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Test
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18.10.2019

Wave Alchemy Basssynth Test

Bass-Synthesizer

Sample-Libary für tiefe Töne

In den letzten Jahren fällt ein Aspekt besonders auf, wenn es um Musikproduktion geht – der Fokus hat sich auf den Bassbereich verschoben. Kaum ein Song kommt mehr ohne 808 und ausgeprägten Subbassbereich daher. Selbst Singer/Songwriter wie Two Feet und Ed Sheeran experimentieren mit tiefen Klängen. Musikgenres scheint es kaum mehr zu geben – wir leben in einer spannenden Zeit. 

Der Basssynth von Wave Alchemy setzt genau dort an und trifft damit den heutigen Zeitgeist. Ganze 11 GB an Library-Content erhält man nach dem Kauf. Egal ob 808s, akustische Bässe, Cellos, Bass-Saxophone oder fette Synthesizer-Klänge, nahezu jeder Klang ist verfügbar und kombinierbar. Auch Foley-Effekte wie fallende Tischtennisbälle und ein Apfelbiss wurden aufgenommen und können den Sounds hinzugefügt werden. Mit dieser Library scheint alles möglich, doch ist es das auch?

Details & Praxis

Funktionsweise

Eine Wavetable-Engine mit 220 Wavetables bildet das Herzstück dieses Instruments. Basssynth verfügt über die drei Hauptreiter Perform, Design und Motion, auf welche wir in den kommenden Absätzen näher eingehen. Doch nun der Reihe nach. Die Nutzeroberfläche wurde recht dunkel aber ansprechend gestaltet. Oben findet man den Preset-Browser. Hier kann man aus 293 voreingestellten Sounds wählen. Wem das nicht reicht, der kann jeden Sound über eine fast unendliche Anzahl an Einstellmöglichkeiten weiterbearbeiten.

Perform

Jeder Sound kann aus bis zu vier verschiedenen Soundquellen bestehen. Diese wurden in Form eines Volume-Reglers in den Ecken des Perform-Menüs angeordnet. Jede Soundquelle verfügt über einen eigenen Browser, der jeweils über 800 Quellen bereitstellt. So findet man hier Presets für Wavetables, Oszillatoren, Synthesizer, 808s und vieles mehr. Doch kommen wir nun zum Zentrum des Perform-Fensters – dem X/Y-Pad. Hier kann man bis zu acht Makros vergeben und über das Pad regeln. Jedes Makro kann dann noch einmal bis zu acht Parameter steuern – mehr geht nicht.

Design, Effekte und Modulation

Im Design-Menü können die Factory-Presets der einzelnen Soundquellen weiterbearbeitet werden. Die drei Unterpunkte Engine, Tone und Mix stehen hier zur Verfügung. Im Engine-Menü kann man beispielsweise Tune, Frequenz, Resonanz und die ADSR-Hüllkurve einstellen. Die verschiedenen Quellen können übrigens auch miteinander verlinkt werden. Unter Tone kann man die Soundfarbe verändern. So gibt es unter anderem einen Lofi- und Drive-Regler. 

In der Mix-Sektion besteht dann noch die Möglichkeit, die Lautstärke der einzelnen Quellen zu verändern sowie den Pan zu regeln und einen Chorus und Delay hinzuzuschalten. Weiter unten findet man noch eine Sektion, die in Modulation und Effects aufgeteilt ist. Unter ersterer kann man die Soundquellen zusätzlich noch mit unter anderem drei Envelopes und LFOs weiterbearbeiten. Die Effektseite bietet die Möglichkeit, jede Soundquelle mit bis zu sechs Insert- und zwei Send-Effekten zu versehen. Zusätzlich kann der Master ebenfalls mit sechs Effekten ausgestattet werden. Insgesamt stehen Anwendern übrigens über 40 (!) Effekte zur Verfügung. Krass.

Motion Designer

Der Polystep-Motion-Designer von Basssynth ermöglicht ein Stepsequenzing aller acht Makros. Jeder Step kann per Mauszeiger eingezeichnet und dank einer Zoom-Funktion weiterbearbeitet werden. Notenwert und Anzahl der Steps können ebenso geregelt werden wie der Übergang der einzelnen Schritte zueinander. Jede Sequenz kann per Copy/Paste in einen anderen Makro kopiert werden. Außerdem gibt es noch einen Random-Mode, falls die Kreativität gerade nachlässt. Was würde Post Malone sagen? Wow.

Praktische Bedienung

Die Einstellmöglichkeiten des Wave Alchemy Basssynth sind sehr umfangreich. Sich hier zurecht zu finden bedarf einiger Einarbeitungszeit. Ein positiver Aspekt ist, dass man sich hier eigentlich gar nicht zurechtfinden muss, um zu einem professionellen Ergebnis zu kommen. Die Presets sind qualitativ weit oben anzusiedeln – von den Sounds mal abgesehen. Die Bandbreite an Möglichkeiten, die sich hier im Sounddesign bieten, ist wirklich heftig. Die Belegung der Makroregler funktioniert übrigens per Drag-and-Drop. Ach ja, das Instrument läuft übrigens auch mit der kostenlosen Variante des Kontakt-Players – nur so am Rande. 

808s 

Für unseren Praxistest luden wir das Preset Bass Vulture aus dem Browser. Ziel war es, eine 808 zu designen, die eine hohe Durchsetzungsfähigkeit sowie einiges an Dreck mit sich bringt. Der Grundklang war schon sehr überzeugend, doch irgendwie fehlte uns noch etwas mehr Anschlag. Unter Soundquelle eins wählten wir das vielsagende Preset 808 Warrior. Zack – mehr Anschlag. Nun wollten wir noch etwas Dreck hinzufügen. Über den Soloregler der einzelnen Soundquellen fanden wir heraus, dass Sektion zwei für den Bassbereich zuständig ist. Wir fügten dem Klang eine gehörige Portion Distortion hinzu und drehten den Bassregler etwas auf. Eins steht fest – diese 808 zerballert alles. In den Soundbeispielen findet ihr noch ein paar Klänge, um euch selbst ein Bild machen zu können.

Fazit

Der Basssynth von Wave Alchemy ist die eierlegende Wollmilchsau für Sounds im tiefen Frequenzspektrum – Punkt. Mit diesem Kontakt-Instrument kann man praktisch jeden erdenklichen Bassklang erzeugen. Besonders gefallen haben uns die Presets und der Motion Designer. Die Effekte klingen hervorragend und ermöglichen ein Arbeiten in-the-box – in-the-box. Das virtuelle X/Y-Pad lässt sich intuitiv bedienen und steuert die verschiedenen Makroregler. Die Modulationsmöglichkeiten sind unzählig und auch in Bezug auf die Nutzeroberfläche müssen wir keine Abstriche machen. Dieses Plugin eignet sich eigentlich für jeden, der mit dem Rechner Musik macht. Hip-Hop-Produzenten werden besonderen Spaß an den erstklassigen 808-Klängen haben. Besonders für den Einstieg können wir die Tutorial-Videos auf dem YouTube-Channel des Herstellers empfehlen. Hier merkt man, dass nicht nur Profis am Werk waren, sondern auch viel Herzblut mit im Spiel war.

  • Pro
  • professioneller Klang
  • einfache Bedienung
  • unzählige Möglichkeiten zur Weiterbearbeitung
  • schickes Design
  • hervorragende Presets
  • Contra
  • nichts
  • Features
  • 290 Factory Presets
  • über 800 Soundquellen
  • bis 64 Parameter können gleichzeitig gemorpht werden
  • Wavetable Engine mit über 200 Wavetables und 14 Warp Modes
  • 32-Step-Motion-Designer
  • bis zu acht Round Robins pro Soundquelle
  • über 40 Effekte
  • 11 GB Sound-Library
  • Systemvoraussetzungen: VST-, AAX- oder AU-kompatible DAW, macOS (ab Version 10.12) oder Windows (ab Version 7), Kontakt Player (ab Version 6)
  • Preis
  • 149,95 £

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