Hersteller_Vestax Gear_DJ-Controller
Test
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08.02.2013

Praxis

Vor der Kür setzt der Autor die Pflicht, und die beginnt für das Vestax/Algoriddim-Bundle mit einer hoffentlich anwenderfreundlichen Installation und Inbetriebnahme, die sich wie folgt darstellt:

Schritt1: Lade die Software von der Homepage, installiere und aktiviere sie mit der Seriennummer. Das dauert nur wenige Minuten. Top.

Schritt 2: Schließe den Controller an, öffne das Programm, warte die automatische Konfiguration ab und leg los. Das dauert ebenfalls nur wenige Minuten. Noch ein „Top“. So soll es sein!

Djay mit MacBook

Software und Controller sind sich vom grundlegenden Aufbau (Deck-Mixer-Deck) ähnlich, sodass ein schneller Einstieg auch für Frischlinge gewährleistet ist. Was die Musikverwaltung angeht, führt der Weg über iTunes und nur über iTunes, denn ein Dateibrowser ist nicht programmiert. Find ich irgendwie doof, ganz ehrlich. Aber immerhin können Titel per Drag-and-Drop in die Decks geladen werden.  Die iTunes-Library kann anhand von Wiedergabelisten, Interpreten, Alben, Musikrichtungen und Tonartfiltern durchforstet werden. Für den Wechsel zwischen den Tabulatoren ist der Griff zur Maus nötig. Hier hätte man vielleicht auch was über Shift realisieren können. Bei großen Datenbeständen kommt die inkrementelle Suchfunktion wie gerufen, denn sie filtert den Musikbestand anhand der eingegebenen Zeichenfolge.

In der Playlist navigiere ich mit dem Steuerkreuz, das auch die Ladefunktion für die Softwaredecks bedient. Neben den Basiswerkzeugen Start, Stop und Cue kann ich die automatische Beatsync-Funktion bemühen, die das Tempo und den Takt der beiden Titel angleicht. Hinter Match verbirgt sich ein Tool zum harmonischen Mixen (link Artikel Harmonic-Mixing). Betätige ich diese Taste, erfolgt ein automatisches Pitchshifting in die Tonart des Nachbardecks bei Beibehaltung des Tempos – was sich im Nachhinein nur durch einen Griff zum Mauspad wieder ändern lässt. Auch der Keylock entbehrt eines „physischen“ On-Off-Buttons.

Das Jogwheel lässt sich zum Scratchen, für Pitchbend-Operationen oder zur Schnellsuche verwenden, die alternativ via X-Pad erfolgen kann. Betätige ich den Touch-Sensor des Tellers im Scratch-Modus, zoomt die Wellenform in der Software, was auch beim Anlegen von Cue-Punkten nützlich ist. Jedoch muss ich das Wheel „gedrückt halten“, denn ansonsten ist der Zoom-Vorgang nach einer gefühlten Sekunde beendet. Beim Anschubsen erfolgt kein Zoom (Aspekt visuelles Beatmatching). Auch kann ich die Wave nicht als optische Unterstützung hinzuziehen, wenn ich Cuepoints bei laufendem Titel on-the-fly anlegen möchte. Derer drei können pro Deck über die Controller-Tasten deklariert, abgerufen und gelöscht (Shift) werden. Das passiert direkt und ohne Quantisierung. Ein Beatgrid mit einer Snap-Funktion suche ich vergebens. Loops werden zwar auf Basis der berechneten BPM (so diese stimmen) nahtlos und taktgenau angelegt, aber somit nicht am Beat, sondern an Auslöseposition platziert.

Klassische Loops (In/Out) über die Hardware gibt es im Übrigen nicht. Stattdessen kann man entweder eine automatische Schleife setzen und diese über zwei flankierende Tasten in der Länge verdoppeln und teilen. Oder man verwendet Rolls. Sie sind als Achtel-, Viertel- oder Halb-Beat abrufbar und jeweils mit einer eigenen Taste bedacht. Die Rolls geraten jedoch in Ausnahmefällen auch mal außer Takt, wenn ich besonders kurz auf die Tasten hämmere. Betätige ich „Sample“, wechselt das Beleuchtungsschema, welches unter Status meldenden Aspekten als weitgehend gelungen zu bezeichnen ist, auf grün und ich kann maximal sechs Samples pro Deck abfeuern (identischer Inhalt für beide Decks). Sie stammen wahlweise aus dem fest vorgegebenen Djay-Sample-Ordner, der erfreulicherweise auch eigenes Material enthalten kann, oder werden ganz einfach aus einem Deck entnommen. Erweiterte Remix-Techniken sollte man hier aber nicht ableiten, denn die Samples laufen weder als Loop noch „in Sync“ ab. One-Shot oder Trigger heißt die Devise. Für eine Sirene, ein erworbenes One-Shot-Samplepack oder das selbst aufgenommene Jingle oder „Put your Hands up“ reicht es aber locker.

Effektfeuerwerke abbrennen

Folgende Effektprogramme hat Djay unter der Haube: Flanger, Phaser, Echo, Gate, Bit Crusher und Filter (High Pass, Low Pass). Dazu kommen sechs vorkonfigurierte Instant-FX: Absorb, Drift, Sway, Crush, Punch, Twist. In der Bedienung der Effekte schwächelt das Bundle in meinen Augen ein wenig, denn zum einen lässt sich nur einer von zwei Soft-FX mit dem Drehregler am Gerät bedienen und zu meinem Leidwesen kann ich den Dry/Wet-Anteil am Vestax nicht einstellen. Doch immerhin kann ich die FX durch Shift-Kombi austauschen. Auch die Möglichkeit, einen FX mit dem Kanalfilter zu kombinieren, gefällt, wenngleich das Filter für meinen Geschmack zu zahm klingt. Zusätzlich löst die Shift-Funktion auf den Roll-Tasten Instant-Effekte aus, die ich als Drift, Sway und Crush identifizieren konnte. Ein optisches Feedback und den Rest der Truppe gibt’s bisher jedoch noch nicht. Auch das Austauschen ohne den Umweg über den MIDI-Editor ist bei dieser Spezies zum Testzeitpunkt nicht möglich. Alternative: Zusatzcontroller oder Remote-App. Dazu später mehr, wir bleiben zunächst noch beim Vestax.

Regler-Tweaks

Ein paar Worte zum Thema Feingefühl beim Mixen: Der EQ arbeitet in einem Rahmen von -24/+6 dB. Von der gerasterten Mittenstellung gibt’s in beide Richtungen einen 0,5-Dezibel-Sprung, dann kann ich im Cut mit etwa 0,4 Dezibel Auflösung, im Boost mit 0,1 dB arbeiten. Die Aufholverstärkung (Gain) beträgt +/-12 dB. Der Pitch geht mit 0,15 % bei 10 % zu Werke. Damit lassen sich die BPM zehntelgenau einstellen. Der Crossfader ist in Cut-Stellung (softwareseitig zu regulieren) nach einem Millimeter offen. Oder, um den Aussagegehalt dieser Werte zusammenzufassen: Damit lässt sich arbeiten. Was mich jedoch stört: Beim Überblenden wird automatisch die Vorhörfunktion für das gegenüberliegende Deck aktiviert.

Apropos Arbeiten! Wer mal eine Pause während einer DJ-Session vor Publikum einlegen muss, freut sich über eine Automix-Liste, wo er Tracks in Reihenfolge ablegen und auf Tastendruck den Autopilot starten kann. Die Mixsession lässt sich zudem auch aufzeichnen. Der Verlauf kann als PDF und nach iTunes exportiert werden.

Nach einem Abend in trauter Dreisamkeit mit MacBook und Spin 2 kann der Autor zusammenfassend festhalten, dass die Stabilität und Performance unter „OSX Berglöwe“ als gut einzustufen sind. Ein Windows-Test konnte aufgrund fehlender Treiber im Übrigen nicht erfolgen.

iPad und iPhone

Der nächste Weg führt mich zum iPad/iPhone, die ich direkt (iPad 1, iPhone 4) an das 30-Pin-Kabel klemmen kann. Dann bringe ich den Schalter an der Rückseite des Spin in eine der Stellungen Stereo, Split oder Multi. Stereo gibt ein Stereosignal aus. Split je eine Mono-Summe (L/R) zum Ohr und zur Anlage, Multi arbeitet mit vier Audiokanälen, wobei zwei zum Master gehen und zwei zum Kopfhörer. Das ist, wenn möglich, der Modus der Wahl, denn nur hier bleiben sowohl beim gesonderten Vorhören wie auch beim Playout die Stereo-Informationen erhalten. Multi-Audio läuft allerdings nur mit iOS6, was bedeutet, dass das iPad1, die iPhones bis 3G und die iPod-Touch-Modelle bis Generation drei von dieser Option ausgeschlossen sind. Ich persönlich würde, wollte ich mit dem Spin 2 als Kommandozentrale hantieren, ein altes Mobile Device eher "verauktionieren" und auf ein neueres Modell upgraden, als Mono-Split zu mixen. Aber da kommt natürlich schon ein stolzer Gesamtpreis für alle Komponenten zusammen, zumal die Anwendungen Djay for iPad (17,99 Euro) und Djay for iPhone (99 Cent) nicht Bestandteil des Lieferumfangs sind. Zudem fallen für ein iPhone 5 und das lokale iPad 4, genau wie für das iPad-Mini weitere 29 Euro für den Lightnig-30-Pin-Adapter an. Klar, das ist alles optional und Vestax nicht anzulasten, aber um als Standard-MIDI-Controller durchzugehen, wäre mir persönlich der Preis für Spin 2 im Direktvergleich zum VCI-100 MK2 einen Tacken zu hoch angesetzt, wenngleich dies sicherlich auch persönliche Ermessenssache ist. Berücksichtigung muss auch finden, dass die überwiegende Anzahl der iPad-Nutzer eine 30-Pin-Buchse vorliegen hat!

Nach Starten der Djay-Software am iDevice erkennt dieses unsere Kontrolleinheit sofort und ich kann unverzüglich loslegen. Grundsätzlich gelten hinsichtlich der Hardwaresteuerung die gleichen Regeln, doch kann ich mir nun „das Beste aus zwei Welten“ zunutze machen, denn Funktionen, die der Controller nicht bedienen kann, werden ganz einfach über das iPad dirigiert. Also zum Beispiel die XY-FX oder die „vermissten“ Instant-FX. Leider findet keine Aktualisierung beim Einschalten der FX auf den FX-View statt (zum Beispiel, wenn der DJ einen Effekt austauschen möchte). Wenn man jedoch am iPhone in der Dual-Deck-Ansicht arbeitet und mit dem Finger auf die Kreativ-Abteilungen tippt, ist Vorsicht geboten, will man nicht versehentlich in der Wellenform landen (was einen Positionssprung zur Folge hat). Der Vollständigkeit halber möchte ich noch erwähnen, dass die Besitzer eines iPad 1 oder iPhone 4 aufgrund des schwächeren Prozessors ohne Keylock auskommen müssen.  

Beim iPhone 4 dauert es gut sieben bis zehn Sekunden, bis ein durchschnittlicher EDM-Siebenminüter abspielbereit ist. Knapp 15-20 weitere Sekunden verstreichen, bis die BPM ausgewertet sind. Die Analyse der gesamten Wellenform dauerte im Test knapp eine Minute. An dieser Stelle möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass das neue iPad 4 die Berechnungen von zwei Wellenformen innerhalb von sechs Sekunden (!) erledigt – also fast zehnmal so schnell. Der Performancegewinn ist bei diesem Gerät allgemein beträchtlich. Eine vorhergehende Musik-Analyse der Library, wie ihr sie vielleicht von Traktor, Serato oder Mixvibes kennt, gibt es bei Djay for iOS jedoch nicht. Jeder Titel ist demzufolge einmalig zu laden. Die ausgewerteten Daten speichert Djay intern und sie stehen dann beim erneuten Laden des Musikstückes zur Verfügung. Cue-Punkte und BPM-Angaben können zudem über iCloud ausgetauscht werden. Auch der Austausch von Playlisten mit Titeln, die nicht im iTunes-Store erworben wurden, ist über sämtliche Systeme möglich, wofür jedoch ein iTunes Match Account mit rund 25 Euro pro Jahr vorhanden sein sowie die Musik in der Cloud liegen muss. Was mich persönlich noch ein wenig stört, ist die Tatsache, dass es am Spin keinen Cue/Mix-Regler für das stufenlose Blenden zwischen Preview- und Master-Signal gibt. Beim iOS-Djay könnt ihr jedoch einen Ausflug in die Preferences machen, wo ihr dann auch einen Cuemix-Schieberegler findet, der ein Hardware-Pendant ersetzen kann.  

Praktischerweise kann das mobile Device als zusätzliche Remote-App zum Vestax-Controller fungieren (für „Djay4Mac“), wobei die bidirektionale Kommunikation mit der Hardware in weiten Teilen gut gelöst ist. Zum Beispiel bei Loops, FX und dergleichen. Dass es zu Wertesprüngen kommt, sobald Fader oder EQs beteiligt sind, sollte nicht verwundern, da ein Pickup-Mode nicht implementiert ist.  

Eine weitere Spezialität, die ich nicht verschweigen möchte, ist Audio-Copy-Paste aus anderen Musik-Apps wie Loopseque, Beatmaker oder Garage Band direkt auf die virtuellen Teller. Leider befindet sich aktuell keines meiner favorisierten iOS-Tools auf der Liste der unterstützten Apps, deshalb scheut der Autor keine Mühe und investiert kurzerhand 3,59 Euro in die Loopseque-Applikation, um den Sachverhalt nachzuprüfen – mit einem Erfolgserlebnis, sofern wiedereinmal die neueste Apple-Software aufgespielt ist, was manches Gerät disqualifiziert. Um es noch mal klar zu sagen. „Djay-für-iOS“ macht auf einem aktuellen iOS6 und auf einer aktuellen Doppelkern-CPU definitiv mehr Spaß, birgt mehr Funktionen und läuft flotter. Klar ist auch: Am iPhone ist alles viel kleiner, ich muss mehr hin- und herschalten und etwas genauer agieren. Eines noch: Schließe ich beide Geräte simultan an den Spin 2 an, also MacBook und iPad, versagt die MIDI-Steuerung der Mac-Version den Dienst und die Audioausgabe wird auf die interne Soundcard des Notebooks umgeleitet. Das Dock hat den Vortritt. Die Spannungsversorgung kann entweder über das Netzteil oder den USB-Port erfolgen. Ist ein Stecker angeschlossen, wird das iDevice praktischerweise aufgeladen.

VJAY for iOS

Seit Kurzem hat Algoriddim ein neues Eisen im Feuer und zwar VJAY, ein Programm, um Videoinhalte aus der iPad/iPhone-Bibliothek zu mixen, mit Echtzeiteffekten und Überblendungen zu versehen, zu loopen und zu scratchen. Die Software unterstützt die Audioformate MP3, AAC, WAV und AIFF sowie die Videoformate H.264 und MPEG-4 bis 1080p/30fps in den Dateiformaten mp4, m4v und mov. Sie verfügt über eine Recording-Funktion und ist in der Lage, Videomaterial mit der integrierten Kamera aufzuzeichnen oder gar den kompletten Video-Mix für die Ewigkeit festzuhalten, wonach sich dieser dann an Freunde versenden lässt. Facebook und YouTube Einbindung inklusive. Clips können zudem mit eigener Musik untermalt oder direkt aus dem iTunes-Store geordert werden. Gemixt wird ganz klassisch mit Pitch-Controls, Equalizern und Crossfader. Automatische Beat- und Tempoermittlung, Autogain und BPM-Sync gehören ebenso zum Repertoire der App, wie eine Auswahl an Blend-FX und audiovisuellen Effekten. Obendrein unterstützt das Programm AirPlay, kann über AppleTV auf ein Fernsehgerät streamen oder das Signal über einen HDMI-, VGA- oder Composite-Adapter (alle um 25 Euro) ausgeben. VJAY for iPad (ab Gen2) kostet aktuell 8,99 Euro, fürs iPhone ab 4S sind 2,69 Euro fällig. Wir sind gespannt, ob dieses Beispiel Schule macht und werden in Kürze ein App-Review nachreichen.

The Wizard of (i-)OS

Man muss kein Nostradamus sein um erkennen, dass die Vestax-Konsole eher im Hobbysektor einschlagen wird als im professionellen Umfeld. Und das liegt meiner Meinung nach gar nicht mal so sehr an der Tatsache, dass sie sich primär der Steuerung von Djay und seinen iOS-Pendants annimmt. Denn grundsätzlich ließen sich ja auch andere Computerprogramme und Apps über das MIDI-Protokoll dirigieren. Vielmehr sprechen das zugegebenermaßen einsteigerfreundliche, aber schnell an seine befehlsübermittelnden Grenzen stoßende Layout, das viele Plastik und die Schnittstellenarmut gegen einen Einsatz im (semi-)professionellen Rahmen. Ich hätte hier lieber etwas mehr „good old Vestax Style“ gesehen. So im Sinne eines VCI-300. Klar, nicht viele Leute sind vielleicht bereit, für einen iOS-Controller fünfhundert Euro und mehr auszugeben. Dennoch gibt es einen Markt für Top-Range Smartphone-DJ-Produkte, wie der XDJ-Aero unschwer erkennen lässt. Ansonsten stört mich persönlich, obgleich ich Mac-User bin, der iTunes-Kosmos, der sich in Verwendung mit Djay aufbaut, indem grundsätzlich dieses Programm zur Verwaltung der Musikalien genutzt werden muss – was wohl auch an der iCloud-Integration liegt. Anyway: Der Spin macht Spaß und ist im Vergleich zur Erstausgabe ein mehr als würdiger und in vielen Bereichen verbesserter Nachfolger. Das muss auch mal gesagt werden.

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