Hersteller_Warm_Audio
Test
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17.05.2016

Praxis

Im WA-2A steckt sehr viel LA-2A

Kein Zweifel: Wenn man den Warm Audio WA-2A anschaltet, warm werden lässt und Audiosignale hindurchschickt, ist man sofort in der LA-2A-Welt. Sollte man also vielleicht „vergessen“ haben, was diesen Kompressor so hervorragend und so beliebt macht, oder sollte es einem bislang nicht bewusst gewesen sein – danach weiß man es. Und günstiger wird man diesen Sound wohl kaum als Hardware erhalten. Besonders eher langsamere Regelvorgänge sind das Metier des Röhrengeräts, Einzelspuren wie Bässe und Vocals sind die typischen 2A-Patienten.  

Schon genial ohne Pegelreduktion

Es ist nicht selten und weit jenseits des oft unterstellten Voodoo-Zaubers, dass ein Dynamikgerät wie LA-2A oder auch 1176 im Signalweg eingesetzt werden, ohne dass eine Pegelreduktion durchgeführt wird. Weniger die Röhren und mehr die Übertrager sind die Soundmaker, die dem Signal etwas Griffigkeit oder – und das gilt vor allem für die LA-Kompressoren – warme Bauchigkeit und „Beef“ hinzufügen. Achtet auf den Unterschied zwischen dem „Bypass“-File und dem „Keine Pegelreduktion“! Bei ersterem waren die Input- und Output-Kabel von und zum A/D-Wandler schlichtweg zusammengesteckt, beim letzteren File hingegen lief das Signal durch das Gerät (welches keinen Hardwire-Bypass besitzt).  

Nuancen des Regel- und Klangverhaltens

Aber ein Kompressor ist ja zum Komprimieren da. Und es ist hervorragend, wie auch der Warm WA-2A in klassischer LA-2A-Manier Pegelunterschiede „intelligent“ verringert – auch beim WA-2A vermisst man nur selten weitere Eingriffsmöglichkeiten. Allerdings erlebe ich beim Warm eine etwas stärkere Tendenz zu kräftigeren Attack-Schmatzern, die manche Signale zu aggressiv klingen lassen. Man sollte aber bedenken, dass auch LA-2A durchaus unterschiedlich klingen können, je nach Revision und Zustand (u.a. der Röhren). Und toll ist natürlich, dass man den Charakter des Warm ein wenig beeinflussen kann, indem man mit verschiedenen Bestückungen und deren Kombinationen experimentiert. Vielleicht entlockt man dem WA auch ein wenig von der leichten Frische, die ein Original-LA-2A gerne trotz aller Wärme und Sättigung versprüht. Nicht falsch verstehen, es handelt sich um absolute Nuancen, dennoch ist mir der Warm eine Spur zu mumpfig. Positiv ausgedrückt, ist er eben entsprechend dem Firmennamen „warm“.  

Ihr seht, dass ich ein wenig die Nadel im Heuhaufen suche… dennoch: Ein klein wenig fehlt mir das letzte Quäntchen der Dreidimensionalität, die ein LA-2A zu erzeugen vermag, mein Antony DeMaria ADL 1000, ebenfalls ein LA-2A-Style-Gerät (allerdings ohne „Comp“-Modus), erzeugt etwas mehr von dieser Magie. Aber er ist eben auch deutlich teurer. Und die Frage ist, ob diese Unterschiede im Produktionsalltag eine besondere Relevanz haben. Wenn man die Audiofiles vergleicht, wird man feststellen, dass der WA-2A insgesamt vor allem eines ist, nämlich ein hervorragend klingender Kompressor für viele verschiedene Signale.  

Kompressor-/Limiterbetrieb

Dass sich beim Umschalten vom Kompressor- auf den Limiterbetrieb das Regelverhalten nicht signifikant verändert, das ist auch beim Original-LA-2A der Fall. Schön ist natürlich die Möglichkeit, den Sidechain zu verändern, aber wenn man schon das Gehäuse nicht originalgetreu nachbaut und sogar das Meter-Adjustment auf die Rückseite verfrachtet, wieso muss man die fragwürdige Verortung des Sidechain-Filters auf der Rückseite belassen?

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