Bass Hersteller_Warwick
Test
7
09.09.2019

Praxis

Ganz so komfortabel wie ein herkömmlicher E-Bass lässt sich der neue RockBass Alien Deluxe Hybrid Thinline nicht spielen - dafür ist sein Korpus schlicht zu groß. Durch die Reduzierung der Korpustiefe auf 80 mm ist das Handling beim Thinline-Modell allerdings doch erheblich vertrauter als beim Umstieg vom E-Bass auf einen Standard-Akustikbass. Viele Akustikbässe erfordern ja aufgrund ihrer Größe und Bauform eine Anpassung der Spieltechnik oder der Körperhaltung. Bei meinem Testkandidaten ist das erfreulicherweise nicht nötig - ich habe mich mit dem flachen Akustikbass auf Anhieb wohlgefühlt.

Dazu trägt nicht nur der schlanke Korpus, sondern auch der solide Mahagoni-Hals seinen Teil bei. Das mitteldicke Profil liegt gut in der Hand und der Hals fühlt sich durch das matte Satin-Finish auf dem Rücken angenehm seidig an - selbst mit schwitzigen Händen gehen die Lagenwechsel flink von der Hand.

In den oberen Registern lässt sich der Rockbass Alien Thinline bis zum 20. Bund entspannt spielen. Danach wird es schon etwas knifflig, weil der Greifhand leider der Korpus in die Quere kommt. Damit muss man bei den meisten Akustikbässen nun einmal leben, weil die Konstruktion in der Regel kein tiefer ausgeschnittenes Cutaway bereithält.

Gute Noten kann ich meinem Testkandidaten für die Bundierung geben, denn alle 24 Bünde wurden perfekt abgerichtet und poliert. Beim Spielen sind keine rauen Kanten zu spüren - der Bass produziert auch bei stärkeren Anschlägen keine lästigen Scheppergeräusche. Allein die Saitenlage des Testexemplars war für meine Vorliebe etwas zu hoch, aber das ist letztendlich natürlich Geschmacksache und kann durch Abschleifen der Stegeinlage relativ einfach an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden.

An dieser Stelle möchte ich übrigens auch generell die tolle Verarbeitungsqualität des in China gefertigten Basses loben. Selbst bei penibelster Inspektion konnte ich keinerlei Nachlässigkeiten bei den Holzarbeiten oder der Lackierung ausmachen. Der Bass fühlt sich insgesamt genau so hochwertig an, wie man es von einem professionellen Instrument in der mittleren Preisklasse erwartet!

Als nächstens wollen wir herausfinden, was der Alien Deluxe Thinline aus der Rockbass-Serie klanglich zu bieten hat. Rein akustisch liefert das neue Modell bereits einen straffen und drahtigen Sound. Klar, durch das verringerte Gehäusevolumen klingt der Thinline im unteren Bereich vielleicht etwas "kompakter" als der deutlich größere Standard-Alien, der Sound ist aber insgesamt immer noch sehr ausgewogen und die Töne auf der H-Saite werden erstaunlich definiert wiedergegeben.

Am Amp zeigt sich der schlanke Akustikbass durch die beiden Tonabnehmer-Systeme und den separaten Equalizer durchaus flexibel und bietet mehr Klangvariationen als die Großzahl der am Markt befindlichen Akustikbässe.

Für die Soundfiles beginnen wir mit allen Reglern des Shadow-Preamps der Mittelstellung. Ihr hört also beide Tonabnehmer gleich laut und der EQ ist komplett neutral eingestellt. Das warm-runde Fundament kommt vom Piezo-Pickup und der Nanomegnetic-Pickup steuert präsent-schmatzende Höhen bei. Für Akustikbass-Verhältnisse ist dieser Sound sehr durchsetzungsstark und mit Sicherheit auf alle Fälle bandtauglich. Der Klangunterschied mit gedrücktem Phase-Taster ist nur marginal, wie ihr im zweiten Clip hören könnt:

Für das nächste Beispiel habe ich das Tonabnehmerverhältnis zugunsten des Piezo-Systems verändert. Der Alien Deluxe Thinline klingt hier deutlich runder und "akustischer", zusätzlich habe ich mit beiden EQ-Reglern noch etwas die Schärfe aus dem Sound gefiltert.

Für die durchsetzungsstarken Hochmitten und Höhen ist beim neuesten Spross der Alien-Familie ohne Frage der im Griffbrett sitzende Nanomagnetic-Pickup zuständig. Wer sich mit dem Bass in einer Band Gehör verschaffen will, sollte mit dem Blend-Regler also eher auf den Nanomagentic-Tonabnehmer zielen. Das Resultat ist ein strafferes und kompakteres Fundament sowie ein sehr transparenter Höhenbereich. Der Sound wirkt ausgesprochen lebendig, weil durch den im Griffbrett installierten Tonabnehmer auch die Greifgeräusche verstärkt werden.

Den typischen Akustikbass-Sound mit offen-warmen Bässen und seidigen Höhen liefert das Thinline-Modell, wenn man ausschließlich das Piezo-System verwendet. Der EQ-Regler stand bei der nachfolgenden Aufnahme in Neutralstellung, weil der Bass schon per se ausreichend Höhen liefert:

Für den Walking-Bass-Sound im letzten Beispiel habe ich den Nanomagnetic-Pickup zu ungefähr 20% mit in den Sound eingeblendet, um die Attacks gut hörbar zu machen und generell eine hohe Transparenz zu erzielen.

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