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26.06.2016

TSC Tracktion 7 Test

DAW Software

Alle Jahre wieder

Kaum ein Entwickler schraubt so eifrig an Updates wie TSC. Nachdem wir vor einem Jahr ausführlich über Version 6 berichtet haben, landet mit Version Nummer 7 das nächste Major-Release der Low-Cost-DAW auf dem Schreibtisch. Angesichts der kurzen Zeit scheint die Liste an aufregenden Neuerungen ambitioniert. Ob es TSC gelungen ist, den Grundsatz „Gut Ding will Weile haben‟ zu umgehen? In unserem Test finden wir es heraus!

Details

Mit großen Schritten in Richtung Ziel

Nachdem bei den letzten Updates vor allem kleinere Workflow-Änderungen im Vordergrund standen, liefert Version 7 einen radikaleren Ansatz. Dies liegt vorrangig an der neu gestalteten, modern wirkenden Bedienoberfläche namens „Blue Steel UI‟, die endlich auch mit etablierten DAWs mithalten kann. 

Hilfen für kleine Bildschirme

Um besonders auf kleinen Bildschirmen mehr Platz zu schaffen, können die Effekt- und Browser-Leisten auf beiden Seiten des Editors ausgeblendet werden. Das funktionierte zwar auch vorher schon, jedoch kann man in Tracktion 7 diese durch Mausnavigation an den linken bzw. rechten Bildschirmrand temporär wieder einblenden. Dieses Prinzip kennen Windows-Nutzer durch das Metro-UI von Windows 8 bzw. 10. Bei Bedarf kann der Dateibrowser ferner an den oberen Bildschirmrand verschoben und angeheftet werden. Das schafft nicht nur mehr Platz zum Editieren, sondern erlaubt auch das gleichzeitige Öffnen mehrerer Browser-Instanzen, indem diese nebeneinander positioniert werden.

Die sperrige Kontrollleiste am unteren Bildschirmrand lässt sich via Button zu einer kompakteren Darstellung reduzieren, wobei der Funktionsumfang gleich bleibt. Die großflächigen Schaltflächen werden einfach als Icons angezeigt. 

Neues Feature: Clip-Layer-Effekte

Mit den Clip-Layer-Effekten bietet Tracktion 7 erstmals ein eigenständiges Feature, das so bei anderen DAWs nicht bekannt ist. Die Funktion gestattet es, Audioclips auf verschiedene Ebenen (Layer) zu duplizieren, um diese dann mit unterschiedlichen Effekten zu belegen. Auf die einzelnen Layer können nun externe VST- bzw. AU-Plug-ins, aber auch die Tracktion-eigenen Effekte angewendet werden. Hierzu zählen neben den in Version 6 bereits vorgestellten Warping-Tools auch ein Pitchshifter sowie Fades, Lautstärkeanpassungen und ein Tape-Stop-Effekt. Somit stellt jeder Layer eine eigenständige Effektspur dar und kann separat mit Automationen oder Effektanpassungen versehen werden. Der Vorteil liegt hierbei vor allem in der besseren Übersichtlichkeit, sofern mehrere Clips pro Spur mit verschiedenen Effekten belegt werden sollen. Dies wäre sonst nur mit erheblichem Automationsaufwand möglich, was mitunter schnell undurchsichtig wird.

Hervorzuheben ist der Step-Volume-Effekt. Er teilt den Clip zunächst in ein editierbares Raster auf. Anschließend lässt sich für jede Rasterzelle der Pegel verändern, wodurch z. B. kreative Stutter-Effekte möglich werden. Abgesehen von den Clip-basierten Effekten bietet Tracktion 7 jedoch keinerlei Neuheiten im Plug-in-Bereich. Hier steht nach wie vor nur das Nötigste zur Verfügung.

Neue Automationsfeatures

Bei der auch vorher bereits sehr umfangreichen Automation sind die Automation Patterns hinzugekommen. Dabei handelt es sich um vorgefertigte Automationskurven, die per Knopfdruck auf den ausgewählten Clipbereich gelegt werden können. Dazu stehen neben linearen Fades auch Sinus-, Rechteck- und Dreiecksschwingungen zur Verfügung, die sich sogar auf das Tempo synchronisieren lassen. Die Presets dienen auch als Ausgangspunkt für individuelle Automationskurven.

LFOs überall

Abgerundet wird das Update durch die sogenannten LFO Modifier. Wie bei einer herkömmlichen Automation lassen sich die Parameter eines Klangerzeugers oder eines Effekts mit einem LFO versehen. Neben der takt- oder zeitbasierter Synchronisation lässt sich dabei auch Intensität, Phase und Offset stufenlos regeln. Als Wellenform steht Sinus, Dreieck und Rechteck sowie aufsteigender und abfallender Sägezahn zur Verfügung.

Kleine Verbesserungen

Auch die kleineren Verbesserungen sollen nicht verschweigen werden. So bietet die Software eine visuelle Plug-in-Selektion, für die ein Screenshot des jeweiligen Tools angezeigt wird. Weiterhin wird die Loop-Wiedergabe synchronisiert, wenn mehrere Browser geöffnet sind. Dadurch lassen sich sogar komplette Multitrack-Arrangements temposynchron vorhören. Die ausgewählten Loops können dann wie gewohnt per Drag and Drop in den Sequenzer gezogen werden, wobei sie Tracktion automatisch auf mehrere Tracks verteilt. 

Eine gute Nachricht gibt es schließlich für Linux-User: Neben Ubuntu-Systemen unterstützt Tracktion 7 auch Debian-Distributionen.

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