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Test
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17.11.2021

SSL Native X-Echo Test

Delay-Plugin

Von der Rolle: Das Multitap-Delay mit Bandecho-Emulation von Solid State Logic

Bei SSL geht es Schlag auf Schlag: Nachdem wir vor kurzem erst den SSL Native Fusion Vintage Drive und den SSL Native Stereo Image getestet haben, folgt nun das SSL Native X-Echo, ein Delay-Plugin, das sich an den alten Bandecho-Klassikern orientiert – inklusive SSLs Saturation-Expertise, versteht sich.

Gähn – noch ‘n Delay? Ja, schon, aber ein wirklich tolles, wie wir sehen werden. Eins, das nicht auf moderne Annehmlichkeiten verzichtet und den Sachverhalt dabei trotzdem nicht unnötig komplizierter macht – straight forward, und damit typisch SSL.

Details

Abo wird besser

Das SSL Native X-Echo ist ein Multitap-Delay bzw. eine Bandecho-Emulation für die Plugin-Formate VST3, VST2, AAX und AU. Mit dem Industriestandard iLok wird vor dem Kopieren geschützt. Pro Lizenz gibt es zwei Activations, ferner kann man zwischen einer dongle- und einer maschinengebundenen Aktivierung wählen.

SSL Native Plugins kann man aktuell entweder teuer einzeln oder "preisgünstiger" im 3-für-2 Bundle kaufenAlternativ bietet sich das All-in-one-Bundle „SSL Native Complete“ zur Miete für rund 130 Euro jährlich an, was aktuell 14 erstklassige Plugins enthält. Dennoch: Bei der Plugin Alliance gibt es ca. 138 Plugins für 220 Euro jährlich. Masse ist zwar nicht gleich Klasse, man darf es aber nicht unerwähnt belassen.

Das Leasing-Modell von SSL gewinnt wegen der stetig neu hinzukommenden Plugins dennoch immer mehr an Mehrwert, darunter der recht junge Vintage Drive und Stereo Image sowie die beiden – besonders für den UC-1 Controller interessanten – Plugins Bus Compressor 2 und Channel Strip 2. Nicht unerwähnt soll auch der EQ-Klassiker X-EQ 2 bleiben.

New Oldschool: Echoplex meets Space Echo meets 2021

Der Name X-Echo suggeriert klassisch-plakative Bandecho-Effekte. Mit knackig-kurzen Zeitkonstanten kann das Multitap-Delay aber auch chorus- und flangerartige Effekte zaubern. Der Bereich des Timing-Parameters ist mit 4 ms bis 4 s erfreulich weit – und damit flexibler als er bei den Klassikern jemals war. 

Wie bei allen SSL Native Plugins stehen der Workflow und eine praxisrelevante Bedienung im Vordergrund – und damit weder Parameter-Gewichse noch Vintage-Fetischismus. Warum im knappen Handbuch jedoch marketingschwanger etwas von „inspiriert von alten Echoplexes der 1960er Jahre“ steht, während im Plugin aber Multi-Tape-Heads wie beim deutlich später erschienen Roland Space Echo verwendet werden, erschließt sich mir nicht ganz. Wollte man eventuellen Stress durch Markenrechtsverletzungen umgehen? Wer weiß, es ist mir im Grunde aber auch egal. 

Flexibel auf den Punkt

Es gibt vier „Bandköpfe“, die das Delay somit zum Multitap-Delay machen. Dargestellt werden einzeln zuschaltbare Time-Divider in Vierteln, halben Noten, Dreivierteln oder eben mit dem Vielfachen (1) der TIME. Bezogen auf die Zeitbasis bedeutet das mehrere einzelne Delays bzw. Repeats – das individuelle Panorama-Spreading einzelner Taps ist indes nicht vorgesehen. Dafür gibt es einen Ping-Pong-Mode . 

Vintage-Modulation liefert der WOW/Flutter-Parameter, der grob gesagt die Tonhöhe von langsam bis schnell moduliert – die Simulation mechanischer Unzulänglichkeiten von Capstan und Andruckrolle inklusive. Modernen Luxus gibt es dank BPM-SYNC und TAP-Tempo sowie der Snap-Funktion. Letztere wird durch einen kleinen Magneten visualisiert, der die Timing-Zeit von Zweiunddreißigsteln bis hin zu zwei ganzen Noten rastert, darunter Triolen und Punktierungen. In diesem Zusammenhang wäre sicherlich ein regelbarer Tempo-Drift wünschenswert gewesen, aber nun gut. 

Alle Delays, das Eingangssignal sowie die Snap-Punkte werden stylish und über die Amplituden visualisiert, wobei das Plugin bis zu einer Länge von 4 s aufzeichnet. Die Wellen sind zwar zoombar, doch auch statisch. Laut Handbuch soll das der Identifikation von Auswirkungen auf die Transienten dienen. Mhkay ?! Mit CLEAR startet man eine neue Aufnahme der Darstellung. Einen echten Nutzen erkenne ich nicht, schick und wichtig sieht es dennoch aus.   

Wer schön sein will, muss leiden

Ganz wichtig: Wenn man mit dem Timing-Parameter kreativ wird, kann man die typischen Tape-Artefakte erzeugen, die beim Sliden des Tonkopfes entstehen. Das klingt nach Band-Scratchen bzw. ein wenig nach Vor- und Zurückspulen und ist perfekt für Riser und Breaks.

Egal, wie extrem man kurbelt, selbst bei maximalen Timings entsteht kein Knackser oder Aussetzer. Das Plugin quittiert diese Authentizität jedoch mit recht anspruchsvollem CPU-Load. Zum Vergleich: Colour Copy von U-He frisst nur die Hälfte.

Auch die typische Selbstoszillation wurde realistisch umgesetzt, sprich Feedback-Übersteuerungen jenseits der 100%-Marke schaukeln sich realistisch hoch, und das sogar ohne Inputsignal, wie bei den Originalen. Ebenfalls schön: FREEZE, was den Input mutet und das Band mit minimaler Degradierung loopt. KILL wiederum, mutet nur den Input und sorgt für schönes Ausklingen. Alle Parameter kann man automatisieren und natürlich massiv für „analoges Sounddesign“ missbrauchen. 

Extra, Extra

Mit Saturation steuert man die analoge Soft-Clip Sättigung der Delays, das Ganze ist recht dezent. Diffusion ist ein simpler Reverb Parameter, der unterschiedliche Raumarten und -größen abbildet, aber durchaus etwas mehr Regler hätte bieten können. Anderseits: Viele alte Echos hatten einen integrierten Federhall, der nur einen Sound kannte. Sollte man beherzt gegen den Computer treten, wird man allerdings nicht mit dem Scheppern der Federn rechnen können…

Einen simplen Zwei-Band-EQ mit BASS und TREBLE für die Repeats beherbergt das Plugin ebenfalls – genau wie die alte Hardware. Einen zusätzlichen One-Knob-DE-ESSER zur Entschärfung der Höhen sowie einen WIDTH-Regler für die obligatorische M/S-Manipulation gibt es außerdem – alles pragmatisch-moderne Ergänzungen, genau wie der Preset-Lock des Dry-Wet.

Auch sonstige Plugin-Standards sind mit dabei, darunter die I/O-Gains, die kleine Preset-Verwaltung, das plugin-eigene Undo/Redo sowie eine simple A/B-Vergleichsmöglichkeit. Ach ja, die Optik der GUI: Ebenfalls gelungen, weil übersichtlich und selbsterklärend gezeichnet und außerdem mit augenfreundlichen, funktionalen Farben abgeschmeckt.

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