Gitarre Hersteller_Surfy_Industries
Test
1
08.04.2021

Praxis

Da Surfy Industries die Kundschaft mit seinen drei Reverb-Varianten vor die Qual der Wahl stellt, interessieren uns natürlich vor allem die potentiellen Klangunterschiede zwischen den drei Kandidaten. Doch auch zur allgemeinen Handhabung gibt es vorab ein paar Anmerkungen.
Das Surfybear Classic hat keinen True Bypass, was sich in einer leichten Abschwächung des Signals niederschlägt. Je nach Pickup kann dies auch zu einem leichten Höhenverlust führen. Im ausgeschalteten Zustand lässt es somit auch kein Signal durch. Möchte man es nicht im Dauerbetrieb haben, empfiehlt sich also ein externer Fußschalter. Der Betriebszustand wird dann allerdings nicht am Gerät angezeigt, sondern wäre nur über eine Batteriebetriebene LED am externen Fußschalter zu erkennen. Das dünne Holzgehäuse mit den Plastikblenden macht keinen allzu vertrauenserweckenden Eindruck, dafür ist es aber vorstellbar, diese Variante dauerhaft auf dem Amp oder sogar im Combo zu platzieren bzw. mit Winkelsteckern in der Transporttasche zu belassen.
Das Surfybear-Metal qualifiziert sich durch seinen internen Fußschalter auch für den Betrieb auf Pedalboards. Unklar bleibt allerdings, warum alle Bedienelemente und Buchsen auf der Oberseite neben dem Fußschalter liegen, wo sie nur schwer vor Tritten zu schützen sind. Außerdem hätte der Metal-Variante ein Soft-Switch-Fußschalter wie in der Compact-Variante gutgetan, denn durch das große Gehäuse verursacht der 3PDT-Switch ein lautes Schaltgeräusch, das auf kleinen Clubbühnen oder ruhigen Live-Recordings definitiv zu hören wäre und auch einen leichten Nachhall im Spring-Tank erzeugt.
Zum Surfybear-Compact sei noch erwähnt, dass der Mixer-Fußschalter auf kurze Tritt-Intervalle (etwa unter einer halben Sekunde) nicht reagiert, was allerdings in der Praxis selten von Belang sein dürfte. Außerdem sorgen die dicht beieinander liegenden und gleichfarbigen LEDs für die zwei Mixer-Settings aus der Ferne schnell für Verwirrung. Wie die Metal-Variante verfügt das Surfybear-Compact durch sein Volume-Poti über leichte Boost-Reserven, was den Gebrauchswert natürlich zusätzlich erhöht.
Alle Surfy Industries Reverb-Units sind in Anlehnung an das Original für den Betrieb vor dem Amp ausgelegt, einer Platzierung im FX-Loop steht aber grundsätzlich nichts im Wege.

Getestet werden die drei Hallgeräte mit einer Strat über einen Vox AC15 und mit einer PRS-Style-Gitarre über einen Budda Superdrive 80. Abgenommen wird ein WGS Veteran 30 Speaker mit einem Mix aus Shure SM57 und Audix D2.
Für einen ersten Eindruck hören wir zu Beginn dasselbe Lick mit relativ neutralen Einstellungen über alle drei Hallgeräte. Alle Potis stehen dafür in der 12-Uhr-Stellung und beim Surfybear Compact wird zur besseren Vergleichbarkeit ein wenig mit dem Decay-Poti nachgeholfen.

Sound-Check --> Strat (AC15)

MODELL Tone Mixer Dwell Volume Decay
Bypass - - - - -
CLASSIC 12:00 12:00 12:00 - -
METAL 12:00 12:00 12:00 12:00 -
COMPACT 12:00 12:00 12:00 12:00 12:00

Tatsächlich erweist sich die 12-Uhr-Stellung schon als ideale Einstellung für den typischen Surf-Sound und alle drei Reverbs wirken unmittelbar inspirierend. Classic und Metal klingen hier nahezu identisch, auch wenn die Metal-Version etwas frischer in Höhen wirkt. Die Compact-Version kommt nicht ganz an das Vintage-Flair der langen Hallspiralen heran, liefert dafür aber einen neutraleren, warmen und sehr ansprechend Spring-Reverb-Sound. Auch die extrem langen Hallfahnen lassen sich mit der Compact-Version sehr gut in den Griff bekommen.
Als Nächstes wollen wir die Wirkungsweise des Dwell-Potis genauer beleuchten. Wir hören wieder dreimal dasselbe Riff und während eines Durchgangs wird das Dwell-Poti einmal von der Minimal- zur Maximalstellung gedreht.

Dwell-Poti --> Strat (AC15)

MODELL Tone Mixer Dwell Volume Decay
CLASSIC 12:00 14:00 min/max - -
METAL 12:00 14:00 min/max 12:00 -
COMPACT 12:00 14:00 min/max 12:00 15:00

Ab der 12-Uhr-Stellung setzt hier der sogenannte "Drip" ein, das Flirren und Plätschern in den hohen Frequenzen, das in der Compact-Version etwas weniger deutlich ausgeprägt ist.
Auch die Einstellung des Tone-Potis spielt für den "Drip" eine entscheidende Rolle. Während des folgenden Riffs wandert der Tone-Regler einmal von der Minimal- zur Maximalstellung

Tone-Poti --> Strat (AC 15)

MODELL Tone Mixer Dwell Volume Decay
CLASSIC min/max 12:00 13:00 - -
METAL min/max 12:00 13:00 12:00 -
COMPACT min/max 12:00 13:00 12:00 15:00

Auch hier zeigt sich, dass das Surfybear Metal etwas frischer klingt als seine beiden Kollegen.
Das Decay-Poti, das nur im Surfybear Compact zum Einsatz kommt, regelt die Länge der Hallfahne und steht so in Wechselwirkung mit dem Dwell-Poti. Zur besseren Einordnung seiner Funktion hören wir abgestoppte Akkorde, währen das Decay-Poti von der Minimal- zur Maximalstellung wandert.

Decay-Poti (Surfybear Compact) --> Strat (AC15)

MODELL Tone Mixer Dwell Volume Decay
COMPACT 13:00 13:00 13:00 12:00 min/max

Für das letzte Klangbeispiel versuchen wir uns ein wenig aus der Welt des Surf-Sounds zu verabschieden und wollen sehen, ob sich die Surfybears auch für subtilere Hallklänge eignen. Hierfür wechseln wir auf den Hals-Humbucker der PRS und den etwas dunkler klingenden Superdrive 80 Amp.

Hall-Setting --> PRS, Hals-Humbucker (Superdrive 80)

MODELL Tone Mixer Dwell Volume Decay
CLASSIC 10:00 15:00 10:00 - -
METAL 10:00 15:00 10:00 12:00 -
COMPACT 10:00 15:00 10:00 12:00 15:00
2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare