Test
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18.07.2020

Praxis

Bevor der Test beginnt, schaue ich mir zunächst die vorhandenen Programme im Auto- und Sound-Mode an. Hier bekommt ich schon mal einen guten Eindruck, was das Gerät aus Herstellersicht so kann. Die Programme im Standalone-Betrieb für Auto und Sound sind durchaus brauchbar, sofern man keine DMX-Steuerung besitzt. Allerdings fällt hier schon auf, dass bei sehr langsamen Tilt-Bewegungen, sprich in den unteren 10 %, ein Ruckeln auftritt. Das ist der geringen Motorrasterung geschuldet und zählt eher zu den extremeren Einstellungen. Die Kanalbelegung des Varytec Hero Spot 90 ist wie folgt:

6-Kanal-Modus

Pan, Tilt, Farbrad, Dimmer, Strobo/Shutter, Programmierte Automatische Show 1-6, Musiksteuerung Farbgobo, Pan_Tilt Automatikprogramme 1-9 Musiksteuerung Pan und Tilt

16-Kanal-Modus

Pan, Pan fine, Tilt, Tilt fine, Pan-Tilt Geschwindigkeit, Intensität Dimmer, Shutter, Farbrad, Gobo 1, Gobo 2, Gobo2 Drehrichtung, Fokus, Prisma, Vorprogrammierte Automatikprogramme 1-6, Pan-Tilt Automatikprogramm 1-9, Reset

Ich wähle für meinen Test den 16-Kanal-Modus – dieser ist in der Lampe bereits voreingestellt. Das einfarbige OLED-Display ist hell genug und gut lesbar. Die Menüführung erschließt sich intuitiv. Ohne viel Aufheben habe ich meine gewünschten Einstellungen gefunden und die DMX-Adresse angegeben. Nachdem ich diese dann in Chemsys MagicQ eintippe, kann es losgehen.

Alle wichtigen Parameter sind vorhanden und ich kann den Shutter öffnen: Der Hero Spot 90 ist ganz schön hell. Der Spot des Hero Spot 90 ist zudem schön gleichmäßig und es sind keine LED-Stege zu erkennen. Beim Test des Helligkeitsverlaufs beim Dimmer gibt es keine Auffälligkeiten, man kann hier nahtlos von ganz hell zu dunkel überblenden.

Pan und Tilt

Als Nächstes sind Pan und Tilt an der Reihe. Die Bewegungen sind einwandfrei, sanft, direkt und genau. Der Hero Spot 90 arbeitet schnell und präzise. Er erzeugt bei Pan-Moves in maximaler Geschwindigkeit zwar ein hörbares Geräusch von etwa 60 dBA (Peak) 1 m Abstand, das jedoch von lauterer Musik oder anwesendem Publikum übertönt wird. Alle über die MagicQ abgefeuerten Vorgaben, sei es Kreis, Acht oder Stern, meistert der Hero Spot 90 einwandfrei.

Im 16-Kanal-Modus hat der Hero Spot 90 einen Kanal, in dem die Geschwindigkeit für die Bewegungen verändert werden kann. Das ist bei den meisten Pulten mit einstellbaren Geschwindigkeiten für Bewegungen und Effekte unnötig – trotzdem: nice to have.

Dann probiere ich die Farben aus. Sie sind in folgender Reihenfolge im Farbrad angeordnet: offenes Weiß, Weiß/Rot, Rot, Rot/ Orange, Orange, Orange/ Grün, Grün, Grün/ Blau, Blau, Blau/ Gelb, Gelb/ Hellblau, Hellblau, Hellblau/ Violett, Violett Weiß, Regenbogeneffekt.

Die Auswahl ist gelungen, wobei ein zweites Farbrad durchaus angebracht wäre. Die Farben können mit Snap oder Fade gefahren werden. Sehr gut gefällt mir auch, dass die Halbfarben fließend ineinander übergehen. Die Rainbow-Funktion des Farbrads läuft in beide Richtungen und die Maximal-/Minimalgeschwindigkeiten sind vollkommen in Ordnung. Hier sind die Möglichkeiten natürlich durch die Anordnung im Farbrad begrenzt.

Die Größe des Spots ist genau richtig und durch den steuerbaren Fokus kann ich ihn schnell und präzise anpassen. Auffällig ist, dass sich der Fokus von offenem zu geschlossenem Fokus stark verändert und zwar von scharf zu „völlig unscharf“. Bei Effekten ist dieses Problem schwer auszugleichen, aber es fällt nicht wirklich unangenehm auf und ich denke darüber nach, inwiefern es sich als angenehmen Effekt einsetzen lässt.

Die im Fokus-Kanal abrufbaren Blendeneffekte sind vielseitig und zweckmäßig. Beim Shutter verhält es sich ähnlich. Er macht schnell und präzise auf und zu und die vorhandenen FX sind, wenngleich vielleicht nicht revolutionär, vollkommen in Ordnung für den Praxisalltag. Die Gobo-Auswahl finde ich sehr gelungen, denn es sind viele verschiedene Motive vorhanden und da ich die Räder übereinander benutzen kann, eröffnen sich mir noch weitere Möglichkeiten.

Mit dem Fokus bekomme ich alle Gobos einwandfrei scharf. In beiden Kanälen kann ich sie mit Snap oder Fade anwählen. Die Rotation im ersten Rad geht in Ordnung, ist mir aber in der Geschwindigkeit im unteren Bereich zu schnell und im oberen Bereich nicht schnell genug. Dasselbe gilt für das Dreifach-Prisma des Hero Spot 90: Es ist schön klar und zeigt keine Überlappungsschatten, aber die Spanne der Rotationsgeschwindigkeit ist etwas zu klein.

 

Durchweg fällt mir sehr positiv auf, dass alle Effekte, selbst in ihrer maximalen Geschwindigkeit, sehr leise sind – also weder ein Klacken des Shutters noch ein Quietschen der rotierenden Räder oder sonstige Geräusche wahrzunehmen sind. Nach etwa vier Stunden bin ich mit meinem Test durch. Als ich die Lampe vom Strom trenne, nehme ich erfreut zur Kenntnis, dass weder Basis noch Kopf des Moving Head wirklich heiß sind. Die Lüfter arbeiten souverän. Wie sich die verbaute Technik langfristig verhält, kann ich im Rahmen dieses Tests nicht beantworten. Die Frage, die ich aber beantworten kann ist, ob der Hero Spot 90 von Varytec ein vollwertiger und konkurrenzfähiger LED Moving Head ist: Die Antwort muss lauten: „Ja“, denn für diesen Preis bringt er ordentliche Leistung mit sinnvollen Effekten.

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