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Test
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15.12.2015

Praxis

Musikproduktion in der Cloud: VST-Transit

Cloud-Speicherung ist in den letzten Jahren mit voller Berechtigung zum Trend geworden. Dienste wie Dropbox oder Google Drive erleichtern nicht nur die gemeinsame Nutzung großer und komplexer Dateistrukturen mit Kollegen, sondern funktionieren auch hervorragend für Einzelpersonen, die allerorts und jederzeit auf eigene Files zugreifen wollen. Mit VST-Transit wurde nun ein solcher Dienst direkt in Steinberg Cubase Pro 8.5 integriert. Als Standard-Anwender bekommt man 500 MB an Speicher und 1 Gigabyte kostenlosen Traffic. Einzige Voraussetzung ist ein eigener MySteinberg-Account, den man als registrierter User in der Regel ohnehin hat. Ab Mitte Januar soll es erweiterte Premium-Accounts geben; hier darf man natürlich auf die Kosten gespannt sein.

Im Vergleich zur Nutzung einer externen Anwendung entstehen mehrere Vorteile. Zunächst gestaltet sich das Synchronisieren mit der Cloud wesentlich einfacher, da man nicht viel mehr tun muss, als auf einen kleinen Sync-Button zu drücken, um ein Projekt hochzuladen. Zudem wurde auch das Problem des Versionings recht clever gelöst: Jeder Anwender, der an einem Projekt mitarbeitet, bekommt seinen eigenen übergeordneten Track-Ordner innerhalb des Projekts und kann nur seine eigenen Spuren bearbeiten. Um bestehende Spuren anderer Anwender zu bearbeiten, müssen diese zuerst als Kopien aus dem entsprechenden Track-Ordner übernommen werden. Das mag auf den ersten Blick etwas kompliziert wirken, ist aber ein effektiver Weg, um Versionskonflikte zu vermeiden, die sonst schnell entstehen könnten, wenn zwei User gleichzeitig am gleichen Material arbeiten. Ein eindeutiges Problem ist momentan allerdings, dass die Server momentan noch etwas hakelig reagieren und des Öfteren Fehlermeldungen zu einer angeblich nicht vorhandenen Internetverbindung auftreten. Hier sollte Steinberg möglichst schnell nachbessern.

VST-Transit geht aber noch einen Schritt weiter und bietet neben dem bloßen Hochladen von Projekten und einem obligatorischen Chat sogar die Funktionen einer echten Online-Community inklusive Nutzerprofil und der Möglichkeit, neue Leute und damit potenzielle Kollaborateure kennenzulernen. Ob sich diese Plattform als ernstzunehmende Kontaktbörse für Musiker entwickelt, bleibt abzuwarten. Interessant ist die Idee allemal.

Ein kleiner (oder für die meisten Anwender sicher auch größerer) Wermutstropfen ist allerdings, dass bei der Cloud-Speicherung via VST-Transit weder Gruppen- und Effekt-Kanäle noch VST-Instrumente oder -Effekte von Drittanbietern einbezogen werden. Zwar gibt es nie eine Garantie dafür, dass alle Beteiligten die gleichen Plug-Ins auf der Platte haben. Eine Möglichkeit diesen Punkt auszunutzen, wenn er eben doch gegeben ist, sollte aber vorhanden sein. Hier sollte Steinberg definitiv ein wenig über den eigenen Tellerrand blicken. Zukünftige Updates werden hoffentlich Besserung bringen.

Retro-Synth mit Extras: Retrologue 2

Bei Retrologue handelt es sich um einen virtuell-analogen Synthesizer, der ursprünglich mit dem Update auf Cubase 6.5 eingeführt wurde und sich seitdem zu einem der beliebtesten Klangerzeuger unter den Bordmitteln von Cubase gemausert hat. Was die eingefleischten Soundschrauber freuen wird: Durch das Update auf Version 2 wird das VST-Instrument bedeutend komplexer. Mit einem dritten Oszillator und mehreren neuen Oszillator- und Filter-Typen entsteht mehr Flexibilität in der grundlegenden Klangerzeugung, und vor allem die deutlich erweiterten Modulationsmöglichkeiten werden die Augen von so manchem Synthie-Freak zum Glitzern bringen. Neu hinzugekommen sind zwei zusätzliche LFOs, eine dritte Hüllkurve und sechs weitere Slots in der Modulationsmatrix. Ein Arpeggiator mit 32 Steps wurde ebenfalls integriert.

Die neue Effekt-Sektion bietet EQ, Reverb, Phaser, Vintage Ensemble und Resonator, wobei diese Effekte den Anwendern des Synth/Sampler-Schwergewichts HALion 5 schon bekannt sein dürften, denn die Algorithmen wurden schlicht und einfach aus dem ebenfalls von Steinberg stammenden Plug-In übernommen. Im Folgenden gibt es einige der satten 400 neuen Presets zu hören. Beeindruckend, was sich mit den erweiterten Möglichkeiten alles anstellen lässt!

Klavierspielen leicht gemacht: Flexiblere Akkord-Pads

Die Akkord-Pads sind ein noch recht junges Feature in Cubase, das mit dem Update auf Version 8 eingeführt wurde. Die Grundidee dahinter ist, dass komplette Akkorde über Steuertasten auf dem Masterkeyboard, über Drum-Pads oder einfach über Mausklicks abgespielt werden können, um damit ein VST-Instrument wie zum Beispiel den eben erwähnten Retrologue 2 anzusteuern. Ein Nachteil davon war bisher allerdings, dass sich auf diesem Weg keine Akkordbrechungen spielen lassen.

Dies hat sich nun geändert. Mit einem nun neu hinzugekommenen Play-Mode, der auf deutsch meiner Meinung nach etwas unpassend als „Bereiche“ (Englisch: „Sections“) bezeichnet wird, lassen sich jetzt auch einzelne Akkord-Töne auf separate Steuertasten auf dem Masterkeyboard legen. Wird beispielsweise ein Akkord-Pad mit einem C-Dur angespielt, dann ist in diesem Modus noch nichts zu hören, dafür sind die Steuertasten aber mit einem c, e und einem g belegt. Wird der Akkord geändert, dann spielen die gleichen Tasten die Töne dieses neuen Akkords. Diese Neuerung ist also vor allem für Anwender interessant, die in den Bereichen des Klavierspiels oder der Harmonielehre nicht all zu bewandert sind. Die Wahrscheinlichkeit, sich zu verspielen, nimmt jedenfalls rapide ab.

Personalisierte Programmeinstellungen – Der Profile-Manager

Cubase ist in vielen Bereichen personalisierbar, und wer schon einmal sein System neu aufgesetzt hat, der weiß, wie mühsam es sein kann, die eigenen Einstelllungen und vor allem die selbst angelegten Tastaturshortcuts wiederherzustellen. Mit dem Profile-Manager, der als einziges neues Feature des Updates nur in der Pro-Version von Cubase vorhanden ist, lassen sich die Programmeinstelllungen nun in übergreifenden Presets abspeichern und natürlich auch exportieren und auf anderen Rechnern öffnen.

Einbezogen werden neben den grundlegenden Programmeinstellungen und Shortcuts auch die Arbeitsbereiche, Plug-In-Kollektionen, Toolbar-Einstellungen, Track-Control-Einstellungen und die Presets für Input/Output-Routing, Quantisierungseinstellungen und Crossfades. Für Studios, in denen mehrere Anwender am gleichen Cubase arbeiten, ist dieses Feature natürlich hervorragend, und alleine dieser Punkt wird das Update rechtfertigen.    

Workflow-Verbesserungen

Die meisten der weiteren Verbesserungen wirken für sich selbst gesehen recht unscheinbar und alles andere als revolutionär. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit werden in den folgenden Videos einige davon vorgestellt. Was man Steinberg an dieser Stelle zu Gute halten muss, ist der Punkt, dass die wenigsten Neuerungen den gewohnten Workflow verändern. In dieser Hinsicht halten sich die neuen Wege, Mausklicks zu sparen, vornehm im Hintergrund.

Neuerungen in der allgemeinen Bedienung und Punch-Points


Vereinfachungen beim Umgang mit Tracks

Neuerungen im Schlagzeug-Editor

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