Bass Gitarre Hersteller_Tech21
Test
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13.06.2019

Praxis - Bass

Wer sich als Bassist für die Power Engine Deuce Deluxe interessiert, arbeitet vermutlich mit verschiedenen Preamps und sucht eine relativ neutral klingende Amp-Lösung, mit der die unterschiedlichen Sounds bei Live-Gigs oder Proben verstärkt werden können - das ist sicherlich die Hauptanwendung einer sogenannten FRFR-Box mit Endstufe. Der deutsche Vertrieb hat uns erfreulicherweise gleich ein Bass Fly Rig von Tech21 mitgeliefert, sodass wir die Box standesgemäß mit einem Preamp der New Yorker Ampschmiede testen können.

Als erstes wollte ich allerdings wissen, wie die Power Engine Deuce Deluxe komplett ohne Preamp klingt und habe meinen pegelstarken aktiven Fünfsaiter direkt mit der Input-Buchse der Box verbunden. Das Resultat könnt ihr im folgenden Audiobeispiel hören:

Die Abkürzung "FRFR" steht für "full-range, flat-response". Eine FRFR-Box wie die Tech21 Power Engine Deuce Deluxe sollte also einen breiten Frequenzbereich relativ neutral abbilden können. In meinen Ohren klingt die Power Engine Deuce Deluxe allerdings eher wie eine typische Kompaktbox, die einen 12-Zöller an Bord hat: Der tiefere Mittenbereich steht deutlich im Vordergrund und die Höhen werden eher dezent wiedergegeben. Alles in allem finde ich den Sound aber für den Einsatz mit dem Bass dennoch sehr angenehm - mein Instrument klingt bereits ohne Preamp voll und rund.

Mit dem vorgeschalteten Tech21 Bass-Fly-Rig kommt dann fraglos deutlich mehr Charakter ins Spiel, obwohl ich den Preamp nur für leichte EQ-Anpassungen (Bass-Boost, Mid-Cut, Treble-Boost) verwendet habe:

Mittenbetonte Sounds setzt die Tech21 Power Engine Deuce Deluxe absolut überzeugend um. Der Fingerstyle-Sound mit angehobenen Hochmitten und abgesenkten Höhen besitzt Punch und Durchsetzungskraft ohne Ende.

Für moderne Slapsounds sind mittenbetonte 12er-Boxen ja gemeinhin nicht unbedingt die ideale Lösung, mithilfe des Equalizer liefert mein Testkandidat aber auch in dieser Disziplin überzeugende Ergebnisse. Für den Slapsound habe ich mit dem EQ der Box die Mitten abgesenkt und die Bässe mit dem Bass Fly Rig etwas geboostet.

Für die Mittenabstimmung des Sounds leistet der Onboard-EQ der Power Engine Deuce Deluxe in der Tat gute Dienste. Mit einer leichten Absenkung klingt die Tech21 Power Engine Deuce Deluxe etwas neutraler und ich konnte topfige Resonanzen in ungünstigen Räumen mit dem Mittenregler oftmals erfolgreich ausfiltern. Auch die anderen beiden Bänder (Bässe und Höhen) eignen sich für dezente Anpassungen an den Raumklang, zum Formen des Basssounds habe ich allerdings immer die deutlich wirksameren (da speziell auf den Bass abgestimmten) Tools des Preamps verwendet.

Ganz ohne EQ kommt der leicht angeknusperte Rocksound im nächsten Clip aus. Für die Aufnahme habe ich lediglich das Gain am Bass Fly Rig weit aufgedreht, um den Ton mit Obertönen zu sättigen.

Neben dem Dreiband-EQ hält die Power Engine Deuce Deluxe aber noch zwei weitere Filter für die Klanganpassung bereit: Der High-Pass-Filter senkt die Frequenzen unterhalb von 100Hz um 12dB pro Oktave und eliminiert damit sehr viel Low-End. In der Praxis fand ich diese Wirkung promt etwas zu stark - ich denke, der Filter macht eher für Gitarristen Sinn, um in Verbindung mit dem Low-Pass-Filter den Sound einer typischen Gitarrenbox zu simulieren.

Der Low-Pass-Taster (Absenkung ab 3kH um 12dB pro Oktave) liefert hingegen durchaus brauchbare Ergebnisse mit dem Bass. Die Power Engine Deuce Deluxe klingt mit aktiviertem LPF wie eine kleine Vintage-Bass-Box ohne Hochtöner, wie ihr im letzten Audiobeispiel sehr gut hören könnt:

Zum Abschluss stellt sich die Frage, welche Anwendungen mit der für Bassverhältnisse sehr moderaten Endstufenleistung von 200 Watt möglich sind. Die meisten werden es bereits ahnen - wer sich mit den Power Engine Deuce Deluxe ein halbwegs potentes Bass-Stack für Live-Gigs zusammenstellen will, muss sich mindestens zwei davon anschaffen. Mit so einem 400-Watt-Türmchen ist man dann für kleinere Bands gut gerüstet und kann damit durchaus Club-Gigs bestreiten. Für Proben und kleine Gigs mit dezenten Akustik-Trios oder als Übe-Setup für zu Hause reicht natürlich auch eine Power Engine Deuce Deluxe, an die man bei Bedarf ja auch noch eine Zusatzbox anschließen kann.

Praxis - Gitarre

Für den Praxistest mit der Gitarre gibt es folgenden Versuchsaufbau: Ich habe meinen Kemper Profiler über den Monitor Output direkt an die Power Engine Deuce Deluxe Box angeschlossen. Der Equalizer dieses Ausgangs ist neutral eingestellt, damit ich auch direkte Vergleichsmöglichkeiten zu den anderen Boxen und zu meinem Referenz-Sound aus den Abhörboxen der Regie (Genelec 8050A) habe. Ich habe die Box dann mit diversen unterschiedlichen Amp-Profilen und Gitarren getestet. Eigentlich hätte ich euch gerne einen amtlichen Audiovergleich wie beim Speaker-Test oder dem Pickup-Marathon geliefert, aber das ist aufgrund der unterschiedlichen Lautsprecher-Konstruktionen leider nicht gut vergleichbar mit ähnlicher Mikrofonierung einzufangen. Deshalb gibt es "nur" Worte. Bei den Profilen waren verschiedene Amps (Fender, Divided by 13, Dumble, Vox, Marshall, Mesa Boogie) aus dem Angebot von Michael Britt und Bert Meulendijk sowie das Friedman-Profil aus dem Bonedo-Audiovergleich am Start. Außerdem habe ich auch noch den Einsatz mit Akustikgitarre (Nylon & Steelstring) getestet - auch über den Profiler, allerdings mit einem Profil einer Reddi Tube DI, das Kollege Oliver Poschmann für einen Bonedo-Basstest erstellt hat und auch ausgesprochen gut mit der Akustikgitarre funktioniert.

Frequenzgang - Vergleich mit Studio-Speaker

Die Power Engine Deuce Deluxe liefert einen sehr kraftvollen Sound, im Vergleich zum Sound aus der Abhöre in meinem Regieraum klingen die Profile über den Amp im Frequenzgang schon deutlich anders, wenn der Equalizer bei unserem Testgerät in neutraler Position steht. Die Bässe sind sehr stark und die Höhen empfinde ich als etwas unterbelichtet (auch wenn der Tweeter aktiviert ist), daher würde ich der Box einen linearen Frequenzgang für Gitarrensounds nicht bescheinigen. Um dem gewünschten Klangcharakter des Amp-Profils nahe zu kommen, muss der EQ schon ordentlich bewegt werden: der Low Cut aktiviert, Bass-Regler auf 9 Uhr, den Treble-Regler auf 15 Uhr und die Mitten leicht angehoben auf 13 Uhr - mit diesem Setting kommt man dem Sound der Profile aus den Genelec-Boxen näher. Das Frequenzspektrum ist damit besser ausbalanciert, aber zum Beispiel bei einem Low Gain Fender- oder Divided by 13-Profil werden die perligen Höhen von der Power Engine Deuce Deluxe leider nicht gut übertragen, da haben manche Mitbewerber ein besseres Ergebnis geliefert.

Wiedergabe von unterschiedlichen Amp-Sounds

Unser Testkandidat liefert gleichbleibende Ergebnisse mit unterschiedlichen Amp-Sounds, einen typischen Schwerpunkt von spezifischen Sounds besitzt er meines Erachtens nicht. Die Box liefert durch den ausgeprägten Bassbereich einen warmen und vollen Ton, bei modernen Metalsounds klingt es schon ganz schön wuchtig, aber unter der Lupe fehlt es etwas an Definition auf den tiefen Saiten.

Sound mit Akustikgitarre

Mit Akustikgitarrensounds, egal ob Nylon oder Steel String, klappt es auch ganz gut, aber hier geht es mir ähnlich wie beim Sound mit den Fender-Profilen: es fehlt ein wenig der Glanz in den Höhen, um so richtig Freude am Sound einer Steel-String-Akustik zu haben.

Schalldruck - Abstrahlverhalten - Rauschen

Die Power Engine Deuce Deluxe macht ihrem Namen Ehre, denn der kleine Würfel liefert einen stattlichen Schalldruck, der mit der Gitarre - egal ob elektrisch oder akustisch - auch für den Einsatz in der Band ausreicht. Es empfiehlt sich, die Box etwas höher zu stellen, denn dann sind die Bässe nicht ganz so wuchtig und zudem bekommt man den Sound etwas besser an die Ohren. Auf dem Boden platziert geht einem aufgrund des Abstrahlverhaltens doch viel durch die Hosenbeine.

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