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Test
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09.06.2017

Tracktion Waveform Test

DAW Software

Willkommen in der Gegenwart!

Statt Tracktion 8 heißt es ab jetzt Waveform 1 – das Entwicklerteam rund um Mastermind Julian Storer beweist mit seiner „neuen“ DAW, dass es manchmal gut ist, mit alten Traditionen zu brechen. Ob die Reinkarnation in Sachen Vielseitigkeit und Funktionsumfang nun endlich die Lücke zu renommierten DAW-Lösungen schließen kann? Wir haben Tracktion Waveform getestet!

Details

Evolution statt Revolution

Trotz des neuen Namens handelt es sich bei Waveform keineswegs um eine Neuentwicklung, da der grundlegende Funktionsumfang und die Bedienung direkt von Tracktion 7 übernommen wurden. Schlimm ist das aber keineswegs, denn bereits dem Vorgänger wurden eine moderne Oberfläche sowie verbesserte Edit- und Workflowfunktionen spendiert. Trotz zahlreicher Gemeinsamkeiten gibt es natürlich auch eine Menge an Neuerungen.

Wenn man als Musiker keine theoretische Ausbildung genossen hat, kann die Komposition vielschichtiger Melodien und Akkorde mitunter recht kompliziert sein. Um in dieser Hinsicht Unterstützung anzubieten, liefert Waveform eine Reihe von innovativen Funktionen. So lassen sich mit Hilfe des „Pattern Generator“ ganz einfach Arpeggios, Akkord-Progressionen, Basslines oder auch beliebige Melodien erzeugen. Neben zahlreichen Parametern wie Tonart, Skale und Notenlänge bietet diese Funktion auch intelligente Vorschläge für die Akkordfolge und natürlich eine Auswahl vorgefertigter Presets. Die daraus resultierenden Clips können dann als Referenz für weitere Parts gelten, sodass alle Bestandteile eines Songs harmonisch zusammenpassen. Auch der MIDI-Editor wurde in Waveform entsprechend erweitert, sodass Änderungen an den erzeugten Sequenzen einfach umsetzbar sind.

Workflow und Bedienung

In Sachen Workflowverbesserung dürfte die Integration eines vollwertigen digitalen Mixers die wohl wichtigste Neuerung in Waveform darstellen. Dieser bietet prinzipiell alle Annehmlichkeiten, die bei der täglichen Studioarbeit notwendig sind, wie Plug-in-Slots, Subgruppen, Sends und natürlich Level und Pan. Im Gegensatz zu anderen DAWs behandelt Waveform selbst simple Mixerfunktionen als Plug-ins (Pan, Level, Send etc.). Das ist zwar ein wenig ungewohnt, liefert aber auch einen größeren technischen Spielraum. So ist es beispielsweise möglich, die Levelanzeige von Peak auf RMS pro Kanal umzustellen oder die getroffenen Einstellungen ganz simpel per Drag & Drop auf einen anderen Track zu übertragen. Standardmäßig ist die Mixeransicht in die Single-View-Oberfläche des User Interfaces integriert, kann jedoch auch entkoppelt werden, um das gesamte Fenster auf einen separaten Monitor auszulagern.

Endlich an Bord: ein eigener Sampler

Eines der größten Mankos bisheriger Tracktion Versionen war stets der sehr limitierte Lieferumfang, der weder eigene Effekt-Plug-ins noch eine Sample-Library bot. Das ändert sich nun bei Waveform mit der Integration von „Collection“, einem Software-Synth und gleichzeitigem Sampler. Dieser bietet von Haus etwa 2 GB an genreübergreifenden Sounds, die sich wirklich hören lassen können. Mit an Bord sind ebenfalls ein Arpeggiator, vier Oszillatoren, zahlreiche Modulationsmöglichkeiten sowie interne Effekte und Filter. Leider hat diese Vielseitigkeit auch seinen Preis – hier vor allem in Sachen Performance. Mein neues MacBook Pro 13“ und Ableton Live schafften nur vier Instanzen gleichzeitig, bevor die CPU nicht mehr wollte.

Auch in Sachen Effekt-Plug-ins wurde ordentlich nachgelegt. So bietet Tracktion mit der „DAW Essentials Collection“ eine üppig ausgestattete Sammlung der wichtigsten Klangwerkzeuge an. Ebenfalls neu im Programm ist der futuristische Software-Synth „Waverazor“, der optional im Tracktion Marketplace erhältlich ist. Bereits ab der Basisversion von Waveform wird kostenfrei eine Lizenz für Melodyne Essentials mitgeliefert, welches direkt aus einem Audioclip heraus gestartet werden kann und somit einen recht fähigen Audio-Editor darstellt.

Vom Apfel bis zur Himbeere

Die Tracktion Software kann seit jeher sowohl auf Windows und Mac-Systemen als auch unter Linux verwendet werden. Waveform geht sogar noch einen Schritt weiter und unterstützt ab sofort sogar den Mini-Computer Raspberry Pi. An sich natürlich eine feine Sache, jedoch dürfte der Support in Sachen Hardwaretreiber für Audio-Interfaces und Co. spannend werden. Auf PCs läuft die DAW unter Windows 7, 8 und 10 sowie ab Ubuntu 14.04 und auf dem Mac ab macOS Version 10.9.

Günstig, aber kein Schnäppchen

Alle bisherigen Versionen von Tracktion zeichneten sich stets durch einen sehr geringen Anschaffungspreis von gerade einmal 60 Euro aus. Das neue Waveform schlägt in der Basisversion nun mit 99 Dollar (Upgradeversion 50 Dollar) zu Buche, liefert dafür aber auch den Synth/Sampler „Collection“ und eine Lizenz für Melodyne Essentials (Einzelpreis hierfür allein schon 99 Euro). Wer lieber im Bundle kauft, kann sich für das Waveform+ Paket inklusive DAW Essentials Collection, MasterMix Suite sowie einem einfachen integrierten FM-Synth entscheiden, welches für 150 Dollar (Upgradeversion 99 Dollar) erhältlich ist. Wer zusätzlich den Biotek Synth Synth mit an Bord haben möchte, entscheidet sich für das Ultimate Pack für 200 Dollar (Upgradepreis 150 Dollar). Wie bei Bundles üblich, gilt natürlich auch hier, dass mit dem teuersten Paket natürlich auch am meisten gespart werden kann.

Fazit

Mit Tracktion Waveform ist den Entwicklern ein deutlicher Schritt nach vorn gelungen. Durch die Integration eines vollwertigen Mixers sowie einem mitgelieferten Grundstock an Effekten und Synths in den Bundle-Angeboten kann man die Software nun endlich als vollwertiges Mitglied der DAW-Familie willkommen heißen. Einen kleinen Dämpfer liefert dabei lediglich die zurzeit noch verbesserungswürdige Performance von Collection. Abgerundet wird alles durch die sehr nützlichen Kompositionswerkzeuge, welche sowohl Anfängern als auch Profis das Leben erleichtern werden. Betrachtet man weiterhin die sehr guten Paketpreise, lohnt sich der Kauf nicht nur für bereits überzeugte Tracktion-Nutzer.

  • Pro
  • hochwertige Sample-Library
  • innovative Kompositionsunterstützung
  • vollwertiges Mischpult mit flexiblem Routing
  • Melodyne Essentials Lizenz im Lieferumfang
  • sehr günstiger Preis und gute Bundle-Angebote
  • Contra
  • Effekt Plug-ins müssen separat erworben werden
  • Performance des Collection Synth/Samplers ausbaufähig
  • Features
  • Unterstützung für macOS 10.9, Windows 7, Ubuntu 14.04 oder neuer
  • Unlimitiered Audio- und MIDI-Spuren
  • Professioneller Timestrect-Algorithmus
  • Integrierter Marketplace
  • inkl. Melodyne Essential (Pitch), Collective Sampler/Synthesizer, Master Mix DSP
  • Modulare Mix-Umgebung
  • Pattern Generator für Melodien und Chords
  • Preis
  • USD 99,-

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