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Feature
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10.03.2016

Vintage Synth: Sequential Circuits Prophet-5

Polyphoner Analogsynthesizer

„Prophet-5“ ist ein großer Name für einen Synthesizer. Aber im Rückblick scheint er durchaus passend gewählt für diesen analogen Klassiker aus dem Hause Sequential Circuits, der zu den ganz prägenden, heutzutage legendären Instrumenten aus der Urzeit analog-synthetischer Klänge gehört. In diesem Vintage-Feature möchten wir etwas von seiner Geschichte erzählen, ihn technisch und soundmäßig vorstellen, uns aber auch fragen, ob es zu Anfang des dritten Jahrtausends noch sinnvoll ist, einen weit über 30 Jahre alten Prophet-5 zu besitzen.

Diese Frage ist heute aktueller denn je, denn neben einigen Software-Emulationen gibt es inzwischen ja auch wieder eine Reihe von Hardware-Synthesizern aus dem Hause Dave Smith Instruments, die den Prophet-Namen tragen. Zwar ist keiner davon eine exakte Reproduktion des Prophet-5, auch nicht der 2015 erschienene Prophet-6, sodass der Fall für Puristen ohnehin klar sein dürfte. Wer jedoch auf Alltagstauglichkeit Wert legt, wird sich die Frage stellen, ob er mit einem neuen Instrument nicht besser bedient ist als mit einem Vintage Synthesizer, der, soviel sei vorweg genommen, durchaus divenhafte Allüren haben kann. 

Details

Geschichte des Prophet-5

Die Geschichte des Prophet-5 beginnt amüsanterweise mit einer Halbierung. Wir befinden uns in den Jahren 1977/78. Die großen Namen der Synthesizer-Branche, wie Moog, Arp oder auch Yamaha, haben verschiedene Analoge auf dem Markt, aber vor allem die Polyphonie steckt noch ziemlich in den Kinderschuhen und/oder ist für normale Menschen unerschwinglich. Und auch etwas anderes hakt noch: Weder Yamahas Flaggschiff CS80 noch zum Beispiel Oberheims Four Voice sind in der Lage, alle Parameter eines Sounds als Preset abzuspeichern.

Dave Smith und sein Partner John Bowen hatten, ganz in der Tradition anderer berühmter Bastler-Garagen, die Firma Sequential Circuits gegründet und tüftelten an vielerlei Gerätschaften herum, die mit elektronischer Musik zu tun hatten. So entstanden damals unter anderem ein Programmer für den Minimoog und ein früher digitaler Sequencer. Dem Ingenieursgeist von Dave Smith verdanken wir ja nicht zuletzt auch den MIDI-Standard, der im Prophet-600 erstmals ab Werk verbaut wurde und, wie wir wissen, ein erstaunlich langes Leben führt. Aber zurück zur Garage: Offenbar kamen den Herren dort auch noch einige andere gute Ideen, und sie fassten irgendwann den Plan, einen Synthesizer zu bauen, der dem späteren Prophet-5 sehr ähnlich war: den Prophet-10. Der einzige Unterschied war, dass der größere Prophet versuchte, eine 10-stimmige Polyphonie hinzubekommen. „Versuchen“ deshalb, weil es ihm tatsächlich nicht so gelang, dass das Instrument wirklich spielbar war. Der Prophet-10 war äußerst unzuverlässig und verstimmte sich durch die große Hitzeentwicklung innerhalb weniger Minuten. Dann also die Halbierung – wobei es wohl auch Versuche gab, immerhin sechs Stimmen zu verbauen, aber auch das erwies sich als nicht realisierbar – und heraus kam der auf fünf Stimmen gestutzte Prophet-5 oder das, was man heute als „Rev 1“ kennt. 182 Stück wurden von dieser ersten Version von Hand produziert, und sie brauchten trotz allem wohl nach der Herstellung noch einige Modifikationen, um einigermaßen verlässlich zu arbeiten.

Mit der leicht überarbeiteten Version „Rev 2“ folgte dann das wirkliche Ausrufezeichen. Mehr als 1.000 Stück wurden davon gebaut. Diese Ausführung war deutlich zuverlässiger und bot außerdem die Möglichkeit, Daten auf einem externen Kassettenlaufwerk zu speichern. Es gibt, wie oft bei verschiedenen Inkarnationen eines Synthesizers oder anderer elektronischer Musikgeräte, eine manchmal etwas esoterische Diskussion darüber, welcher Prophet nun der bestklingende, wahre ist. Und vielfach liest man, dass Rev 2 der beste Prophet von allen sei, da er weniger anfällig ist als Rev 1, dennoch aber den satten Klang der ersten Generation aufweist.

Die dritte Generation des Prophet-5 brachte in der Tat umfassendere technische Änderungen, da die SSM-Oszillatoren weichen mussten. Die offizielle Begründung hierfür war deren allzu große Unzuverlässigkeit, die den SCI-Leuten trotz des besonderen Sounds zu viele Probleme machte. Es gibt allerdings auch die Theorie, dass der Wechsel strategische Gründe hatte, da Anteile des Chipherstellers SSM von E-mu kontrolliert wurden, einer Firma, bei der SCI die Tastatur des Prophet eingekauft hatte und mit der man sich zu dieser Zeit in einem Patentstreit befand. Jedenfalls folgten den Bauteilen von SSM die sogenannten Curtis (CEM) Chips, und mit ihnen wurden auch etliche andere Teile getauscht. Ich habe nie einen Rev 2 im direkten Vergleich zu meinem Rev 3.3 gehört. Man sagt, dass die SSM Chips mit ihrer Unkalkulierbarkeit essentiell zum Biss und Klangreichtum der frühen Prophets beigetragen haben, so dass Rev 3 dagegen etwas braver und kühler klinge. Sollte das so sein, scheint es nicht sehr viele Menschen gestört zu haben: Rev 3 verkaufte sich seinerzeit beinahe 6.000 mal. Rev 2 und 3 können übrigens mit MIDI nachgerüstet werden, wobei zum Ende der Produktionszeit, also um das Jahr 1984, auch Rev 3-Version ab Werk mit MIDI ausgeliefert wurden.

Die 80er Jahre wurden klanglich vor allem von Synthesizern geprägt, und der Prophet-5 spielte dabei sicherlich eine der Hauptrollen. So liest sich die Liste der prominenten Nutzer wie ein Who Is Who dieses Jahrzehnts, mit Namen wie Genesis, Depeche Mode, Duran Duran, Eurythmics, Peter Gabriel, Jean-Michel Jarre, Kraftwerk, Petshop Boys, Pink Floyd, Steely Dan, Talking Heads und etlichen anderen.

Anfang der 80er Jahre erblickte dann doch noch ein Prophet-10 die Welt, ein zweimanualiges Ungetüm, in dem technisch gesehen zwei Prophet-5 Rev 3 zu Hause sind, deren Verbindung zu einem Instrument ungeahnte spielerische Möglichkeiten bietet. Allerdings kam seine Einführung wohl einige Jahre zu spät. Die Konkurrenz hatte schon Anschlagdynamik und Aftertouch im Angebot, und außerdem überstrahlte der Prophet-5 mit seinem Erfolg den dicken großen Bruder.

Gehäuse und Anschlüsse

Die meisten werden, ähnlich wie beim Minimoog oder dem CS80, gleich ein Bild vor Augen haben, wenn sie an den Prophet-5 denken, was sicherlich nicht zuletzt an der weit verbreiteten Software-Emulation von Arturia liegt, die den Synthesizer annähernd fotorealistisch abbildet. Als ich Anfang der Nuller Jahre die Fährte des Prophet aufnahm, war mir neben der Legende auch die schöne Optik im Kopf, eine herrliche Mischung aus vielversprechend qualitätvoller Technik und edler Holzanmutung. Mir scheint, die Designer bei Sequential Circuits haben hier eine perfekte optische Entsprechung dafür gefunden, was man klanglich wohl als absolute analoge Topqualität bezeichnen muss. Der Prophet ist randvoll mit Technik, so dass er beachtlich schwer ist. Wie zu erwarten, sind alle Bauteile von bester Qualität, und man bedient mit großer Freude die Potis, die (von mir sehr geliebten) Tipptaster, die edel-schlanken Spielhilfen oder die fünf Oktaven umfassende Tastatur. Im Vergleich zur damaligen Konkurrenz war diese wohl ebenfalls absolut top, und auch heute macht sie noch eine gute Figur. Wobei ich hier erwähnen muss, dass ich beim Kauf über eBay seinerzeit keinen Gedanken darauf verwendet habe, ob an meinem zukünftigen Prophet auch alles an seinem Platz sitzt. So ließ mich auch ein zwischenzeitlich geposteter Kommentar von einem potentiellen anderen Käufer kalt, der sich das Gerät live angesehen hatte und sagte, die Tastatur sei in einem erbärmlichen Zustand. Als der Prophet in Köln eintraf, sah ich, was er meinte: wellenförmig geschwungen trifft es als Beschreibung wohl am besten. Aber nachdem sich der grandiose Helmut Fischbach der Überholung angenommen hatte, war wieder weitgehend alles im Lot.

Schon die Beschäftigung mit den Anschlüssen auf der Rückseite macht deutlich, dass sich SCI sehr viel Mühe gegeben hat, ein vielseitig nutzbares Instrument zu bauen. Neben der Audio-Out-Buchse finden sich dort nämlich etliche Konnektivitätsoptionen. So gibt es 6,5mm-Klinkenbuchsen für Tape In und Out. Hierüber lässt sich ein gewöhnliches Kassettendeck anschließen, das sich damit in einen Datenspeicher verwandelt, auf dem sich einzelne Patches, Bänke oder sogar ganze Programmbanken à 40 Patches speichern und natürlich auch wieder abrufen lassen. Dies war seinerzeit ein höchst willkommenes Feature, verfügten Rev 1 und 2 doch lediglich über 40 Speicherplätze, eine Zahl, die sich dann später auf 120 erhöhte. Die Lösung mit Tape erscheint aus heutiger Sicht natürlich etwas archaisch, aber es war sicherlich höchst clever, den Weg über ein Massenmedium zu wählen, und man überließ dabei nichts dem Zufall: Der Prophet verfügt über eine Kontrollroutine, die nach dem Speichern Byte für Byte prüft, ob die Daten auch korrekt gespeichert wurden.

Weitere Anschlüsse zeigen sehr deutlich, dass dem Tüftler Dave Smith und seinem Kollegen klar war, dass ein ordentlicher Synthesizer-Enthusiast selbstverständlich etliches an den Prophet-5 würde anschließen wollen, um ihn mit weiterem Gerät zu verbinden. So bieten zwei Control-Voltage-Eingänge die Möglichkeit, Lautstärke und Filtergrenzfrequenz per externem Controller zu bestimmen. Und eine Sektion von gleich vier Klinkenbuchsen ist mit „Sequencer Interface“ betitelt, für die die Bedienungsanleitung auch gleich den aus eigenem Hause stammenden Sequencer Model 800 als Spielgenossen vorschlägt. Mit Trigger Out, Voltage Out, Gate In und Voltage In ermöglicht der Prophet eine bidirektionale Verbindung zu einem analogen Sequencer. Dabei kontrollieren übrigens die ankommenden CV/Gate-Spannungen nur die fünfte Stimme des Prophet, die übrigen vier bleiben spielbar!

Neben einem eingelassenen Schalter, über den man den Schutz des internen Speichers ein- und ausschaltet und der allen Prophet-Varianten gemein ist, können sich je nach Ausführung und eventuell vorgenommenen Modifikationen noch einige andere Elemente auf der Rückseite wiederfinden. Auf meinem Prophet ist dies zunächst eine MIDI-In-Buchse (für die ich sehr dankbar bin), aber auch zwei recht große Anschlüsse für vierpolige Stecker, die mit „analog“ und „digital“ beschriftet sind. Erst für dieses Feature, muss ich gestehen, habe ich mich überhaupt damit beschäftigt, was es damit auf sich hat: weitere Möglichkeiten, den Prophet von außen zu steuern. Der analoge Anschluss war für die Verbindung mit einem Controller vorgesehen, der die Spielhilfen, also Pitch- und Mod-Wheel, steuert. Hierfür vorgesehen war ein Remote Keyboard mit der Bezeichnung „Model 1001“, zu dem ich aber keine weiteren Informationen gefunden habe. Die digitale Buchse ermöglicht die bidirektionale Datenkommunikation für den Anschluss jeglicher Art von Programmierinterface. Dies sollte wohl die Tür öffnen für Zubehörprodukte von SCI, allerdings gibt es in der Bedienungsanleitung eine sehr genaue Beschreibung zu den entsprechenden Spezifikationen, und erfahrene Techniker werden im Grunde ermutigt, ihre eigenen Apparaturen zu entwickeln – heutzutage beinahe undenkbar.

Beim Stöbern in der Bedienungsanleitung bin ich tatsächlich über eine Funktion gestolpert, von der ich zuvor noch nicht gehört oder gelesen hatte. Der Prophet bietet die Möglichkeit, in einen Scale-Mode zu wechseln. In diesem lassen sich über Potis die 12 Töne der vom Prophet erzeugten Skala individuell stimmen, so dass nicht nur eine wohltemperierte Stimmung möglich ist. Diese selbst gebastelten Stimmungen lassen sich sogar in Patches speichern. Abgesehen davon, dass ich persönlich für dieses Feature musikalisch keine Verwendung habe, fand ich es aber doch sehr bemerkenswert, welch enormen Reichtum an Features SCI dem Prophet eingehaucht hat. So lassen sich mit dem Synthesizer allerhand exotische Tonleitern intonieren, was man beileibe nicht von jedem Vintage-Analogen behaupten kann.

Klangerzeugung und Bedienfeld

Die Klangerzeugung und Klangformung des Prophet-5 sind aus heutiger Sicht eine sehr geradlinige Angelegenheit. Er verfügt über zwei Oszillatoren pro Stimme, die per Hard Sync synchronisiert werden können. Oszillator A kann Sägezahn- und Rechteckschwingungsformen produzieren und per Frequency-Poti über einen Bereich von vier Oktaven gestimmt werden, was quantisiert, also in Halbtonschritten, vonstatten geht. Interessant bei den Schwingungsformen ist, dass diese beim Prophet nicht, wie etwa beim Minimoog, per Wahlschalter oder gar per stufenlosem Poti angewählt, sondern durch Druck auf einen Taster quasi zugeschaltet werden. Dadurch lassen sich alle Schwingungsformen, die die Oszillatoren erzeugen können, gleichzeitig nutzen.

Der etwas bescheidener ausgestattete Oszillator A bietet neben den genannten Features zudem ein dediziertes Poti zum Einstellen der Pulsbreite. Oszillator B hält mehr Optionen bereit. So kann für ihn neben der Grobstimmung auch ein Finetuning eingestellt werden, und vor allem kann er auch eine Dreieck-Schwingungsform erzeugen. Darüber hinaus lässt er sich per Druckknopf zum LFO umfunktionieren, dessen Frequenzspektrum von der Bedienungsanleitung mit 0,4 Hz bis 30 Hz angegeben wird. Unter anderem für diesen Fall kommt einem eine weitere Option gelegen, nämlich die Möglichkeit, Oszillator B von der Tastatur zu entkoppeln.

In der Mixer-Sektion finden sich nur drei Potis, je einer für die Lautstärken der beiden Oszillatoren und ein weiterer zum Beimischen von weißem Rauschen. Etwas munterer wird es beim Filter. Bei diesem handelt es sich um ein 24dB/Okt.-Lowpass-Filter, eine absolut bekannte Größe im Metier der subtraktiven Klangsynthese. Sicherlich gab es auch schon Ende der siebziger Jahre flexiblere Filterdesigns, aber man kann wohl behaupten, dass das Filter des Prophet eine der hochwertigsten, bestklingenden Umsetzungen dieses Filtertyps ist. Mit drei Potis stellt man hier zunächst Cutoff-Grenzfrequenz, Resonance und Envelope Amount – also die Stärke der Modulation durch die entsprechende Hüllkurve –  ein. Zudem kann man Keyboard Tracking zuschalten, so dass die Grenzfrequenz höher wird, je höher der gespielte Ton ist. Unterhalb dieser Grundeinstellungen befinden sich die Potis für die ADSR-Hüllkurve, die fest mit dem Filter verdrahtet ist.

Über eine solche Hüllkurve verfügt auch der Amplifier des Prophet-5, den man ganz rechts außen auf dem Bedienpanel einstellt, gelegen in logischer Nähe zu Grundfunktionen wie der Gesamtlautstärke oder dem Master-Tune. In diesem Bereich des Prophet finden sich allerdings noch ein paar Preziosen: Per Taster kann die Release-Phase der Hüllkurven ein- und ausgeschaltet werden, eine Funktion, die interessante Möglichkeiten bietet, während des Spielens leicht in den Sound einzugreifen, um so mehr, als die Funktion des Knopfes auch per angeschlossenem Pedal ausgeübt werden kann, so dass man zwischen kürzest möglicher Release-Zeit (ohne Knacken allerdings) und den eingestellten Release-Zeiten on the fly wechseln kann.

Sehr, sehr dankbar ist man für den unscheinbaren Taster mit der Beschriftung „Tune“, der eine automatische Stimmung des Synthesizers durchführt. Diese Prozedur wird zwar beim Einschalten ohnehin immer durchgeführt, sie kann aber aufgrund diverser Faktoren auch während der Benutzung mal vonnöten sein. Sehr einfach und doch bei anderen – auch modernen – Analogen schmerzlich vermisst ist ein weiterer Druckknopf, mit dessen Hilfe sich Kammerton A mit 440 Hz erzeugen lässt, um beim Stimmen von Hand eine Orientierung zu bieten.

Bleiben zwei weitere allgemeinere Funktionen: Mit dem Unison-Schalter lässt sich der Unisono-Modus aktivieren, bei dem der Prophet monophon wird und nicht weniger als alle 10 Oszillatoren in leicht gegeneinander verstimmter Tonhöhe ins Rennen wirft. In dieser Betriebsart kann auch Portamento eingestellt werden, dessen Zeitkonstante per „Glide“-Poti bestimmt wird.

Was dem Prophet-5 neben seinem fetten, organischen Sound sicherlich einen besonderen Ruf eingebracht hat, ist seine Modulationssektion. Sie ist so mächtig und clever designt, dass man durchaus manchmal hört, der Prophet sei, vielleicht sogar bis heute, einer der flexibelsten und variantenreichsten Analogen. Hierfür vor allem verantwortlich ist ein Bereich, der verheißungsvoll mit „Poly-Mod“ überschrieben ist. Wie auch der zweite Modulationsstrang (Wheel-Mod) folgt er dem einfachen Funktionsprinzip, nach dem per Poti die Modulationsstärke der Modulationsquelle bestimmt und per Tipptaster ein oder mehrere Modulationsziele gewählt werden. Im Falle der Poly-Modulation stehen als Quellen die Filterhüllkurve und das Signal von Oszillator B zur Verfügung, während sich als Ziele Frequenz und Pulsbreite von Oszillator A sowie die Grenzfrequenz des Filters anbieten. So unscheinbar dies zunächst wirkt, kann man sich mit etwas Gedankenfleiß doch leicht vorstellen, welch enorme Komplexität an Modulation hier erzeugt werden kann. Denn nicht nur sorgt die Mischung zweier Quellen für eine äußerst schillernde Kontrollspannung. Auch kann ja Oszillator B entweder als LFO oder ganz normal im hörbaren Bereich betrieben werden. Das Wundertüten-mäßige dieser Sektion wird noch dadurch unterstrichen, dass das technische Design ganz bewusst die kleinen, subtilen Unterschiede zwischen den einzelnen Stimmen des Prophet fördert. So gelangen zwar die Modulationen mit identischen Routings zu den Stimmen, aber dadurch, dass jede Stimme die Modulationsspannung separat geliefert bekommt, kann sich diese individueller auswirken und jeweils eine leicht andere Modulation hervorbringen. Dies ist in der „Wheel-Mod“-Sektion anders, wo eine für alle Stimmen exakt identische Modulation erzeugt wird. Das Schöne: Die Poly-Modulation ist zwar zu sehr komplexen Modulationen fähig, lässt sich aber wahnsinnig leicht bedienen und lädt geradezu zum Herumprobieren ein. So muss man gar nicht so genau verstehen, warum der Sound anfängt, so abgefahren zu modulieren. Man dreht einfach an zwei Potis und tippt auf drei Tastern herum.

Eine zweite Option zur Einstellung von Modulationen eröffnet der „Wheel-Mod“-Bereich, der, wie sich leicht vermuten lässt, seine Stärke erst im Zusammenspiel mit dem Modulationsrad entfaltet. Das heißt: Je weiter das Rad nach vorne gedreht wird, desto stärker greift die Modulation. Manchmal etwas betrüblich an dieser Architektur ist natürlich, dass sich die vielleicht clever eingestellte Modulation auch nur dann auswirkt, wenn man tatsächlich physisch das Modwheel betätigt, so dass die Auswirkungen dieses Bereichs nur von der Konfiguration her, nicht aber in der Stärke in den Presets speicherbar sind. Aber nehmen wir es als kleines lebendiges Moment, das nicht alles total speicher- und vorhersehbar macht.

Als Modulationsquellen für die Wheel-Mod dürfen der LFO und der Noise-Generator herhalten. Dabei verfügt der LFO über einen eigenen Bedienbereich, in dem seine Frequenz (ca. 0,4 Hz bis 20 Hz) und seine Schwingungsform (Sägezahn, Dreieck, Rechteck) eingestellt werden können, wobei auch hier wiederum die Schwingungsformen gleichzeitig verfügbar sind. Die Signalstärke der Modulationsquellen wird diesmal mit nur einem Poti geregelt, welches SEM-Style zur einen Seite gedreht den LFO, zur anderen Seite das weiße Rauschen ins Rennen schickt. Als Ziele bieten sich uns gleich fünf Parameter an, nämlich jeweils Frequenz und Pulsbreite der Oszillatoren sowie die Filterfrequenz.

Wie schon erwähnt, gehört die Modulationssektion sicherlich zu den großen Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmalen des Prophet-5. Dabei ist sie gleichermaßen leicht zu bedienen und intuitiv, ermöglicht aber dessen ungeachtet eine enorme Komplexität.

Speicherplätze

Aus heutiger Sicht eher unspektakulär, aber bei Erscheinen des Prophet-5 eines der zentralen, neuartigen Features ist schließlich die Option, komplette Sounds als Presets zu speichern und wieder abzurufen. Dies geschieht im Zentrum des Bedienpanels in einem Bereich, der „Programmer“ überschrieben ist. Er wird dominiert von einem rot leuchtenden Display, das zwei Ziffern in der Art eines alten Digitalweckers darzustellen vermag. Weiterhin gibt es acht Ziffern-Taster, einen Schalter zum Umschalten zwischen Preset-Modus und manuell, einen Bank-Select-Schalter sowie einen feurig-roten „Record“-Taster zum Speichern. Wie bereits beschrieben, verfügte der Prophet bis zu Rev 3 über nur 40 Speicherplätze. Mit Hilfe des Bank-Tasters steppt man durch die fünf vorhandenen Bänke und wählt per Zifferntaste einen der acht Sounds pro Bank aus. Später wurde der Speicherplatz auf 120 Presets erweitert, wobei man –  wie bei meinem Prophet – durch Gedrückthalten der Bank-Taste zwischen drei Sets à 40 Sounds auswählen kann.

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