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Test
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13.11.2019

Yamaha CP73 Test

Stagepiano

Nord Fernost?

Yamaha hatte lange keine Antwort auf die erfolgreichen Nord Stagepianos. Mit den neuen Modellen CP73 (73 Tasten) und CP88 (88 Tasten) bietet Yamaha jetzt zwei Stagepianos an, die dem Konzept der roten Schweden sehr ähneln: Hochwertige Piano-Sounds, zusätzliche Synthesizer- und Orgel-Klänge, eine gute gewichtete Tastatur, aber vor allem auch eine intuitive Bedienoberfläche mit vielen Schaltern und Reglern, ohne komplexe Untermenüs. Die Pianos sind für den Einsatz auf der Bühne gedacht und besitzen keine eingebauten Lautsprecher. Mit den geforderten Preisen liegen CP73 und CP88 deutlich unter der schwedischen Konkurrenz.

Der Live-Keyboarder braucht – neben diversen Synthesizern – vor allem ein Grund-Instrument, dass in erster Linie solide Piano-Sounds bereitstellt und mit einer entsprechenden Klaviatur mit gewichteten Tasten ausgerüstet ist. Zusätzlich werden gute Effekte benötigt, um die Piano-Klänge interessant und inspirierend zu machen. Im Live-Betrieb muss alles schnell gehen, ohne Zeit aufzuwenden, um sich für die Veränderung eines Parameters durch viele Untermenüs zu bewegen. Hier ist es klar von Vorteil, wenn man mit einem Dreh, oder einem Tastendruck bereits am Ziel ist! Wenn sich dann noch das Gewicht des Instruments in Grenzen hält und das Gehäuse für den rauen Bühnen-Alltag robust gebaut ist, dann sind bereits viele Wünsche erfüllt. „CP“ steht bei Yamaha für „Combo Piano“. In diesem Test wird das CP73 in der aktuellen OS Version 1.20 auf Herz und Nieren geprüft und auf seine Alltagstauglichkeit getestet.

Details

Erster Eindruck

Beim Auspacken ist man erleichtert: 13,1 kg hebt man ohne Mühe aus dem Karton. Trotz des geringen Gewichts macht das mattschwarze Aluminium-Gehäuse des CP73 einen erstaunlich robusten Eindruck. Da klappert nichts, alles wirkt sehr stabil und bühnentauglich! Yamaha hat den Namen CP73 nicht zufällig gewählt. Die legendären halbakustischen E-Flügel CP70 und CP80 haben ihren festen Platz im Vintage-Bereich und mit ihrem eigenen Klang den Sound vieler Songs der 1970er und 1980er Jahre beeinflusst. Diesen Vintage-Bonus hat Yamaha beim CP73 ausgespielt. Die drei bunten Wippschalter (gelb, rot und grün) könnten auch von einem CS80 Synthesizer aus dem Jahr 1976 stammen. Die kleinen silbernen Kippschalter zum Aktivieren der Sektionen kommen ebenfalls aus einer vergangenen Zeit. Als Zubehör liegt dem Gerät das Haltepedal FC3-A bei.

Bedienfeld

Die Benutzeroberfläche des CP73 ist in unterschiedliche Sektionen unterteilt. Neben den drei Sound-Bereichen Piano, E.Piano und Sub zeigen sich rechts die Effekt-Sektion mit Delay, Reverb und Master EQ. Auf der linken Seite befindet sich das Bedienfeld für die LIVE SET-Register sowie alle sonstigen Einstellungen.

Da ist zunächst der Drehregler für MASTER VOLUME und das einfarbige Display mit 128 x 64 Pixeln und ein Datenrad, das auch gedrückt werden kann und so zur ENTER-Taste wird. Tasten wie EXIT und MENU vervollständigen die Menü-Bedienung. Das Display zeigt im Hauptfenster die vom aktuellen Live Set verwendeten Voices an und über welchen Keyboardbereich (L und/oder R) die Voices gespielt werden. Für die Einstellungen der Anschlagdynamik und des Tunings gibt es die direkten Tasten TOUCH und TUNE. Mit PANEL LOCK kann das Bedienfeld vor versehentlicher Veränderung geschützt werden. 

Komplette Kombinationen aus Sounds und Effekten können beim CP73 als LIVE SET abgespeichert werden. Dabei gibt es 160 Speicherplätze. Mit den acht Live-Set-Sound-Tasten können die acht Register einer der 20 Bänke angewählt werden. 88 Live-Sets sind bereits vorprogrammiert, können aber überschrieben werden. Über die Page-Taster werden die Bänke umgeschaltet. Die Tasten STORE, SPLIT POINT und TRANSPOSE erklären sich selbst, mit SETTINGS gelangt man in Untermenüs, in denen detaillierte Einstellungen für das Live Set gemacht werden können, z. B. Masterkeyboard-Funktionen oder Controller-Zuweisungen. Kommen wir nun zu den wichtigen Klang-Bereichen des CP73: Piano, E. Piano und Sub. Mit Sub ist dabei alles gemeint, was nicht in die Kategorie Piano-Klänge gehört. Jeder dieser drei Bereiche kann mit einem kleinen ON/OFF-Schalter am unteren Rand schnell ein- oder ausgeschaltet werden.

Mit einem Dreh-Wahlschalter wird die Unterkategorie (z. B. „Clv“ für Clavinet bei den E-Pianos) eingestellt. Anschließend lässt sich mit dem bunten Wipp-Schalter die benötigte Voice auswählen, deren Nummer mit einer LED-Anzeigen darüber angezeigt wird. Bei den Pianos sind der Wippschalter und die LED-Anzeige gelb, bei den E-Pianos rot und bei den Sub-Sounds grün. Der komplette Name dieser Voice wird auch im Display des CP73 dargestellt. Bei allen drei Sound-Bereichen ist ein VOLUME- und ein TONE-Regler mit LED-Kranz vorhanden. Mit einem SPLIT und zwei OCTAVE-Tastern wird der Tastaturbereich eingestellt, in dem die Voice gespielt werden soll. Die Bereiche Left und Right sind durch den einstellbaren Split Punkt voneinander getrennt. Neben diesen bei allen drei Voice-Bereichen gleichen Bedienelementen hat es zusätzliche Funktionen, die für jeden Voice-Bereich unterschiedlich sind:

Im Bereich Piano lassen sich einerseits DAMPER RESONANCE aktivieren, andererseits kann ein Insert-Effekt (Compressor, Distortion, Drive oder Chorus) zugeschaltet werden, dessen Stärke mit dem DEPTH-Drehregler eingestellt wird. In der E.Piano Sektion gibt es hingegen einen DRIVE-Effekt mit LED-Regler, sowie zwei zusätzliche Modulations-Insert-Effekte, die von Tremolo über einen Wah Wah-Effekt bis hin zum Phaser alles abdecken, was man für die Klang-Veredelung der elektrischen Pianos so braucht.

Auch hier stehen LED-Regler zur Einstellung der Stärke und der Geschwindigkeit des Effekts bereit. Im Sub-Bereich wird – passend zu den Sounds – ein ATTACK- und ein RELEASE-Regler angeboten. Als Insert-Effekte stehen hier Chorus, Tremolo, Distortion und ein Rotary-Effekt für die Orgeln zur Verfügung. Übrigens gibt es einen „Advanced Modus“, bei dem man in einem Voice-Bereich jede beliebige Voice anwählen kann, also auch einen Klang, der aus den anderen Voice-Bereichen stammt. Damit ist es beispielsweise auch möglich drei Sounds aus demselben Voice-Bereich zu layern, oder ein akustisches Piano mit einem Wah Wah Effekt zu belegen.

Rechts von den Voice-Sektionen liegt der Delay- und Reverb-Bereich. Jeder dieser Effekte kann wieder über einen kleinen Kippschalter um unteren Rand ein- oder ausgeschaltet werden. Beim Delay-Effekt lässt sich zwischen einem warmen analogen, oder einem exakten, längeren digitalen Delay auswählen. Über FEEDBACK und TIME verändert man den Effekt nach Belieben. Reverb kann nur in der Länge verändert werden (TIME). Für jeden der drei Voice-Bereiche lässt sich mit dem DEPTH-Regler der Send-Pegel der beiden Effekte einstellen. Die letzte Sektion des CP73 besteht aus dem Master-Equalizer, der das Gesamtsignal klanglich beeinflusst. Neben einem HIGH- und LOW-Regler bietet dieser Bereich auch einen Regler für die Mitten (MID), dessen Arbeitsfrequenz durch einen FREQUENCY-Regler einstellbar ist. 

Spielhilfen des CP73 stehen in Form eines Pitch-Bend- und eines Modulations-Hebel zur Verfpgung. Beide sind etwas ungünstig in der linken hinteren Ecke des Frontpanels untergebracht und eher klein und fummelig ausgeführt. Sie erinnern an die Schalter, die man in den Siebziger Jahren in portablen Radio-Recordern verbaut hat und passen zum unterschwelligen Vintage-Look des CP73. 

Anschlüsse

Alle Anschlüsse des CP73 findet man auf der Rückseite. Es fällt auf, dass hier hochwertige Anschluss-Buchsen verbaut wurden, die für eine häufige Verwendung ausgelegt sind. Leider bietet die Oberseite des Pianos keine Beschriftung. Zum Anschließen der Kabel muss man sich also hinter das Instrument begeben. Neben dem ON-Schalter und der Netzbuchse für die Stromversorgung, liegen der USB-To-Device-  und der USB-To-Host-Anschluss. Damit können USB-Sticks angeschlossen, und eine Verbindung zu einem Computer hergestellt werden. Auch ein Smartphone oder iPad lässt sich hier anschließen. Das CP73 ist class compliant.

Weiterhin stehen ein MIDI-In-Out-Paar und diverse Anschlüsse für Fußpedale zur Verfügung. Neben dem Sustainpedal-Anschluss für das mitgelieferte Yamaha FC3A liegt eine ASSIGNABLE-FOOT SWITCH-Buchse, an die man einen Fußtaster anschließen kann, um verschiedenste Funktionen auszuführen: Vom Hochschalten der Live-Sets bis hin zum Ein- und Ausschalten des Hall-Effekts. Zwei FOOT CONTROLLER, wie das Yamaha FC7 Pedal, können ebenso angeschlossen werden, um beispielsweise das Volumen einer Voice zu beeinflussen, oder den Wha-Wha-Effekt zu steuern. Daneben liegt ein Stereo-Audio-Eingang (2 x Klinke) mit kleinem Gain-Regler, um z. B. ein externes Keyboard anzuschließen, das dann mit über den Output des CP73 ausgegeben wird. Neben den obligatorischen unsymmetrischen Klinken-Ausgängen verfügt der Master Output des CP73 auch über zwei symmetrische XLR-Buchsen. Damit braucht man beim Gig keine DI-Boxen, sondern kann das CP73 direkt über XLR-Kabel mit dem Pult verbinden. Eine Kopfhörerbuchse vervollständigt die Anschlussleiste auf der Rückseite.

Tastatur

Das CP73 besitzt eine neu entwickelte 73-Tasten-BHS-Tastatur (E1- E7) (Balanced Hammer Standard). Die schwarzen Tasten sind mit einer matten Oberfläche versehen, um die Griffigkeit zu erhöhen. Diese Tastatur ist für Bandkeyboarder gedacht, da sie sowohl das ausdruckstarke Klavierspiel erlaubt, und sich auch gut für Synthie- oder Orgelsounds spielen lässt. Das teurere CP88 ist mit der hochwertigeren 88-Holztasten-NW-GH-Tastatur (Natural Wood Graded Hammer) ausgestattet, die mit Tastenbelägen aus synthetischem Elfenbein und echtem Ebenholz versehen ist. Hier soll eher der Pianist zufriedengestellt werden. Echtholztasten sind allerdings schwer: Das CP88 wiegt schon deswegen 5,5 kg mehr.

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