Test
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16.09.2019

Praxis

Die Qualität der Verarbeitung sowohl der Nylon-Tasche als auch der Sender und Empfänger ist gut. Etwas kurz geraten finde ich das Kabel des Netzadapters, und auch dessen Stecker ist etwas fummelig an den C12 anzubringen. Am besten lasst ihr den Stecker dort eingesteckt und werft den Netzadapter nach Nutzung einfach mit in die Tasche. Die Sende- und Empfangseinheiten rasten klickend in die Ladebuchten ein und müssen nach Ladung gegen etwas Widerstand aus der Ladebucht gezogen werden. Das verhindert auch das wilde Umherfliegen der Einzelteile beim Transport in der C12-Tasche, welche mit Hilfe der eingenähten Schlaufe locker am Handgelenk geführt werden kann.

Die Sende- und Empfangseinheiten lassen sich nach dem Lösen von zwei Schrauben öffnen. Der Boden des Gehäuses wird gegenüber dem Deckel verschoben und schon kommen wir an die Platine, auf der der auswechselbare 630-mAh-Akku dominiert. Eine Antenne kann ich ad hoc nicht ausmachen. Schnell wieder zugeschraubt und weiter im Test.

Wahlmöglichkeiten

Vorne an Transmitter und Receiver befindet sich zentral die Betriebstaste, die beim Sender auch als Mute-Taste dient. Daneben sind die Plus- und Minus-Tasten für die Lautstärke. Beim Sender können wir den Funkkanal wechseln, indem wir mehrere Sekunden die Plus- und Minus-Tasten gleichzeitig betätigen. Der Schlüssel im Display verschwindet, über Plus und Minus können wir den gewünschten Kanal einstellen und mit kurzem Drücken der Betriebstaste die Auswahl bestätigen. Der Sender animiert die aktiven Empfänger, den Kanal automatisch auf die neue Frequenz zu synchronisieren. Sollte die Auswahl beim Empfänger nicht angekommen sein, können wir diesen händisch auf gleiche Weise auf den korrekten Kanal einstellen.

Im Einsatz

Wofür können wir eigentlich ein solches „Führungssystem“ gebrauchen? Einer der Einsätze ist zum Beispiel als Unterstützung für Vorträge bei touristischen Führungen. Dabei sind Museumstrips, archäologische Ausgrabungen, Städteführungen, Sightseeing, aber auch Führungen durch Fabriken, Produktionsstätten im Zentrum. Meist haben wir es mit einer recht lauten Umgebung zu tun, und bei Gruppen von mehr als zwei Personen wird es für den Führenden beschwerlich, seine Information an die Leute zu bringen. In Museen ist man auf Ruhe bedacht und der Vortrag des Guides sollte andere Besucher nicht stören. Verstärkung tut Not, besonders, falls die Kunden schwerhörig sind! Daneben wird mit solchen Systemen gerne Kommandofähigkeit trainiert und so kommen wir auch zu unserem Einsatzgebiet an der Bühne. Beispielsweise um auf weitläufigen Festivalgeländen und großen Konzertgebäuden den Kontakt zu seiner Security zu halten oder beim Aufbau der Bühne den Stagehands Anweisungen entspannt zukommen zu lassen.

Sound

Der Sound des Systems kommt mit seinem begrenzten Frequenzspektrum und der Audioauflösung von 8 kHz Samplingrate bei 16 Bit einer analogen Telefonverbindung gleich. Es rauscht etwas in der Leitung und bei sehr lauter Übertragung neigt das System zum Klippen. Es muss sachte eingepegelt werden, wobei das Lavalier-Mikrofon nicht weniger als vier von sieben Balken in der Lautstärke abgesenkt werden kann. Trotzdem ist die Stimme laut und verständlich. Wahlweise kann auch eine vorab aufgenommene Präsentation als Dauerschleife über den Sender geschickt werden. Dazu müssen wir die Minus-Taste ca. drei Sekunden gedrückt halten, dann schaltet der Sender von Mikrofon- auf Line-Betrieb. Per Miniklinke stecken wir dann eine Line-Quelle ein und los geht die automatische Präsentation.

Der Kunde kann einfach einen Receiver an sich nehmen, einschalten und die Begebenheiten dank Anweisung auf eigene Faust erkunden. Bitte beachtet beim Bereitstellen von solchen Audiofiles, dass nur der linke Kanal einer Stereosendung in den Äther geschickt wird. Also am besten alles streng mono summieren, auch wenn wir am Empfänger locker und alternativ einen Stereokopfhörer anschließen können. Dafür kann im Line-Modus über das ganze Lautstärkespektrum verfügt werden.

Reichweite und Batterielaufzeit

Die Reichweite ist von Seite des Herstellers recht pessimistisch gewählt oder berücksichtigt, dass ein Empfang unzuverlässiger wird, je weiter der Sender entfernt ist. Im freien Feld habe ich auch mit 120 Metern Distanz immer noch eine recht gute Verbindung. Wobei die Übertragung bis 100 Metern sehr stabil ist, bis 120 Metern nur hier und da mit sehr kurzen Dropouts belastet ist, und ab 120 Metern haben wir mit längeren Dropouts zu kämpfen. Verdecken wir die Sendestrecke mit unserem Körper, gibt es über 20 Meter Distanz immer wieder mal Schwierigkeiten, innerhalb von 20 Metern ist die Übertragung, auch verdeckt, sehr stabil.

Innerhalb von Gebäuden können im Umkreis von 25 Metern auch massive Wände zwischen Sender und Empfänger stehen, ohne dass die Sendung groß beeinflusst wird. 50 Meter Reichweite sind in geschlossenen Räumen kein Problem. Das System arbeitet mit einer sehr großen Zuverlässigkeit, solange wir nicht einen weiteren Sender auf dem lizenzfreien ISM-Band (863 – 865 MHz) aufbauen wollen. Auch wenn wir die Frequenzen in diesem Band an die extremen Positionen belegen, stören sich beide Sender. Schon bei einer Entfernung von drei Metern sind die Interferenzen so stark, dass beide Funken die Arbeit einstellen.

Zu der Laufleistung der Batterien muss gesagt werden, dass der Sender prinzipiell mehr arbeiten muss, als der Empfänger. Daher sendet der Transmitter mit dem gleichen Akku eben nur 11 Stunden, während der Empfänger 16 Stunden Bereitschaft vorhält. Innerhalb von sechs Stunden sind die Komponenten wieder geladen und eine neue Führung kann starten.

Sicherheit

Sender und Empfänger können bequem mit der Trageschlaufe auch um den Hals getragen werden. Optimalerweise hängt der Sender etwas höher über den Köpfen, falls ein Dauerloop über den Line-Eingang versendet wird. So umgehen wir das Abdecken der Empfänger gegenüber der Sendestrecke mit dem Körper. Bei Stagehands müssen wir beachten, dass diese beim Bühnenbau auch mal alpinistische Disziplinen bestreiten müssen. Unfälle sind dabei möglich und das Letzte, was wir wollen, ist, dass sich der Bühnenbauer an seinem Gerät stranguliert. Zwar ist das Lanyard ein recht stabiles Band, doch ist die Öse an dem Gerät eine dünnwandige Sollbruchstelle, die bei entsprechender Belastung abbricht. Zur Sicherheit wickeln wir die Schlaufe an den Gürtel oder stecken das Gerät gleich in die Hosentasche, wenn wir auf dem Gerüst höher hinauswollen.

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