.

Unterhalb des Super Knob finden wir die Steuerelemente für den Sequenzer sowie zwei sehr nützliche Taster:  Mit der Taste RHYTHM PATTERN kann direkt ein zur Performance passender Drum-Beat ausgewählt werden, ein interessantes Feature, auf das ich später noch genauer eingehen werde. Die Taste CONTROL ASSIGN ermöglicht eine sehr schnelle Verknüpfung des aktuell ausgewählten Parameters mit einem Controller. Rechts vom Touch-Display befindet sich das obligatorische Datenrad unterstützt von den üblichen Cursor-Tasten und den Taster-Paaren YES/NO und EXIT sowie ENTER.

Das letzte Tastenfeld auf der rechten Seite beherbergt die Bedienelemente, die den User in die verschiedenen Menüs des MODX bringt, die die Sound-Verwaltung betreffen. Die Taste PERFORMANCE öffnet den Hauptbildschirm des augenblicklich angewählten Sounds, über LIVE SET werden Performances zu einer Gruppe von Klängen, die man für einen Auftritt benötigt, zusammengefasst, und CATEGORY dient der bequemen Suche einer Performance, sortiert nach Kategorien. 

Mit der Taste UTILITY gelangt man in die Menüs für die globalen Einstellungen des MODX. Während der MONTAGE eine große beleuchtete Tasten-Matrix auf der rechten Seite des Bedienfelds bietet, um Parts und Elements bequem anzuwählen und zu muten, kann man beim MODX über die Taste PART SELECT MUTE/SOLO diese Auswahl in einem Menü auf dem Touch-Display vornehmen. 

AUDITION startet für jede Performance eine passende Demophrase, man muss also noch nicht einmal selbst spielen, um einen Eindruck von einem Sound zu bekommen. Mit der SHIFT-Taste können viele praktische Befehle ausgeführt werden, wenn sie mit einer anderen Taste gleichzeitig gedrückt wird. Über EDIT können Performances und Live Sets bearbeitet werden. STORE dient zum Abspeichern nachdem etwas geändert wurde. Yamaha hat die Qualität und die Anzahl der Bedienelemente beim MODX im Vergleich zum MONTAGE stark reduziert. Trotzdem blieben alle Funktionen des MONTAGE erhalten.

Sehr praktisch ist die Tatsache, dass viele Taster drei Zustände bieten. Die Leuchtstärke zeigt den Status des Tasters an. Leuchtet er hell, ist er aktiv, ist er dunkel, so ist er inaktiv. Leuchtet er halb hell, so signalisiert er, dass er gedrückt werden kann, also in diesem Moment eine Funktion hat. Nicht verknüpfte ASSIGN-Tasten bleiben zum Beispiel dunkel. Nur wenn sie einem Parameter zugewiesen sind, leuchten sie dunkelrot und man erkennt, dass man sie beim Live-Spiel betätigen kann, um den Klang zu beeinflussen. Durch das Touch-Display sind im Vergleich zum Vorgänger MOXF wesentlich weniger Bedienelemente notwendig. Dadurch wirkt das Frontpanel aufgeräumter.

Tastatur

Die 88-Tasten GHS-Klaviatur (Graded Hammer Standard) des MODX8 besitzt im Gegensatz zum MONTAGE8 keinen Aftertouch, ist aber qualitativ hochwertig und gut spielbar. Die schwarzen Tasten besitzen eine leicht raue Oberfläche, was die Griffigkeit erhöht. Vor allem die Piano-Sounds des MODX8 lassen sich damit sehr gefühlvoll und dynamisch spielen. Für Orgel- und Synthesizer-Spielweisen ist die Tastatur gerade noch leichtgängig genug. 

Anschlüsse

Die Anschlüsse auf der Rückseite des MODX sind schnell aufgezählt: Ein USB TO HOST – Port sorgt für die Anbindung des Instruments an einen Computer, oder auch an ein iOS-Gerät. Ich konnte beispielsweise ein iPad direkt anschließen und Musik über das USB-Kabel in den MODX8 auf digitalem Weg einspeisen. Der USB TO DEVICE – Port ermöglicht den Anschluss eines USB-Sticks, um Daten zu übertragen. Die MIDI IN und OUT - Buchsen erlauben die Einbindung des MODX in ein MIDI-Netzwerk.

Neben einem Sustain-Pedal können auch ein frei zuweisbarer Fußtaster und zwei zuweisbare Fußpedale (Yamaha FC7) angeschlossen werden. Es gibt einen Audio Output und einen Audio Input, jeweils Stereo links und rechts, ausgeführt als unsymmetrische Klinkenbuchsen sowie einen Kopfhörerausgang. Schließlich besitzt der MODX neben dem Ein/Aus-Schalter einen Anschluss für das mitgelieferte externe Netzteil. Die Beschriftungen der Anschlüsse sind von oben schwer zu erkennen. Die Buchsen sind nur zu finden, indem man sich extrem weit über das Instrument beugt. Beim Verkabeln habe ich mich deshalb ein paar Mal verstöpselt.

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