Software
Test
10
19.03.2019

Praxis

Wie klingt sie denn nun, die fünfte Version? Noch fetter? Noch lauter? Noch mehr Metal? Grundsätzlich ist der „Slate-Sound“ geblieben, es sind also Drumsamples, die sehr mächtig und druckvoll, oft aber auch etwas zu bearbeitet klingen. Aber genau hier hat SSD5 eine erstaunliche Wendung hinbekommen. Manche der Kits klingen mit den richtigen Velocity-Kurven so echt wie nie zuvor. 

Sounds 

Die erwähnte neue Engine, die zusätzlichen Mikrofone und das fast verzerrungsfreie Stimmen der Kessel tragen allesamt zu einem Sound bei, der teilweise so echt klingt, dass man in den lauten Musikrichtungen als Schlagzeuger ein wenig Angst bekommt. Aber solange MIDI nur 128 Velocity-Werte beherrscht und unquantisiertes Einspielen von vielen DAWs und Producern nicht beherrscht oder gewünscht wird, braucht man sich als einigermaßen Klick-fester Drummer keine Sorgen machen. 

Die schiere Menge an Mikrofonen, die für jede Trommel bereitstehen, bringt Unmengen an Möglichkeiten mit, den vorhandenen Sound weiter nach Bedarf zu verändern. Insgesamt sechs Quellen gibt es beispielsweise bei der Snare: Top, Bottom, Ring, Overhead, Room 1 und Room 2. Und neu dazugekommen ist der SLR-Kanal. Er kann in seinem der sechs Slots des Snare-Samples zugemischt werden und bringt Übersprechungen der Toms und der Kick mit. Eine der Hauptkritiken von Drum-Libraries ist, dass die Samples zu sauber klingen. Mit dem SLR-Kanal eine Portion Mic-Bleed dazu zu mischen zeigt: Slate hat verstanden. 

Genres

Zwar bringt SSD5 als Überbleibsel aus den alten Versionen einige Jazz- und Funk-Kits mit, die auch erstaunlich echt klingen und dazu eine etwas lieblos zusammengestellte elektronische Sample-Mischung aus 808-Samples, die Stärken liegen aber ganz klar im lauten Rock- und Metal-Bereich. Die Snare knallt und kesselt, die Kick rummst und ballert, die Toms donnern, die Becken scheppern, was das Zeug hält. Das ist Stärke und Schwäche zugleich. Das wird besonders bei der Hihat deutlich. Egal, welches Kit man lädt, die Hats klingen raschelnd und zischend. Will man aber einen Beat programmieren, der etwas tighter klingt und bei dem die Hihat eher funkige Akzente setzt, wird es mit den Becken in SSD5 schwierig.

Oberfläche

SDD5 sieht um einiges moderner aus, als der Vorgänger. Was aber auch nicht schwer ist, war die Slate Drum Reihe bis Version 4 doch eine, bei der der Sound so gut war, dass man über das 90er-Jahre-Logic-5-Interface müde lächelte, mit den Schultern zuckte und sich lieber weiter von den „fetten“ Drums umblasen lies. Ein bisschen wie ein altes Motorrad: klingt toll, knattert ordentlich, ist aber was Bedienung und Umweltfreundlichkeit betrifft vor 30 Jahren stehengeblieben. Nach dem Motto: Das muss schwierig sein. 

Und so ist SSD5 trotz der Überarbeitung weiter um einiges weniger intuitiv und statischer als die Konkurrenz. Dass sich zum Beispiel das dargestellte Schlagzeug optisch nie ändert, egal welches Kit man lädt, mag kleinlich klingen. Aber solche Kleinigkeiten helfen E-Drummern, sich beim Mapping zurecht zu finden. 

Grooves

SSD5 bringt eine Vielzahl an fertig programmierten MIDI-Grooves mit. Allesamt sind sie sehr dynamisch und filigran anzuhören, die Vorhörfunktion ist da sehr nützlich. Grooves gibt es aus fünf Genres: Jazz, Pop, RnB, Rock und Soul, der Schwerpunkt liegt auf Pop und Rock. Jeder Groove ist dann weiter aufgeteilt in verschiede Songparts wie Verse, Chorus und Bridge, Fill-ins gibt es auch immer einige. Was aber vielleicht schon bei der Auflistung der Genres aufgefallen ist: Wo ist Metal? Wie kann ein Drum-Sampler so knallen, so sehr mit seinem Kickdrum-Sound eine Kalaschnikow-Double-Bass-Salve herausfordern, um dann im Groove-Pool beim schnödem Standard-Rock hängen zu bleiben? Klar, das machen wir natürlich eh alles selbst, das Programmieren. Weil jeder Song anders ist. Nachsitzen, Herr Slate!

Routing/Import

Das Routing in SSD5 ist relativ einfach. Jedes der Schlagzeugteile lässt sich je nach Verfügbarkeit (bei manchen Kits hat jede Trommel zwei Room-Signale und ein SLR-Signal, bei manchen nur einen Room-Kanal) im Multi-Ausgang-Modus auf einzelne AUX-Kanäle rausrouten und unterschiedlich effektieren. Sind von einem Instrument, einer Kick beispielsweise alle räumlichen Kanäle vorhanden, lassen sich auch abgefahrene Routings erzeugen: Das Room-1-Signal erst in Room-2 zu schicken, dieses dann in die Overheads und das Resultat dann in die SLR(Mic-Bleed)-Spur. Das ist nicht nur technische Spielerei. Da jedes Raumsignal anders klingt, bekommt das Endresultat einen unheimlichen Raum-in-Raum-in-Overhead-in-Raum-Sound. Dazu kann man jeden Signalanteil auch noch unterschiedlich pannen. Endloses Sounddesign mit Raumsignalen.

Stichwort Sounddesign: Am Importieren von eigenen Samples kann SSD5 noch arbeiten. Klar, Slate Samples sind die besten Samples. Aber will man unbedingt ein Snare-Sample von einem Recording mitimportieren, geht das nicht einfach per Drag-n-Drop aus dem Explorer oder Finder, wie man es sonst kennt?! Nein, man muss den Ordner, in dem sich das Sample befindet, erst hinzufügen. Etwas umständlich.

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