Test
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02.10.2019

Praxis

Das Setup kommt sehr aufgeräumt daher. Und das Design erinnert stark an das eines großen Mikrofonherstellers aus dem Kreis Hannover. Damit ist bereits optisch ein Vertrauensvorsprung hinsichtlich der Professionalität gegeben.

Sowohl die gut ausbalancierten Sender als auch der Empfänger sind oberflächlich wertig verarbeitet und weisen solide Metallgehäuse auf. Inklusive Batterien wiegt ein Handsender stattliche 425 Gramm bei 265 mm Länge und 65 mm Durchmesser. Das ist schon eine Menge Mikrofon in der Hand, auch wenn das Gewicht nicht jedem zusagen wird.

Schraube ich an den Sendern den Korb ab, blicke ich auf die fest installierte Kapsel. Hier macht sich schon der Preisunterschied zu den bedeutend teureren Geräten der Oberklasse bemerkbar. Verarbeitung und Auswahl des Materials sind unter der Haube schon dem Anschaffungspreis entsprechend günstiger.

Schraube ich dann noch das Batteriefach auseinander, verschwindet die Kapsel beim Herausziehen des Faches in das Gehäuse. Das Batteriefach an sich ist aus Kunststoff und passgenau auf AA-Batterien zugeschnitten. Diese einzulegen geht einfach von der Hand. Verbrauchte Zellen zu entnehmen, bedarf eines Hilfsmittels. Mit Fingernägeln allein ist es hier kaum getan. Andererseits halten die Batterien so auch erdbebenfest im Gehäuse.

Schalte ich die Sender ein, leuchten die Displays auf, die Mikrofone koppeln sich mit dem aktiven Empfänger, sofern die Kanäle schon voreingestellt sind. Ansonsten ist die Kopplungsroutine wie bei den Details beschrieben und zackig von der Hand. So geht einfache und doch professionelle Bedienung. Was ich bedauere, ist, dass trotz Pilotton die Ladung der Batterien nicht mit auf dem Display des Empfängers angezeigt werden. Diese Kontrolle hätte man dem Gerät durchaus noch gönnen können.

Die Displays der Sender liegen ziemlich tief im Gehäuseinneren, was das Ablesen der Werte etwas erschwert. Bedauerlicherweise schalten sich die Displays nie ab. Zwar finden wir die Mikros stets auch auf den dunkelsten Bühnen, doch die Beleuchtung kann sich auch als Störfaktor erweisen. Der Betriebsschalter des Senders generiert ein leichtes Ploppen bei Betätigung, sei es beim Ein-, Aus- oder Stummschalten.

Der Empfänger ist schnell betriebsbereit, die Antennen fix angebracht und das Material haltbar. Bei den Antennen gebt bitte trotzdem Obacht, denn bei der Länge haben wir etliches an Hebelwirkung. Ist die Antenne in Achse ausgeklappt, verhindert eine Verriegelung, dass die Antenne über Gebühr in die falsche Richtung geklappt werden kann. Kommt dann noch etwas Kraft auf die Antennenspitze, laufen wir Gefahr, die Antennenaufnahme zu beschädigen.

Frontal präsentiert sich der Empfänger in seiner vollen Pracht, die Volume-Knöpfe sind mit einem klaren Blau hinterlegt und das Display ist mit den hellblauen Zeichen auf schwarzem Hintergrund sehr gut abzulesen. Die Auswahl der Kanäle und die Synchronisierung laufen kinderleicht. Via Infrarot-Schnittstelle übergeben wir die Kanalwahl an die Sender. Und schon geht’s los!

Klang

Für den Klangtest habe ich eine Gesprächspartnerin eingeladen, um sowohl unterschiedliche Farben der Stimmen als auch die gleichzeitige Nutzung beider Handsender in einer Art Interview darzustellen. Das Intro ist hierbei sowohl direkt via meinem Handsender aus dem symmetrischen Einzelausgang abgegriffen als auch Bestandteil des Gespräches, welches ich am unsymmetrischen Summenausgang aufgenommen habe. Eventuelle Differenzen in der Lautstärke kann ich direkt an dem Empfänger über die beiden Lautstärkeregler ausgleichen.

Der Klopftest ist eigentlich ein Bestandteil des Gespräches, hier ein eigener Unterpunkt. Wir haben mehr oder weniger die Gehäuse abgeklopft und meine Gesprächspartnerin hat mit dem Mikrofon sogar jongliert.

Die nächste Disziplin lautet „über das Mikro drüber sprechen“. Vornehmlich auch von Leuten praktiziert, die zwar Ansprachen halten können, aber dies selten verstärkt tun. Gern wird das Mikrofon dann in Höhe des Brustkorbs gehalten, wobei die Mikrofonkapsel ungefähr eine Handbreit unter dem Kinn positioniert ist. Hier abgebildet als „Managerhaltung“. Den Schluss bildet die Referenzspur mit einem Shure SM58.

Das Mikrofon klingt grundsolide. Dank der Supernierencharakteristik haben wir eine große Betriebssicherheit bezüglich Feedbackschleifen. Die Rauschfahne der digitalen Übertragung hält sich als Komfortrauschen elegant im Hintergrund. Gegenüber dem Shure SM58 wartet das t.bone-Mikrofon mit einem Hauch mehr Präsenz in den Mitten auf. Die beiden Handsender lassen sich sehr gut am Empfänger einpegeln und das unsymmetrische Signal lässt sich als Summenspur bedenkenlos weiterverwenden.

Erwartungsgemäß reagieren die Mikrofone auf Klopfgeräusche, wobei das Umgreifen wie auch leichtes Tappen sich locker versenden. Eine vorsichtige Handhabung ist also von Vorteil. Solltet ihr im Eifer des Gefechtes das Mikro härter anfassen, ist es auch nicht so schlimm, denn die Wiedergabe des Klopfens findet nicht im Bassbereich, sondern in den Mitten statt. Damit lässt sich arbeiten. Etwas schwerer wiegt das Gewicht des Mikrofons, wie meine Gesprächspartnerin anmerkte. Für ungeübte Hände ein ziemliches Pfund.

Bei dem Mikrofon ist eine doppelte Dämpfung für Windgeräusche verbaut, die meine „Pfffts“ elegant abfedern. Die vernehmbaren Windgeräusche resultieren aus der unmittelbaren Besprechung des Mikrofons.

Kritischer ist die Managerhaltung. Der Sound bricht enorm zusammen und zwingt den FOH, den Gain am Kanal voll auszufahren. Bevor wir das Mikrofon an unerfahrene Sprecher geben, sollten wir schnell noch eine eingehende Schulung des Sprechers anberaumen.

Reichweite

Der Hersteller lässt sich nirgendwo zur Reichweite des Systems aus, also auf zum Feldtest mit üblichen Stationen bis 100 Meter. Überraschenderweise schafft das System die 100 Meter locker und dabei ist es gleich, ob nur ein Mikrofon oder beide parallel innerhalb kürzester Distanz zueinander auf Sendung sind.   Einzig ein einziger Blooper meldete sich bei 50 Metern, ausgerechnet bei dem Betrieb von nur einem Mikrofon. Ich nehme dies als die übliche Ausnahme von der rühmlichen Regel.

Der Test unterteilt sich in drei Kategorien. Erstens: Beide Mikrofone werden parallel und direkt nebeneinander besprochen. Zweitens: Serielles Besprechen der Mikrofone, wobei immer in Abstand von einem Meter zwischen den Sendern vorliegt. Drittens: Nur ein Mikrofon wird besprochen und ist solo auf Sendung. Die Distanz erstreckt sich in 25-Meter-Schritten bis auf 100 Meter.

Batteriekapazität

Im Leben eines Tonmenschen kommt es ab und an mal vor, dass essenzielle Dinge im Lager liegen gelassen werden oder man am Einsatzort sparsam auf die blinkend leere Anzeige der Akkuladung schaut. In solchen Situationen können Kioskbesitzer, die Batterien führen, die Könige der Nacht werden. Also habe ich mir realitätsnah bei dem nächsten Supermarkt die jeweilige Eigenmarke an AA-Alkali-Batterien besorgt.

Tatsächlich sind die Sender des the t.bone freeU Twin äußerst genügsame Gesellen und kommen mit den eigentlich schlappen Alkali-Zellen enorm weit. Der Hersteller garantiert eine Spielzeit von etwas mehr als 10 Stunden.

Insgesamt habe ich die Handsender 10 Stunden und 30 Minuten laufen lassen. Die Batterieanzeige war zwar auf zwei von fünf Balken zusammengeschrumpft, doch war immer noch jede Menge Kapazität übrig. Hochgerechnet ergibt dies über 17 Stunden Laufzeit an handelsüblichen Alkali-AA-Batterien. Respekt!

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