Hersteller_TREX
Test
1
19.08.2014

Praxis

Zur Bedienung gibt es bauartbedingt nicht viel zu berichten, der Regler dreht cremig und der Schalter klackt spürbar durch die Schuhsohle, so lässt sich “erfühlen“, ob der Effekt ein- oder ausgeschaltet wird. Aber natürlich zeigt auch die LED an, ob der Karma Boost arbeitet oder nicht. Beim Einschalten bin ich leider spontan erblindet, denn das Lämpchen ist dermaßen hell, dass  - aus dem falschen Winkel betrachtet - das Licht die Netzhaut überreizt. Das Problem taucht immer wieder auch bei anderen Herstellern auf und ist deshalb nicht T-Rex allein anzulasten. Grundsätzlich sollten sich die Entwickler von Effektgeräten darüber im Klaren sein, dass in den meisten Fällen ein Lämpchen einfach nur anzeigen soll, ob irgendwelche Parameter ein- oder ausgeschaltet sind. Und das sollte in der Regel lediglich dem Spieler, der seine Gitarre dort eingesteckt hat, signalisiert werden, und weniger der Besatzung irgendwelcher Raumstationen. 

Aber zurück zum Wesentlichen und der berechtigten Frage, was man mit so einem Booster eigentlich anstellen kann. Normalerweise wird er verwendet, um ein bereits angezerrtes Signal noch mehr zu pushen, indem er die Vorstufenröhren eines entsprechenden Amps mit mehr Leistung anfährt und so zu mehr Zerren überredet. Es gab Zeiten, in denen Amps erst dann den gewünschten Overdrive lieferten, wenn sie aufgerissen wurden. Master Volume? Fehlanzeige. Hörschaden? Aber sicher! In diesen Fällen kam so ein Booster gerade recht, um beispielsweise im Solo einfach mehr Zerre zu generieren. Er lässt sich aber auch am clean eingestellten Röhrenamp betreiben, um beispielsweise den Sound etwas anzuschmutzen, oder gleicht mit ihm den Signalverlust aus, den der Weg durch lange Kabel und gefüllte Effektboards verursacht. T-Rex verwendet dafür einen nichtlinearen Boost-Algorithmus. Leider wird nicht näher erklärt, was es damit im Detail auf sich hat, aber wie man erfährt, soll der Karma Boost deshalb nicht einfach nur verstärken, sondern sich auch klangmäßig positiv bemerkbar machen. 

Unser Proband kommt in diesem Test vor einem clean eingestellten Fender Deluxe Amp und vor einem etwas angecrunchten Plexi Marshall zum Einsatz. Los geht es clean:

Im ersten Beispiel ist der Amp pur zu hören, die weiteren Soundfiles werden jeweils mit höherem Boost aufgenommen. Ab der Mittelstellung sorgt der Booster für immer mehr Zerrung, aber eben reine Vorstufenzerrung, er selbst verstärkt lediglich das Signal und fügt keine eigene Verzerrung hinzu. In der Maximalstellung kommt so ein ziemlich fetter, aber auch dynamischer Crunchsound zustande. 

Am Marshall hört sich das Ganze dann so an:

Auch hier klingt im ersten Beispiel der cleane Amp ohne Effekt. Der Karma Boost pustet ab der Mittelstellung hörbar die Vorstufenröhren an und erzeugt ein sehr amtlichen Crunchsound, der herrlich verdichtet, aber eben nicht den ursprünglichen Charakter des Ampsounds überlagert. In Maximalstellung lässt sich sehr sahnig solieren, was aber wohl eher Blueser und Rocker ansprechen wird und weniger den soliden Metaller.

Abschließend noch ein kleines Lead-Beispiel – am Anfang läuft der Amp pur, dann kommt der Booster dazu, der Regler steht auf 12 Uhr, also in Mittelstellung.

Sehr schön hört man, wie unser Kandidat zu Werke geht, das Signal wunderbar verdichtet und den Gain-Anteil erhöht. Der Sound wird einfacher fetter, ohne dass die Grundcharakteristik des Amps verlorengeht.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare