Test
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06.12.2008

X/Y-MATRIX
Zur Bedienung kommt das altbewährte zweidimensionale Konzept zum Zuge: In der Vertikalen wählt man einen Parameter an, um dessen Wert auf der Horizontalen zu editieren: Anwahl per Druckknopf, Editierung per Drehpoti. Es gibt keine Doppelbelegungen, alles ist sehr einfach und übersichtlich gestaltet. Zusätzliche Parameter werden über das Display aufgerufen und verändert..

Um mir einen Überblick über das Klangpotenzial des Blofelds zu schaffen, wende ich mich zunächst den Presetklängen zu, von denen es ganze 1000 Stück gibt! Das Handbuch verrät mir, dass man Klänge nach Kategorien suchen kann. Sehr praktisch!
 
Hier eine fünf kleine Auswahlmixes daraus:


DIE KLANGERZEUGUNG

Oszillatoren
Der Blofeld verfügt über drei digitale Oszillatoren. Die ersten beiden verwenden entweder eine der internen 68 Wavetables oder emulieren einen analogen Oszillator. Der dritte Oszillator beherrscht nur Letzteres. Alle drei DCOs ("Digitally Controlled Oscillators") können die typischen Wellenformen Sägezahn, Dreieck, Rechteck, Puls oder Sinus erzeugen. Frequenzmodulation zwischen den Oszillatoren ist möglich, Oszillator Nummer zwei lässt sich zum dritten synchronisieren und Oszillator eins und zwei können ringmoduliert werden. Und um die Sektion "Klangentstehung" abzurunden, sei noch auf den Rauschgenerator hingewiesen, dessen weißes Rauschen mit einem eigenem Contour-Filter bearbeitet werden kann.

 

Filter
Zwei Multimode-Filter stehen bereit, um die Signale der drei Oszillatoren und des Rauschgenerators zu verarbeiten. Wahlweise sind sie im Signalfluss seriell oder parallel angeordnet. Bei der zweiten Einstellung lässt sich sogar das Stereopanorama der Filter frei wählen!
Verschiedene Filterarten stehen zur Auswahl: Tiefpass-, Hochpass-, Bandpass-, Kamm- oder Notchfilter mit jeweils 12 oder 24 dB pro Oktave, sowie das PPG-Filter, ein 24dB-Lowpassfilter mit eigenständigem Resonanzcharakter. Alle Filter sind resonanzfähig, und natürlich ist auch Filter-FM möglich - es handelt sich hier schließlich um ein Waldorf-Instrument!
Ich habe die digitalen Multimodefilter einmal genauer unter die Lupe genommen:

Feinere Einstellungen der Filter nimmt man im Display-Menü vor, wie zum Beispiel an den Parametern des sehr vielseitigen, integrierten Verzerrers. Auch die Einstellungen zur LFO- und Frequenzmodulation des Filters werden über das Display editiert.

Verzerrer
Der Verzerrer ist im Signalfluss hinter den Filtern angeordnet und deckt von leichtem Anrauen über kreischende Distortion bis zu Bitcrusher-Verstümmelungen die ganze Palette der Verzerrkunst ab. Hier ein Beispiel mit drei Einstellungen des Verzerrers: Clipping, Overflow, Tube

VCA + Hüllkurven
Zur dynamischen Kontrolle steht ein VCA bereit. Darüber hinaus verfügt der Blofeld über vier frei programmierbare Hüllkurven, wahlweise monophon oder polyphon triggerbar. Dabei kann man aus einem Menü von verschiedenen Hüllkurventypen wählen: ADSR, One-Shot sowie zwei Endlosschleifen. Hier ein Beispiel einer Endlosschleife als Hüllkurve, die ähnlich wie ein LFO auf das Filter wirkt.

Modulationsmatrix
Die Schaltzentrale aller Routingsignale ist die Modulationsmatrix, die über das Display bedient wird. Grundsätzlich kann man hier alles mit allem verbunden werden... hierbei kann man gerne mal die Zeit vergessen!
Ein Kritikpunkt, den ich hier anbringen möchte, ist die Größe des Displays. Besonders bei der Abbildung der Modulationsmatrix, die sehr viele Parameter beinhaltet, stoßen 28 Quadratzentimeter schnell an ihre Grenzen.  

LFO
Es wäre nicht der Blofeld, wenn Waldorf an dieser Stelle gespart hätte: Drei LFOs mit den Wellenformen Sinus, Dreieck, Rechteck, Sägezahn, S+H und Rauschen warten auf ihren Einsatz! Das sollte aber auch wirklich reichen.

Effekte

Mit den Effekten Chorus, Flanger, Phaser, Overdrive, "Triple FX", Delay und Reverb bleibt auch in dieser Kategorie kein Wunsch mehr unbefriedigt. Allein das Reverb kann nicht ganz mit der sonst vorherrschenden Klangqualität des Gerätes mithalten. "Triple FX" ist eine Kombination aus den drei Effekten Chorus, Sample&Hold-Modulation und Overdrive.

Arpeggiator
Besonders für Elektroniker, die es automatisiert mögen, hat der Blofeld etwas zu bieten: einen leistungsfähigen Arpeggiator, ein Erbstück des Waldorf Q. Mit ihm können selbst komplexe 16-Step-Sequenzen über zehn Oktaven erstellt werden und – wenn man sich etwas in die Materie vertieft – sogar durch Überlagerung von Tönen Akkorde programmiert werden! Selbstredend ist der Blofeld auch per MIDI-Clock zu externen Geräten als Slave synchronisierbar.
Wer sich dem Arpeggiator zuwendet, sollte die Zeit im Auge behalten. Hier besteht ausgesprochene Suchtgefahr!


Modifier
Abschließend sei noch die Abteilung "Modifier" genannt. Über das Displaymenü kann man hier zwei Modulationsquellen verknüpfen, addieren, subtrahieren, multiplizieren... zum Beispiel "LFO1 * Env2". Das Ergebnis dieser "Rechnung" kann dann als neue Modulationsquelle dienen. Etwas für Mathe-Freaks oder Experimentierfreudige! An dieser Stelle, ich muss es zugeben, konnte ich nicht mehr jede Klangkreation nachvollziehen und war erleichtert, als ich auf der Waldorf Website diesbezüglich folgenden Satz fand: "Und wenn Ihnen das noch nicht genügt, können Sie sogar neue Modulationsquellen erzeugen, indem Sie bestehende Quellen mit algorithmischen Operationen bearbeiten. Klingt zu kompliziert? Vielleicht. Aber es macht einen Riesenspaß, selbst wenn Sie nicht wissen, was Sie gerade tun." (http://www.waldorfmusic.de/de/produkte/blofeld/blofeld_user_interface).

Dem schließe ich mich an!

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