Hersteller_Toontrack Software
Test
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04.11.2015

Praxis

Grundklang und Instrumente

Die Indiependent SDX bietet fünf komplette Drumsets, die in musikgeschichtlichem Sinne sozusagen aus einem Land vor unserer Zeit stammen. Die Kits von den Herstellern Gretsch, Slingerland, WFL, Ludwig und Sonor wurden alle im Zeitraum zwischen den 1940er und 1960er Jahren gefertigt und sind größtenteils deutlich bedämpft, was einen recht trockenen und weniger höhenreichen Grundklang erzeugt – typisch vintage eben. Dazu kommen zwei Hihats und drei komplette Beckensets. Wie im folgenden Screenshot zu erkennen, ist in Bezug auf die Größe der einzelnen Drumsets echter Minimalismus angesagt. Für die meisten musikalischen Anwendungen sollte das klassische Four-Piece-Kit mit zwei Crashes und zusätzlichem Tamburin aber völlig ausreichen.

 

Das Default-Kit der Library ist ein Gretsch Round Badge von 1961. Die Trommeln wurden beim Recording mit T-Shirts bedämpft, was natürlich eine drastische Wirkung auf Sustain und Obertonspektrum hat. In Kombination mit der recht tiefen Stimmung von Kick und Toms wird das Set damit zum knackigsten und rockigsten Vertreter der Library. Im zweiten Audio-Beispiel ist eine alternative Bassdrum ohne Resonanzfell zu hören. Zudem wurde das Gretsch als einziges Set der Library auch mit Mallets gesampelt – schade, dass es in der Sammlung der MIDI-Grooves keine gekennzeichneten Versionen für diese doch etwas speziellere Variante gibt. Ein echter Drummer spielt mit Mallets bekanntlich anders als mit Sticks.

Das 1940er Slingerland Rolling Bomber macht seinem Namen mit seiner gigantischen 28“ Bassdrum alle Ehre. Das Set klingt nicht nur uralt, sondern sieht auch ganz offensichtlich so aus. Zudem handelt es sich um das bisher einzige nicht-vegane Drumset, das jemals von Toontrack in einer SDX-Library angeboten wurde – was dem Umstand zu verdanken ist, dass die Trommeln mit echten Kalbslederfellen bespannt wurden.

Das Ergebnis ist ähnlich wie beim Gretsch ein bedämpfter Klang, der allerdings noch ein ganzes Stück weit antiker und weniger knackig wirkt. Vor allem die zugehörige Snare ist ein echter Exot, da sie offenbar bewusst nicht so gestimmt wurde, dass ein möglichst druckvoller Sound entsteht. Das Kit ist folglich weit davon entfernt, in jedem Arrangement eine gute Figur zu machen. Solche Charaktersounds sind im Bereich von oftmals über-perfekten und bis zum Hochglanz polierten Drum-Libraries aber sehr zu begrüßen. Es lebt!

Die Drumsets von WFL und Ludwig sind sich klanglich recht nah, was aber sicher nicht nur damit zusammenhängt, dass WFL Drums der Vorgänger der Ludwig Drum Company war und die Instrumente sozusagen aus dem gleichen Hause stammen. Auch im etwas höheren und offeneren Tuning gibt es Parallelen. Das WFL wirkt im direkten Vergleich noch etwas kräftiger und rockiger als das Ludwig, das im dritten Audio-Beispiel wiederum mit einer alternativen Snare zu hören ist.

Das Set von Sonor klingt insgesamt am leichtesten und lässt sich fast schon als jazzig bezeichnen. Die beiden Toms sind höher gestimmt und haben einen sehr schön singenden Ausklang. In diesem Fall scheint im Vergleich zu den anderen Kits also am wenigsten abgedämpft worden zu sein. Das Tamburin ist in den Beispielen ebenfalls zu hören, und in Track zwei wird das Kit mit einer kleineren Bassdrum und einer Brady Snare kombiniert. 

Als Anwender des Superior Drummer weiß man, dass Kombinationen der Trommeln und Becken untereinander problemlos möglich sind. Als kleine Zugabe bietet Toontrack in dieser Library aber sogar ein sechstes Drumset an, das aus Komponenten der anderen Kits zusammengestellt wurde und den Namen Thunder Kit trägt. Dieser rührt vermutlich vor allem daher, dass als Standtom eine als Extra-Instrument vorhandene Bassdrum verwendet wird, von der im Audio-Beispiel reger Gebrauch gemacht wird.

In Bezug auf die Anzahl der verfügbaren Artikulationen hat sich im Vergleich zur Core-Library nicht viel geändert, und für die Spielweisen von Hihats und Snare bleibt im Grunde alles beim Alten. Ähnlich wie in manch anderer SDX kann man die Toms auf dem Spannreifen anspielen, und nur die Möglichkeit, den Hihats ein Tamburin aufzupflanzen, das beim Pedal-Sound mitklingt, ist neu. Im Prinzip ließe sich dies natürlich auch durch Layering von Hand umsetzen, interessant ist das Feature aber allemal, da es sich hier um eine echte Aufnahme handelt. 

Mixer-Channels und Presets

Der Klang der Indiependent SDX läuft durch insgesamt 16 Mixer-Channels, die wie gehabt frei gemischt werden können und alle Übersprecher in regelbarer Form beinhalten. Unter den Direktkanälen bietet vor allem die vierfach mikrofonierte Bassdrum sehr viel Spielraum, das Fundament der eigenen Mixes ohne viel Schrauberei an EQs anzupassen. Besonders schön ist der Punkt, dass es neben den normalen Overheads (Neumann U87) auch eine alternative Variante mit Coles 4038 Bändchenmikrofonen gibt. Dieses Setup arbeitet meiner Ansicht nach in den meisten Situationen noch besser mit den Direktkanälen zusammen als die Default-Variante, da sie dem etwas dumpfen Charakter der Trommeln einen weicheren Beckenklang mit insgesamt etwas mehr Raumanteil gegenüberstellt. Weiterhin finden sich je zwei unterschiedlich stark vorkomprimierte Mono- und Stereo-Räume und ein Mono-Kit. In letzterem Fall wurde ein einzelnes AKG 414 über der Bassdrum verwendet, um den Gesamtsound der Drumsets einzufangen. Im Video gibt es einen Überblick.

Überblick zu den Mixer-Channels.

Was man mit den vielen Kanälen in Kombination mit der internen Effekt-Suite des Superior Drummer anstellen kann, zeigen die Combined Presets. An dieser Stelle war bei SDX-Libraries oft zu bemängeln, dass die Auswahl recht gering erschien, im Falle der Indiependent SDX gibt es aber immerhin zehn dieser komplexen Voreinstellungen, die wieder einmal sehr lehrreich sein können. Hier eine kleine Auswahl:

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