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30.11.2017

Subgruppen – Was sie sind und wofür sie genutzt werden können

Mixingtricks mit Subgroups

Subgruppen sind nicht unbedingt das Erste, womit man sich beschäftigt, wenn man sich die ersten Male mit Musikproduktion auseinandersetzt. Subgruppen in den Workflow zu integrieren bietet jedoch vielfältige Vorteile, die im folgenden Artikel erläutert werden.

Was sind denn jetzt genau Subgruppen? „Sub“ kommt aus dem lateinischen und bedeutet so viel wie „unter“, also sind Subgruppen „Untergruppen“. Der Gedanke hierbei ist, mehrere Signale zu einem Signal zusammenzufügen und diese Signalgruppe dann weiterzuschicken. Subgruppen werden auch „Sammelschienen“ oder „Busse“ genannt. Fangen wir mal mit den Mischpulten an. Die meisten DAWs haben ihre Konzepte denen von Mischpulten nachempfunden. Daher macht es Sinn, sich erst einmal die Ursprünge anzuschauen, die sich gut auf die Arbeit im Computer übertragen lassen. Ein Beispiel für einen ersten, grundlegenden Signalfluss wäre die Summierung vieler verschiedener Einzelkanäle zu einer Stereosumme. Im Prinzip könnte man diese auch als Subgruppe bezeichnen, da dort alle Signale zusammentreffen. Subgruppen sind in der Regel stereo, können aber auch in mono auftreten. Stark vereinfacht sähe der Signalfluss dann so aus:

Wie ihr sehen könnt, gehen alle Signale, nachdem sie den jeweiligen Kanalzug durchlaufen haben, auf die Stereosumme (auch Mixbus genannt). Viele Mischpulte haben die Funktion, Signale auf diesen „Bussen“ zu sammeln und damit weiterzuschicken. Die Art und Weise, in welcher die jeweiligen Pulte das machen, kann sehr stark variieren. So gibt es Mischpulte, die eine eigene Bus-Sektion haben. Ein Beispiel hierfür wäre das Mackie 8-Bus. Daher hat das Pult auch seinen Namen: Es verfügt über 8 (Sammel-)Busse. Hier befinden sich neben jeden Kanalfader Knöpfe, um das Signal auf die Stereosumme oder aber auf die jeweiligen Sammelbusse zu routen. Einen anderen Ansatz kann man bei dem Profi-Pult Neve 88RS sehen. Hier kann jeder Kanalzug zu einem Sammelbus umgeschaltet werden, sodass er seine Signale nicht mehr von außen, sondern von innerhalb des Pults erhält. Dadurch ergibt sich eine höchstmögliche Flexibilität beim Routen der Signale.

Die traditionelle Art eine Subgruppe zu nutzen, könnt ihr in der folgenden Grafik sehen:

Wie den Aufmerksamen unter euch jetzt schon aufgefallen ist, gehen einige der Signale inzwischen nicht mehr direkt auf die Stereosumme, sondern werden in Gruppen zusammengefügt und dann als gesammeltes Signal weitergeleitet. Hier ist es wichtig dafür zu sorgen, dass die Signale, die auf Subgruppen geschickt werden, nicht mehr auf direktem Wege auf die Stereosumme gehen, da ihr sonst das Signal doppelt auf der Summe habt und es im schlimmsten Fall zu Phasing kommen kann. Bei manchen Techniken kann ein doppeltes Signal aber auch gewollt sein, wie ihr weiter unten sehen werdet.

Der Schlagzeugbus

Die Möglichkeiten der Nutzung sind mannigfaltig: Ein typisches Beispiel für die Nutzung von Subgruppen ist der sogenannte Schlagzeugbus. Alle Einzelsignale des Drumsets (Kickdrum, Snare, Hi-Hat, usw.) werden auf diesen Stereo-Bus geroutet. Man sollte sich immer, bevor man Signale auf einem Bus summiert, darüber Gedanken machen, ob die Signale später in stereo oder in mono sein sollen. Im Beispiel des Schlagzeugs macht stereo Sinn, da man ja wahrscheinlich Teile des Schlagzeugs im Stereopanorama verteilen möchte. Das Signal, das aus dem Kanal auf die Subgruppe geschickt wird, kann über den Fader in der Lautstärke und über den Panoramaregler in seiner Position im Stereofeld verändert werden. Dreht ihr das Pan-Poti eines Signals komplett nach links, so kommt das Signal auch nur auf dem linken Kanal der Subgruppe an. Zieht man den Fader ganz nach unten, so kommt von diesem Kanal auf der Subgruppe nichts mehr an. So könnt ihr euch nun mit den Fadern und Pan-Potis der Einzelkanäle einen Schlagzeugmix auf der Subgruppe erstellen und habt die Möglichkeit, diesen „fertigen“ Schlagzeugsound weiter zu bearbeiten. Einer der ersten Vorteile, der sich aus der Summierung ergibt: Ihr habt eure Schlagzeugsignale perfekt gemischt, jetzt soll der ganze Drum-Mix nur noch ein paar dB leiser oder lauter auf eure Summe gehen. Statt jetzt alle Fader einzeln zu bewegen, wobei sich der Mix wieder verändern kann, könnt ihr mithilfe einer Subgruppe das ganze Schlagzeug mit zwei Fadern leiser oder lauter machen, ohne dass sich eure ursprüngliche Mischung verändert. Praktisch!

Parallelkompression

Ein von den Profis gern genutzter Trick beinhaltet auch die Nutzung von Subgruppen: Die Parallelkompression. In der folgenden Grafik könnt ihr ein Beispiel für Parallelkompression von Drums sehen:

Wie ihr sehen könnt, gehen diesmal alle Signale auf die Stereosumme und auf eine extra Subgruppe. Der Trick ist, das Signal auf dem Drumbus mit einer hohen Ratio hart zu komprimieren, sodass dieses Signal überkomprimiert klingt. Mischt man dieses Signal dem nicht bearbeiteten Signal hinzu, so bekommt man einen komprimierten „in-your-face“-Sound, der aber dank den nicht komprimierten Anteilen immer noch dynamisch ist. Wichtig hierbei: Da es bei solchen Techniken zu Kammfiltereffekten kommen kann, solltet ihr auf jeden Fall die Phase checken!

Subgruppen in der DAW

Schauen wir uns das Ganze noch einmal in einer DAW an. In Ableton Live müsst ihr einfach nur die Spuren, die ihr gruppieren wollt, markieren und dann auf eine der Spuren rechtsklicken. Daraufhin könnt ihr die Funktion „Spuren gruppieren“ auswählen und schon habt ihr eure erste Gruppe. Wie das Ganze aussieht, könnt ihr in dieser Grafik sehen: 

Bei Audiokanälen in DAWs gibt es in der Regel immer die Möglichkeit, einen Eingang und einen Ausgang zuzuweisen. Der Eingang könnte zum Beispiel ein Input eures Interfaces sein. Der Ausgang ist normalerweise eure Stereosumme. Wollt ihr nun gewisse Signale in der DAW auf einer Subgruppe zusammenführen, so müsst ihr nur einen sogenannten Aux-Kanal erstellen und bei allen Kanälen, die auf eure Gruppe gehen sollen, den Ausgang auf diesen Aux-Kanal stellen. Dann sollten die Signale schon auf eurem Bus ankommen. Hier könnt ihr sehen, wie man das in Pro Tools einstellt: 

 

Einfacheres Arbeiten durch Subgroups

Durch diese Vorgehensweise wird das Produzieren sehr viel übersichtlicher. Ihr wollt mal kurz hören, wie euer Song ohne die Drums klingt? Schaltet einfach kurz die Drumgruppe stumm. Wie würde es klingen, wenn alle Gitarren etwas Kompression abbekämen? Schaltet einfach ein Plugin auf die Gitarrengruppe, die ihr genauso erstellen könnt wie eine Drumgruppe. Ein weiterer Vorteil, der sich ergibt, wenn man die verschiedenen Signale auf Gruppen summiert, ist, dass das Erstellen von sogenannten „Stems“ sehr einfach geht, da man einfach die Subgruppen „printen“ (als Audiodatei aufnehmen) kann. Subgruppen schaffen mehr Übersicht in eurem Mix und sind, wenn man sie konsequent in seinem Mixprozess nutzt, echte Zeitsparer. Daher lohnt es sich, zukünftig Subgruppen in seinen Workflow zu integrieren. 

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