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Test
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07.05.2014

Superlux E205 Test

Großmembran-Kondensatormikrofon

Qualität für 40 Euro?

Das Superlux E205 im Test bei bonedo – Um es deutlich zu sagen: Natürlich haben gewisse Preise bei Technik ihre Berechtigung, das sollte allseits bekannt sein. Wer nur sehr, sehr wenig Geld ausgeben möchte oder kann, muss oft mit bestimmten Einschränkungen leben. Es stellt sich daher die Frage, was ein Großmembran-Kondensatormikrofon wie das E205 für unter 40 Euro zu leisten imstande ist.  

Ich möchte an dieser Stelle an zwei Dinge erinnern: Vor 15 bis 20 Jahren musste man mindestens den zehnfachen Preis für ein brauchbares Studio-Kondensermikro ausgeben, vor 50 Jahren auf durchschnittliche Einkommen umgerechnet das ungefähr Hundertfache. Außerdem haben wir von bonedo bei einigen Kondensatormikrofonen, besonders den Kleinmembranern, einige im niedrigsten Preissegment untersucht und können ihnen teilweise mehr als simple “Nutzbarkeit” bescheinigen. 

Details

Hohe Richtwirkung

Optisch macht das E205 einiges her, es ist mit etwa 400 Gramm sogar recht schwer. Korpus, Gitter und Halterung sind schwarz gehalten und von besserer Qualität, als man zunächst vielleicht ob des geringen Preises befürchten würde. Hinter dem Korbgitter ist das eigentliche Wandlerelement auszumachen, eine richtende Elektret-Kondensatorkapsel mit etwa einem Zoll Membrandurchmesser. Die Richtwirkung ist etwas höher als bei den meisten anderen nicht umschaltbaren Studio-Kondensern: Als Superniere ist die rückwirkende Auslöschung nicht maximal, sondern liegt etwas weiter seitlich, zudem ist der frontale Aufnahmebereich etwas schmaler – Vorsicht also mit beweglichen Schallquellen, denn besonders bei naher Mikrofonierung bekommt man schneller Klangfarbenunterschiede. Beim Aneinanderschneiden verschiedener Vocal-Takes kann das durchaus auffallen! 

Untypisch: Höhenwiedergabe laut Frequenzgang

Auch auf der Achse ist der Frequenzgang des Mikrofons des taiwanesischen Unternehmens nicht bretteben, sondern in den Höhen etwas welliger – das ist aber keine Besonderheit des E205, sondern typisch für Großmembranmikrofone. Interessant ist, dass der Graph eine deutliche Überhöhung bei etwa 10 kHz zeigt, darüber einen ungewöhnlich schwachen Einbruch und sogar fast keine Dämpfung im Air-Band. Man kann also gespannt auf die Audios sein! Trotzdem wird der numerische Frequenzgang in den Höhen mit 18 kHz Eckfrequenz angegeben, laut Pegelfrequenzgang beträgt die Dämpfung dort aber noch 0 dB. Im Bass ist die Übertragung bis hinunter zu 20 Hz annähernd linear weitergezeichnet, die technischen Daten weisen aber 30 Hz als untere Grenzfrequenz aus. Üblicherweise werden diese Angaben für den -3dB-Punkt gemacht. Hier stimmt also irgendetwas nicht - die Erfahrung spricht jedoch eher dafür, dass man den Zahlen trauen sollte, nicht dem gemittelten Graphen. 

Keine herausragende Dynamik

Eine Phantomspeisung aus dem Mikrofonvorverstärker ist notwendig, um das Superlux zur Arbeit zu bewegen, es müssen jedoch nicht unbedingt 48 Volt sein, es reichen auch 12 Volt. Die Empfindlichkeit ist mit 12,6 mV/Pa nicht gerade exorbitant hoch, das Eigenrauschen hingegen mit 22 dB(SPL) nicht sonderlich gering (Hierzu sollte man wissen, dass die üblicheren A-bewerteten Angaben meist einige Dezibel unter dem SPL-(=Schalldruck-)Wert liegen). Der Zerrpegel wird mit 135 dB angeführt, unklar ist, ob für 0,5% (wie üblich) oder sogar 1% THD. Doch auch für 0,5% wäre die technische Dynamik mittelmäßig.

Das 205E wird spinnenlos geliefert

“HM56B” ist die Bezeichnung des optionalen Produkts, mit welchem das E205 direkt noch professioneller aussieht – und im Bassbereich verhindert, dass es zu unschönen Körperschallübertragungen durch den Mikrofonständer kommt: Hinter dem Kürzel versteckt sich die elastische Aufhängung, die “Spinne”. Zum Lieferumfang eines 205ers gehört neben der normalen kleinen Halterung nämlich nur noch ein Reduziergewinde für die Verwendung europäischer Stative, eine kleine Schutztasche mit Reißverschluss und die Pappschachtel, in welcher das Superlux verkauft wird. Dabei ist es nicht mutterseelenalleine in Superlux' Produktrange, denn es gibt noch ein E202 (Kleinmembran) und die USB-Variante des E205, das silberfarbene E205U – dann direkt mit regelbarem Kopfhörerausgang für nur zehn Euro mehr. 

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