Test
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14.08.2017

WeissKlang V13 und Sonimus KlangFormer Test

Großmembran-Mikrofon mit Emulationssoftware

Der Klang der großen weiten Mikrofonwelt?

Das WeissKlang V13 reiht sich in die mittlerweile immer länger werdende Liste von Modeling-Mikrofonen ein. Wir haben es hier mit einem Mikrofon zu tun, das für sich beansprucht eine „natürliche Schallbildung“ zu leisten und als Bonus eine Software mit an Bord hat, die eben diesen Sound in Richtung alter und neuer Mikrofonklassiker färben möchte. Da wir mit dem Slate VMS und dem Townsend Labs Sphere L22 bereits zwei Vertreter mit ähnlichen Ansprüchen für euch getestet haben, wollen wir es uns mit diesem Test nicht nehmen lassen, euch zwischendurch auch immer mal wieder eine entsprechende Einordnung des WeissKlang V13 zu liefern. Wie eigenständig ist also das V13 und was macht es aus?

Vorweg sei schon mal so viel gesagt: Während das Konkurrenz-Produkt Slate VMS mit einem zusätzlichen Preamp ausgeliefert wird und das Townsend Labs Sphere 22 mit einer Software ausgestattet ist, die klangliche Nuancen nachbildet, die durch Änderungen von Mikrofonierungsdistanz, Abweichungen von der Hauteinsprechachse und natürlich verschiedene Richtcharakteristiken entstehen, tritt das WeissKlang V13 ultraschlicht auf. Weder wird ein spezieller Vorverstärker benötigt, noch lässt die Software viel Raum für detaillierte klangliche Gestaltung. Wir dürfen deshalb gespannt sein, wie flexibel sich das Mikrofon im Praxistest zeigen wird …

Details

Mikrofon WeissKlang V13

Der Name WeissKlang ist neu auf dem Mikrofonmarkt. Bei dem in Murr bei Stuttgart ansässigen Unternehmen handelt es sich um eine Mikrofonmanufaktur, die erst seit 2013 existiert und sich voll und ganz der Entwicklung von Studiomikrofonen widmet. Dabei legt der Hersteller Wert darauf, dass es sich um handgefertigte Schallwandler handelt, die hochwertige Bauteile beherbergen und allesamt eine interne Qualitätssicherung durchlaufen. Wie sich das unmittelbar in der Produkterfahrung niederschlägt, werden wir uns in diesem Test selbstverständlich genauer anschauen. Als Neuling im Dschungel der Mikrofonanbieter punkten WeissKlang jedenfalls schon mal mit einer dreijährigen Garantie für ihr Mikrofon. Das ist wirklich immens. Da das V13 per Direktvertrieb auf die Welt losgelassen wird, könnt ihr das Mikrofon nur über die Internetseite der Firma bestellen. Auch der gesamte Support läuft gebündelt über den Baden-Württembergischen Geschäftssitz.

Zum Lieferumfang gehört neben dem WeissKlang V13 eine Holzschatulle, in der das Mikrofon gelagert werden kann, die Mikrofonspinne MA-1, eine Bedienungsanleitung sowie eine persönliche Besitzurkunde, die zugleich als Garantiekarte gilt. Außerdem ist eine Karte im Paket enthalten, die zum Download der zugehörigen Software Sonimus V13 KlangFormer berechtigt. Aber kommen wir zum Wesentlichen, dem Mikrofon selbst.

Optisch erinnern die Form des V13 und seine silberne Farbgebung (wie mittlerweile so viele andere Mikrofone) an Studioklassiker wie das Neumann U87. Auch das Logoemblem des Herstellers geht diesen Weg. Es ist in einer Raute auf der Mikrofonvorderseite untergebracht. Ob sich eine junge Mikrofonmanufaktur damit einen Gefallen tut, sei dahingestellt…

Das aus Kupfer und gehärtetem Aluminium bestehende Gehäuse wirkt robust. Die Haptik des Mikrofons ist aufgrund einer feinen Pulverbeschichtung mit aufgerauter Oberfläche gut. Bei pfleglichem Gebrauch sollten weder Fingerabdrücke noch feine Kratzer zu befürchten sein. Mit nicht einmal 350 g ist das V134 ein echtes Leichtgewicht und seine Abmessungen von 50 x 190 mm lassen es nicht allzu wuchtig erscheinen. Die beiliegende Spinne ist auf der Innenseite mit einem Schaumgummistreifen ausgekleidet und hält das Mikrofon per Klammermechanismus. Dem dreipoligen XLR-Anschluss des Mikrofons fehlt leider eine Vergoldung, wie sie üblicherweise zum Schutz vor Korrosion eingesetzt wird.

Technisch gesprochen handelt es sich beim V13 um einen großmembranigen Druckgradientenempfänger mit Kondensatorkapsel, der eine feste Richtcharakteristik mit Nierenform bietet und eine 48V-Phantomspeisung benötigt. Zum Einsatz kommt die eigens entwickelte Kapsel WMK-13, die goldbeschichtet ist. Das V13 kommt gänzlich ohne Transformer aus. Klanglich dürfte daher eher ein „nüchterner“ als „gefärbter“ Sound zu erwarten sein, den man von Transistor-Mikrofonen erwartet.

Und auch wenn eine Gegenüberstellung verschiedener Mikrofone immer ihre Schwächen aufweist, wird es viele von euch dennoch interessieren, wie sich das WeissKlang V13 hier und da im Vergleich mit dem Slate ML-1 und dem Townsend Labs Sphere L22 einordnen lässt. Kommen wir gleich zum Punkt: Zumindest was die technischen Spezifikationen betrifft, die der Hersteller bereitstellt, muss sich das V13 alles andere als verstecken: Der Übertragungsbereich des Mikrofons reicht von 20 bis 20.000 Hz und entspricht damit dem des Slate ML-1. Mit einem Grenzschalldruckpegel von 130 dB ist es wirklich gut aufgestellt, der Geräuschpegelabstand liegt zwischen 85 und 77,5 dBA und ist im Vergleich mit anderen Großmembranmikrofonen guter Durchschnitt. Der Ersatzgeräuschpegel wird vom Hersteller mit einer großen Spannweite von 10 bis 18 dB angegeben. Damit ist das V13 auch im Bereich Eigenrauschen absolut konkurrenzfähig. Sein Übertragungsfaktor weist mit 18 mV/Pa auf eine mittlere Empfindlichkeit hin und sollte den Einsatz des Mikrofons auch bei leiseren Schallquellen ermöglichen. Seine Impedanz von 200 Ohm ist Standard, ermöglicht auch den Betrieb an langen Kabeln und setzt einen Preamp mit einer Lastimpedanz von mindestens 1 kOhm voraus, um die vom Mikrofon aufgegriffenen Höhen und Bässe verlustfrei zu verstärken.

Software Sonimus V13 KlangFormer

Die Software des Pakets hört auf den Namen V13 KlangFormer und wurde von Sonimus entwickelt. Die wiederum vielen von euch durch Plugins bekannt sein könnten, die allesamt die Klangfärbungen analoger Hardware nachzubilden versuchen. Neben Gainreglern für den Ein- und den Ausgangspegel sowie einem VU-Meter, ist das Plugin denkbar einfach zu bedienen. Eine Bypass-Funktion der Klangemulationen leistet der virtuelle „Off“-Schalter, für die Aktivierung jeder der fünf Klangnachformungen steht ein eigener Taster bereit.

Im „Modern“-Modus bildet die Software den Klang eines mit Transformern ausgestatteten Mikrofons im Stile des Brauner Phantom nach. Dabei sollen Höhenbrillanz und Dynamik im Vordergrund stehen. Die „Vintage“-Emulation versucht sich am Klang von Mikrofonen der 50er und 60er Jahre. Als Referenz könnte hier beispielsweise ein Neumann U67 gedient haben. Aktiviert man den „Classic“-Taster, so werden die charakteristischen Klangfärbungen eines AKG C414 nachgebildet, einem echten Allrounder, der für seinen warmen Klang und starke Mitten bekannt ist. Hinter dem „Tube“-Programm versteckt sich die Emulation eines Röhrenmikrofons. Kompakte tiefe Frequenzen und ein seidiger Klang in den Höhen gepaart mit einem typischen Sättigungseffekt. Außerdem versucht das KlangFormer-Plugin den Sound des WeissKlang V13 in den eines Bändchenmikrofons zu verwandeln, wenn ich den Button „Ribbon“ aktiviere. Mit diesem Preset sollen die Höhen des WeissKlang V13 dann deutlich zurückhaltender werden und der Klang unter anderem die typische Mittenfärbung eines Ribbon-Mics erhalten. Im Praxischeck werden wir uns anhören, ob und wie diese Emulationen klingen.

Auf der technischen Seite ist die KlangFormer-Software gut aufgestellt. Sie kann mit 32 Bit und 64 Bit auf einem Mac ab OS X 10.7 und einem Windows-PC laufen, auf dem Windows 7 oder ein Nachfolge-Betriebssystem installiert ist. Da das Plugin in den Formaten AudioUnit, VST 2.4, VST 3, AAX und RTAS (x86) arbeitet, kann es in praktisch allen gängigen DAWs eingesetzt werden. Mit einer Samplerate-Unterstützung von bis zu 192 kHz und 64 Bit Floating Point ist für Top-Soundqualität gesorgt. Außerdem kann es sowohl in Mono- als auch in Stereokanälen eingesetzt werden. Die Latenz geht dabei laut Hersteller gegen Null. Das alles klingt sehr vielversprechend.

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