Gitarre Hersteller_Walrus_Audio
Test
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13.09.2021

Praxis

Für den Praxisteil ist der Eras Distortion vor einen unverzerrten Sovtek MIG-50 geschaltet. Der Amp läuft über eine Marshall 4x12 Box (Celestion G12M), die mit einem Neumann TLM-103 abgenommen wird. Es geht los mit einer Bestandsaufnahme der fünf Modes, jeweils mit neutraler Einstellung der Klangregler, Gain auf 12 Uhr und voll aufgedrehtem Blend-Regler, damit nur der Distortionsound zu hören ist.

Die fünf Modes unterscheiden sich in den vom Hersteller beschriebenen Nuancen und alle Aussagen, die weiter vorn im Text aufgelistet sind, kann ich komplett bestätigen. Bei Mode 4 und 5 muss noch etwas nachgepegelt werden, was auch in der Anleitung so mitgeteilt wird, aber generell sind die Pegel sehr ausgeglichen. Auch bei unterschiedlichen Gain-Einstellungen ist kein größerer Einsatz des Volume-Reglers nötig. So sind schnelle Wechsel des Zerrgrades auf der Bühne auf jeden Fall möglich. Schon bei mittlerem Gain-Setting zückt der Eras eine ordentliche Keule, die im weiteren Verlauf etwas dichter wird und sich auch bei zurückgenommenem Gain-Regler nicht drastisch vermindert, wie das bei einem Overdrive-Pedal in der Regel der Fall ist. Insofern ist die Gain-Bandbreite auf den ersten Blick nicht sehr groß, aber es gibt ja noch den Blend-Regler. Mit dem kann noch etwas entschärft werden, was zu sehr eigenen Sounds führt, wenn das Clean-Signal bei höheren Zerrsounds noch mit durchschimmert. Im folgenden ersten Beispiel hört ihr unterschiedliche Einstellungen des Blend-Reglers. Auch mit der Klangregelung kann sehr gut gearbeitet werden. Einen Mittenregler habe ich ehrlich gesagt nicht vermisst, denn die verschiedenen Modes haben ja bereits unterschiedliche Mid-Scoops im Angebot. Wer es extrem haben möchte, der kann immer noch einen EQ hinter den Eras schalten. Auf jeden Fall haben Treble und Bassregler eine sehr gut voreingestellte Bandbreite, Treble klingt voll aufgedreht zwar ziemlich scharf, aber nicht giftig oder klinisch im Höhenbereich. Für mehr Durchsetzungsvermögen bei höheren Zerrgraden empfiehlt es sich, den Treble-Regler leicht aufzudrehen, für warme Classic-Rock-Sounds kann man die Höhen etwas unter die 12-Uhr-Marke bewegen. Beim Bass ist es ähnlich, auch hier kann man auch mal weiter aufdrehen, wenn die Hosenbeine flattern sollen, aber der Sound ist bei hohen Settings immer noch nicht matschig oder mulmig - eine wirklich gute Vorauswahl der Frequenzbereiche und Wirkungsgrade. Im zweiten und dritten Beispiel sind unterschiedliche Settings der beiden Klangregler zu hören.

Der Gain-Regler ist über den gesamten Regelweg nutzbar, bei minimaler Einstellung kommt ein entsprechendes Signal, das allerdings auch nicht sonderlich leiser ist. Mit einer Singlecoil-Gitarre ergibt sich ein saftiger Crunchsound, der sich sehr gut zähmen lässt, wenn man das Direktsignal hinzumischt. Hier sind zwei Beispiele mit recht niedrigem Gain und hinzugemischtem Direktsignal.

Etwas muffige Sounds, die schon einen leichten Fuzz-Charakter haben, gehen auch. Gut gefallen hat mir in dieser Hinsicht der zweite Modus, in dem es mit hohem Gain und Bass einen schön clippenden Ton gibt, der dann entsprechend fuzzig daherkommt, wenn der Tone-Regler an der Gitarre zurückgedreht wird (Bsp. 1). Mode 3 ist der perfekte Partner für singende Leadsounds, dafür gibt es zusätzlich die Extrapackung Sustain, und der Ton steht wie eine Eins. Im zweiten Beispiel hört ihr ein paar langsam gespielte Töne mit der Les Paul, zuerst mit Hals-Pickup und dem Tone-Regler komplett zurückgedreht, dann mit dem Steg-Pickup und Tone voll auf.

Die Modes 4 und 5 kommen mit stärker abgesenkten Mitten und sind sehr gut für moderne Zerrsounds von Punkrock bis Metal geeignet. Bei extremen Mid Scoop-Sounds stößt man in gewisser Weise an Grenzen, aber wie bereits erwähnt kann man ja immer noch die Schere in Form eines EQs hinter dem Eras ansetzen. Und da ist es besser, dass der Mid Scoop nicht so hart ist, denn was weg ist, kann nicht mehr reingedreht werden. Auch in dieser Kategorie lohnt es sich, mit dem Blend-Regler zu spielen, zum Beispiel, um einem Mega-High-Gain-Sound noch etwas mehr Klarheit in der Auflösung zu geben. Man muss aber sagen, dass Saitentrennung und Transparenz bei hohen Zerrgraden mit dem puren Distortionsound erstklassig sind, da gibt es nichts zu beanstanden. Akkorde sind auch jenseits der Powerchords klar erkennbar und mit dem Blend-Regler an Bord hat man ein weiteres As im Ärmel. Hier sind ein paar Beispiele mit den Modes 4 und 5.

Trotz der hohen Zerrkeule reagiert das Pedal immer noch auf Aktionen mit dem Volume-Poti an der Gitarre, mit dem man den Sound etwas entzerren kann. Auch wenn es weit zurückgenommen ist, ergibt sich zwar nicht unbedingt ein echter Cleansound, aber das liegt auch an der hoch verzerrten Ausgangsbasis. Auf jeden Fall lässt sich in puncto Dynamik auch bei höheren Verzerrungen noch einiges anstellen.

Im letzten Beispiel hört ihr den Eras im Bandkontext mit tiefer gestimmten Gitarren, und das funktioniert auch ausgezeichnet: Das Pedal bleibt auch in tieferen Gefilden bei hoher Verzerrung transparent. Hier war der Mode 4 bei beiden Gitarrenspuren im Einsatz.

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