Software
Test
10
15.08.2019

Praxis

Neuer Look – verbesserte Optik

Während die erste Version optisch noch fest in der Hand von Dunkelgrau und Blau war, kommt Version 2 nun heller daher und wirkt dadurch insgesamt schlanker und übersichtlicher. Besonders die Trennung von Oszillator, Sub und Filter, die in dunklerem Grau gehalten sind, und Amp, Modulation und LFO, die dagegen in Hellgrau auftreten, trägt zu einer wesentlich besseren Übersicht bei. Die verschiedenen Elemente des GUIs sind so optisch besser gegeneinander abgesetzt und damit schneller anzusteuern.

Die Wabe beheimatet nun mehr Funktionen und wurde farblich verändert, sie erscheint jetzt in Dunkelgrau. Außerdem werden dort zum Beispiel verschiedene Effekte und ihre Parameter in weiteren Farben dargestellt, was wiederum zur optischen Abgrenzung und Orientierung beträgt. Auch die Wavetables werden für mehr Übersicht dort zusätzlich zum entsprechenden Display vergrößert angezeigt.

Noch mehr Sounds

Hive 2 wurde um 378 neue Presets aufgestockt und bietet jetzt mehr als 2300 vorgefertigte Sounds von namhaften Sounddesignern wie Aiyn Zahev, Bjulin, Howard Scarr, Plughugger oder SoundsDivine. Die Presets verfügen nun außerdem über NKS-Kompatibilität. 

Zwei wertvolle Features des Preset-Browsers seien hier noch zusätzlich erwähnt. Zum einen können alle Effekte eines Presets per Knopfdruck deaktiviert werden, somit lässt sich bei einem vollen Track leichter beurteilen, ob das Preset klanglich zum Rest passt, falls zum Beispiel das im Preset verwendete Delay ein ganz anderes Timing haben sollte. Und unter Preset Info erhält man zusätzliche Informationen zum Sound wie zum Beispiel Kategorie, Features oder Charakter. So erkennt man auf einen Blick, um welche Art von Sound es sich handelt und ob er zur eigenen Suche passt. Unter Usage wird ebenfalls angezeigt, welche Parameter welche Modulation hervorrufen.

 

Modulation 2.0

Eine offensichtliche, da leicht am GUI abzulesende Veränderung bei Hive 2 sind die neu hinzugekommenen Modulationsquellen, die zur LFO- und Amp-Sektion gehören. Die Idee dazu stammt von Klangexperimenten mit modularen Synthesizern. 

Neu sind zwei Function-Generatoren, jeweils einer für jeden Oszillator. Diese Generatoren erzeugen ein Signal um einen Parameter zu kontrollieren, bzw. sie verändern und transformieren ein anderes Modulationssignal. Durch die vielen zur Verfügung Optionen sind die Function-Generatoren allerdings wesentlich vielseitiger als übliche Modulationsquellen. So lassen sich beispielsweise verschiedene Phasen oder Teile des Signals (Env, Rise, Still, Fall und Move) wählen. Darüber hinaus gibt es 28 verschiedene Input-Quellen (unterschiedlichste Parameter aus allen Sektionen des Plugins wie Amp, LFO, Velocity …) und sechs Modi (Envelope, One Shot, Cycle Trig, Cycle OnOff, Follow, Follow Gate). 

Input bestimmt, wann ein Trigger auftritt oder was den Trigger auslöst. Wählt man dort zum Beispiel Alternate, dient eine gespielte Note als Trigger, die nächste dann aber nicht, usw. Wählt man Random, entscheidet der Zufall darüber, ob die gespielte Note einen Trigger darstellt oder nicht. Mode bestimmt, wie der Trigger interpretiert wird. Spätestens die Kombination von herkömmlicher Modulation mit den Function-Generatoren eröffnet dann unendliche Möglichkeiten der Modulation eines Sounds.

Shape-Shifter

Was nach Science-Fiction klingt, ist in Hive 2 nun möglich, und zwar über den Shape-Sequencer. Es stehen vier Shape-Generatoren zur Verfügung, die wieder Signale generieren, mit denen verschiedenste Parameter kontrolliert werden können. So kann ein Shape-Generator zum Beispiel den Filter-Cutoff kontrollieren und ein anderer einen anderen Parameter. Die Werte des Shape-Signals werden im jeweiligen Display eingetragen. 

Die Form selbst kann über den Shape-Sequencer ebenfalls verändert werden. Ein Shape-Zyklus besteht aus maximal acht verschiedenen Shapes oder Slots, diese findet man am oberen Rand des Shape-Sequencer-Displays. Durch einen Klick aktiviert erscheint das ausgewählte Shape-Segment in der Wabe vergrößert. Dort gibt es verschiedene Formen und man kann diese mit der Maus auch noch verändern. Mit der linken Maustaste lässt sich eine Form einzeichnen und über das Mausrad können sogar noch weitere Signale oder Wellen innerhalb des Shape-Slots eingezeichnet werden.  

Alle vier Shape-Generatoren werden dann im Step-Sequencer arrangiert. Ihre Aktivität kann also wie bei einem Drum-Sequencer eingezeichnet werden. Wählt man zum Beispiel nur zwei Slots für Shape A aus, wird dieser Shape-Zyklus bereits wiederholt, wenn diese beiden Slots durchlaufen wurden. Shape B kann dann im Gegensatz dazu aus fünf Slots bestehen. Somit sind Modulationen möglich, die völlig unterschiedlichen Zyklen unterliegen und somit viel Abwechslung in einen Sound bringen können. Es ist sogar möglich, Steps auszulassen, diese kommen dann im Zyklus überhaupt nicht vor. Dadurch können Poly-Rhythmen und komplexeste Sounds mit unterschiedlichster Bewegung kreiert werden.

Modulationen per Drag-and-Drop

Das Erstellen von Modulationen ist nun auch in Hive 2 kinderleicht. Die Quelle wird einfach per Drag-and-Drop direkt auf den Ziel-Parameter gezogen. Serum und Co. haben es vorgemacht, inzwischen ist das Industriestandard und erleichtert den Workflow ungemein. Der Wert der Modulation erscheint am Ziel-Parameter als orangener Punkt und kann auch direkt dort via Maus eingestellt werden. In Hive 2 wird zusätzlich zum Drag-and-Drop-Prozess ein Eintrag in der Modulationsmatrix erstellt, das spart zusätzlich Zeit, wenn Modulationen automatisiert werden sollen.

Scope

Neu hinzugekommen und in der Wabe beheimatet ist das Scope. Es handelt sich um eine spezielle Art der Anzeige. Im Urzustand zeigt sie die Wellenform des gespielten Sounds an, unter der Anzeige lassen sich dann bis zu vier verschiedene Modulationsquellen von Scope darstellen, zum Beispiel Hüllkurven- und Modulationsparameter, Bewegungen des Mod-Wheels und jegliche Modulationsquellen. So bekommt man eine grafische Repräsentanz zu den Veränderungen der Amp-Hüllkurve oder der Function- und Shape-Module. Interessanterweise funktioniert auch hier die Drag-and-Drop-Option. Ein Parameter kann also einfach auf die Anzeige gezogen werden und wird dann dort dargestellt.

Tonleiterbasierte Quantisierung

Hive 2 bietet die Möglichkeit, ausschließlich bestimmte Tonleitern zu verwenden. Die erste Oktave des Onscreen-Keyboards ist dazu mit kleinen weißen Kreisen versehen. Die erwünschten Noten können einfach mit der Maus festgelegt werden, alle anderen Töne werden dadurch ignoriert bzw. in Richtung der festgelegten Töne korrigiert. Das ist zum Beispiel bei Arpeggiator-Sounds hilfreich. 

Außerdem wurde ein zusätzliches Modulationsziel namens Scale Transpose kreiert. Damit kann die Tonhöhe eines Oszillators mit eben den auf dem Keyboard festgelegten Tönen moduliert werden. Wird die Tiefe dieser Modulation zum Beispiel auf das Modulationsrad gelegt, steuert man darüber also die zur Verfügung stehenden Töne während einer Performance. Damit ist algorithmische Komposition mit Hive 2 möglich.

Sound

In Hive 2 sind aufgrund der neuen Modulationsmöglichkeiten natürlich besonders die komplexen Sounds interessant. Und davon gibt es in den fast 400 neuen Presets jede Menge. Deshalb berücksichtige ich nur diese neuen Sounds. 

Das erste Beispiel zeigt, wie komplex man mit den Function-Generatoren modulieren kann, in diesem Fall sogar noch ganz ohne den Shape-Sequencer. Beispiel zwei moduliert dann tonal, dieses Mal hilft der Shape-Sequencer mit. Es entsteht ein Riser, der endlos wieder von vorne beginnt und bei dem ich auch das vorbelegte Modulationsrad nutze, um dem Sound noch mehr Lebendigkeit zu geben. Beispiele drei und vier liefern Grooves, die wir garantiert bald in dem ein oder anderen Soundtrack einer Krimiserie hören werden. In beiden Fällen nutze ich auch wieder das Modulationsrad. Die Krönung der Modulationskunst stellt allerdings das vierte Beispiel dar. Wir hören einen tonalen Loop, der sich einfach nicht wiederholt, egal wie lange man ihn spielt. Um das zu demonstrieren ist das Beispiel auch ein bisschen länger geworden. Hier zeigt der Algorithmus also, was er kann.

Aber natürlich gibt es bei Hive 2 auch „normale“ Synth-Sounds, die wirklich gut klingen. Hier noch drei Beispiele: Zuerst hören wir ein scheinbar ganz ordinäres Synth-String-Pad, das ab und zu ein paar sehr interessante granulare Artefakte preisgibt. Der Sound erinnert ein bisschen an Olafur Arnalds und seine beiden Echo-Pianos. Und auch dieses Beispiel profitiert erheblich vom Modulationsrad. Genau wie das nächste, ein Bass-Arp-Sound, der dadurch zunehmend verzerrt und so immer besser klingt. Das letzte Beispiel fängt als Lead-Sound an, der wiederum mit Hilfe des Modulationsrads plötzlich und unvorhersehbar zu grooven beginnt.

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