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Feature
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10.06.2015

Vintage Drum Machine: MFB-501

Analoger Drum-Computer

Preset-Beatbox für Code-Knacker

Die MFB-501 Drum Machine der auch heute noch existierenden und sehr aktiven Firma MFB (Manfred Fricke Berlin) kam 1980 auf den Markt. Das analoge Rhythmusgerät bietet 64 Preset-Rhythmen und ist nicht programmierbar, wenn man vom An- und Abschalten einzelner Sounds absieht. Mit einem charmanten Analog-Sound und der Fähigkeit zur Synchronisation kann man aber auch heute noch eine Menge Spaß haben. Im Vintage Drum Machine Special stellen wir euch die MFB-501 vor. Hier findet ihr auch MFB-501 Samples zum Download.

Details

Gehäuse

Die MFB-501 sieht aus wie die Abschlussarbeit eines Elektroniklehrlings: Ein schmuckloses Kunststoffgehäuse, etliche Schalterchen mit eher kryptischen Beschriftungen, ein paar LEDs – hier fühlt man sich eher an ein Laborgerät als ein Musikinstrument erinnert. Das Wort „Tempo“ ist der einzige Hinweis auf der Frontplatte, dass dieses Gerät etwas mit Musik zu tun haben könnte (der dazugehörige Regler ist allerdings interessanterweise von „1“ bis „7“ skaliert, was wiederum jeglichen musikalischen Praxisbezug vermissen lässt …).

Anschlüsse

Rückseitig findet man dann aber doch einige untrügliche Beweise dafür, dass man das Gerät an anderes Musikequipment anschließen soll: Es gibt einen Stereo-Ausgang (L/MONO – R) und je einen Trigger-Ein- und Ausgang. Außerdem verfügt die MFB-501 über Fußschalteranschlüsse für Start/Stop und zum Auslösen von Fill-Ins. Das Netzteil wird über einen kleinen Mikroklinkenstecker angeschlossen und man sollte es lieber nicht verlieren: Neben dem Stecker ist auch die Spannung von 18 Volt eher ungewöhnlich. Einzelausgänge für die verschiedenen Sounds bietet die MFB-501 nicht und MIDI gab es im Jahr 1980 natürlich auch noch nicht.

Bedienfeld

Das Bedienfeld der MFB-501 besteht überwiegend aus kleinen Kippschaltern. Mit den neun Schaltern in der oberen Reihe kann man die einzelnen Instrumente an- und abschalten. Das wirkt sich natürlich nur aus, wenn der jeweilige Sound im gerade ausgewählten Preset-Rhythmus überhaupt vorkommt. Insgesamt bietet die MFB-501 zehn analoge Sounds: Bassdrum (BD), Snare Drum (SD), Tom (TT), Bongo Low und High (LB, HB), Holz 1 und 2 (H1, H2), Hi Hat geschlossen (HH) sowie Long und Short Cymbal (LC, SC) – bei letzteren gibt es einen gemeinsamen Schalter für beide.

Zur Auswahl von Patterns dienen die sechs Schalter in der Reihe darunter. Mit den Switches F-A, die jeweils auf „1“ oder „0“ gestellt sein können, gibt man einen sechsstelligen Binärcode ein um einen der 64 Preset-Rhythmen zu selektieren (2^6 = 64). Jede mögliche Stellung dieser sechs Schalter entspricht also genau einem Preset. Mit sechs LEDs wird angezeigt, welche Schalter auf „1“ stehen. Warum zwei dieser LEDs rot und die übrigen vier grün sind, erschließt sich mir nicht unbeding – Herr Fricke wird sich aber bestimmt etwas dabei gedacht haben. Dieses Auswahlverfahren ist natürlich alles andere als intuitiv – um einen bestimmten Rhythmus zu wählen muss man den jeweiligen Code in einer Tabelle suchen (diese findet man mittlerweile an verschiedenen Stellen im Netz) und die sechs Schaltern entsprechend einstellen. Andererseits passiert beim Umlegen einiger Schalter auch manchmal genau das Unerwartete, das einen auf neue Ideen bringt …

Rechts findet man den erwähnten Drehregler für das Tempo mit seiner Laborskala von 1-7. Daneben liegt der Start-Schalter – solange er eingeschaltet ist, läuft die Maschine. Der Beginn des Patterns wird von der LED darüber angezeigt, sie blinkt jeweils auf der „1“ kurz auf.

Nun fehlt noch der Schalter ganz rechts oben. Er verfügt über drei Stellungen, die mit „I“, „II“ und „IV“ beschriftet sind. Dahinter verbirgt sich die Auto-Fill-Funktion der MFB-501. In der Stellung „I“ läuft das Pattern ohne automatische Fills. Stellt man den Schalter auf „II“, so erzeugt die MFB-501 in jedem zweiten Takt ein automatisches Fill-in, mit „IV“ passiert das in jedem vierten Takt. Wenn ein Fußtaster an die Fill-In-Buchse angeschlossen ist, ist dieser Schalter ohne Funktion – dann werden Fills manuell ausgelöst.

Einen Lautstärkeregler besitzt die MFB-501 übrigens nicht. Auch gibt es keine Möglichkeit, das Lautstärkeverhältnis der verschiedenen Sounds einzustellen.

Praxis

Sounds

Die 10 analogen Sounds der MFB-501 klingen so richtig schön nach analoger Begleitmaschine von 1980: Die Drums etwas pappig und „topfig“, die Hi-Hat und Cymbals spitz und rauschhaft. Attribute wie „knackig“, „durchsetzungsfähig“ oder „punchy“ kommen mir bei der MFB-501 jedenfalls nicht in den Sinn. Allerdings hat die Maschine irgendwie Charme – die Sounds passen gut zusammen und ergeben einen stimmigen, nostalgischen Gesamtsound, nicht nur für Retro-Produktionen. Hier hört ihr die Sounds der MFB-501 im Einzelnen:

Wenn man den Stereoausgang benutzt (Buchse „R“ belegt), werden die Sounds nach links und rechts verteilt. Die Bassdrum liegt dann als einziges Instrument in der Mitte, die restlichen Sounds (auch die Snare!) erklingen entweder ganz links oder ganz rechts. Das ergibt natürlich ein etwas merkwürdiges und ungewohntes Stereobild.

Preset Patterns

Die 64 Preset Patterns der MFB-501 lassen nichts aus: Neben Standards wie Walzer, Cha Cha Cha und Marsch kann die Maschine auch Rock (sogar „Punk Rock“!), Boogie, Disco und Latin. Auch einige außergewöhnliche Taktarten sind dabei, so ist „Jazz Rock 3“ ein 11/8-Takt und „Funk Rock 8“ ein 15/8. Das Auswahlverfahren ist wie erwähnt etwas kryptisch. Allerdings zieht sich ein gewisses System durch die Codierung – bei verwandten Rhythmen sind die ersten 4-5 Stellen des Binärcodes meist identisch, sodass man durch Experimentieren mit den letzten beiden Schaltern oft recht schnell einen ähnlichen Rhythmus bzw. eine Variation findet. Patterns werden auf der ersten „1“ nach dem Umschalten gewechselt. Zusätzliche Varianten lassen sich leicht erzeugen, indem man einzelne Instrumente stumm schaltet. Hier hört ihr einige Preset Patterns der MFB-501.

Synchronisation

Mit den Sync-Ein- und Ausgängen lässt sich die MFB-501 mit anderem Equipment kombinieren. Die Maschine verwendet 5V-Impulse. Sobald die Buchse Sync In belegt ist, befindet sich die MFB-501 im Slave-Mode und spielt erst los, wenn ein Sync-Signal ankommt. Das funktioniert wie erwartet völlig problemlos. Allerdings ist die Synchronisation alles andere als tight – „nagelnde“ Beats darf man von der MFB-501 nicht erwarten.

Fazit

Die MFB-501 ist eine analoge Rhythmusmaschine mit Preset-Patterns. Programmieren lässt sie sich nicht und auch die Sounds kann man nicht verändern. Das schränkt den praktischen Nutzen in einem heutigen Kontext natürlich stark ein – wer selbst Beats bauen möchte, braucht eine andere Maschine. Allerdings haben die Sounds der MFB-501 viel Retro-Charme, obwohl sie verglichen mit manch anderer analoger Maschine aus jener Zeit eher schwachbrüstig sind. Zudem lässt sich die MFB-501 zu anderen Geräten synchronisieren. Damit kann man auch heute noch Spaß haben – dieses „Laborgerät“ mit seiner Bastel-Aura und seiner kryptischen Patternauswahl hat irgendwie etwas.  

MFB-501 Samples

Unser MFB-501 Sample-Paket enthält die Einzelsounds der Drum Machine als WAV-Files. Viel Spaß damit!

  • PRO
  • 64 Preset-Patterns, jeweils mit Fill-In
  • synchronisierbar
  • Auto-Fill-Funktion
  • Fußschalteranschlüsse für Fill und Start/Stop
  • CONTRA
  • nicht programmierbar
  • kryptische Patternanwahl über Binärcode
  • Sounds nicht in der Lautstärke regelbar
  • eigenwillige Stereoverteilung der Sounds
  • FEATURES
  • Erscheinungsjahr: 1980
  • Klangerzeugung: analog
  • Sounds: 10
  • Preset-Rhythmen: 64 + 64 Fill-Ins
  • Auto-Fill-Funktion
  • Anschlüsse: Stereo Out (L/mono – R), Sync In/Out, Start, Fill-In
  • Stromversorgung: 18V DC Netzteil

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