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12.06.2021

Tannoy Gold 5 Test

Zweiwege-Koaxiallautsprecher

Phoenix aus der Asche – oder Masche?

Bei wem beim Erspähen der Tannoy Gold 5 oder Lesen des Begriffs „Tannoy“ kein Glöckchen geklingelt hat: Das einst britische Unternehmen Tannoy, gegründet 1926, hat sich einen weltweiten Namen mit seinen Lautsprechern gemacht. Vor allem die Koaxiallautsprecher, bei denen wie bei den Gold 5 der Hochtöner dort sitzt, wo sich üblicherweise die Staubschutzkalotte oder das Phase Plug des Tiefmitteltöners befindet, sind in der Hi-Fi- wie Pro-Audio-Szene hoch geschätzt gewesen. In den frühen 2000ern waren es dann die Tannoy Reveal, die im richtig Fahrt aufnehmenden Homerecording an vielen Producer-Plätzen zu sehen waren.

Tannoy gehört mittlerweile zum chinesischen Music Tribe von Uli Behringer, dessen Hauptsitz in Manila, Philippinen ist und dessen Produktionsstätte in Zhongshan, China. Die Gold 5 weisen aber das Vereinigte Königreich als Standort für die Entwicklungsabteilung aus. Die Frage aus der Überschrift aufgreifend, gilt es nun also zu überprüfen, wie viel Tannoy noch in Tannoy steckt. Denn typisch für die im Spektrum der Music Tribe aufgegangenen Marken sind auch die aktuellen Tannoy-Produkte für erstaunlich wenig Geld zu haben.

Details

Warum so „anders“?

Tannoys Ansatz, Hochtöner in die Mitte des Tieftöners zu verfrachten, verfolgte nicht einfach eine Marketingstrategie, sondern beruht auf dem sinnvollen Ansatz, dass bei einer möglichst punktförmigen Schallquelle weniger Phasenprobleme entstehen, die ansonsten an verschiedenen Orten auf der Schallwand positionierte Treiber zwangsweise erzeugen. Und alleine sind sie damit nicht, wenn man beispielsweise auf ME Geithain blickt, sich die Produktrange von KEF ansieht oder bedenkt, dass nach Jahrzehnten Entwicklung erfolgreicher und hochwertiger Speaker auch Genelec mit den The Ones auf dieses Prinzip setzen.

Titan

Die Fünf im Produktnamen lässt wie bei einer Vielzahl von Lautsprecherfirmen erkennen, welchen Zoll-Durchmesser der größte Treiber hat. Der einfache Tiefmitteltöner besitzt eine 5“-Membran . Der Tweeter jedoch ist eine 0,8“-Titankalotte, die in einem tiefen Waveguide sitzt, hier „Tulip“ genannt. Mit 2 kHz sitzt die Trennfrequenz eher tief, zur Verstärkung stehen zwei Amps in Klasse AB (statt wie sonst in dieser Preisklasse mittlerweile üblich Class-D) mit einer maximalen Gesamtleistung von 200 Watt bereit. Thermo- und Kurzschlussicherungen sind ebenfalls an Bord. Den Frequenzgang benennt Tannoy mit 70 Hertz bis 20 kHz für einen Toleranzbereich von +/- 3 dB, der untere -10dB-Punkt liegt jedoch bei 49 Hertz. Da es sich beim Gehäuse um ein Ported System handelt, ist der maximale Schalldruckpegel trotz dieser Werte und der geringen Dimensionen von knapp 30 cm Höhe, 18,3 cm Breite und gut 25 cm Tiefe bei immerhin 107 dB SPL. Dem User erlaubt Tannoy geringfügige Änderungen des Frequenzgangs. Rückseitig kann der Bass um zwei oder vier Dezibel abgesenkt werden, die Änderung der HF-Wiedergabe (+/1 oder 2 dB) erfolgt auf der Vorderseite, wo auch die Absenkmöglichkeit für den Eingangspegel wohnt.

Rückseite

Die „Kehrseite der Gold-Medaille“ hält neben zu erwartenden Features, darunter einem XLR- wie einem TRS-Input, der IEC-Strombuchse und dem Aktivierungsschalter für das Auto-Standby, auch eine Besonderheit bereit: Ein Pärchen Tannoy Gold 5 kann sein Signal auch über eine 3,5mm-Stereoklinke erhalten. Und jeder Box liegt ein Verbindungskabel mit zwei dieser Stecker bei. Dadurch kann ein Speaker das Signal an den jeweils anderen weitergeben. Ein kleiner Schiebeschalter gibt an, ob die Box den linken oder rechten Kanal spielen soll. Das ist praktisch, wenn man kleine Player anschließen will, direkt von Laptop-Outputs oder mittels Bluetooth-Funkstrecken übertragen will.

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