Test
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25.01.2018

SPL Passeq Test

Passiver Mastering EQ

Generation 2 (Model 1650 und 1654) des Dual-Mono Hardware-Equalizers

Passive Equalizer wie der SPL Passeq Generation 2 Mastering Equalizer haben ihren Namen von den verwendeten passiven Bauelementen erhalten, zu denen Spulen, Widerstände und Kondensatoren gehören. Ihr Signalweg ist also erstmal frei von aktiven Elementen wie ICs und Transistoren und gehen somit den traditionellen Weg der Signalverzerrung und -entzerrung.

Im Gegensatz zu aktiven Elementen, die man meist als „sehr schnell“ ansieht, sorgt das Ladeverhalten der Kondensatoren und die Spulensättigung passiver Designs hingegen eher für eine „smoothe“ musikalische Arbeitsweise, womit wir Attribute wie Seidigkeit, Wärme und Punch verbinden.

Einer der bekanntesten passiven Equalizer dürfte der Pultec sein, welcher bereits häufig nachgebaut wurde und sogar anderen Klassikern, etwa dem Manley Massive Passive, als Vorbild galt. Und so verwundert es auch nicht, dass es bei all diesen Geräten viele Gemeinsamkeiten gibt – aber eben auch kleine, feine Merkmale, die den großen Unterschied machen.

Details

Allgemeines

Der zum Test vorliegende Passeq ist die zweite Generation des berühmten passiven EQ-Boliden von SPL. Einen Namenszusatz 2 oder gar MK2 gibt es offiziell aber nicht. Die Unterschiede sind zwar gering – jedoch nicht zu vernachlässigen.

Das 10 kg schwere 19-Zoll-Monster ist dank seiner üppigen 4-HE Front eine äußerst massive Erscheinung und flößt – wie auch der optisch-ähnliche SPL Iron – sofort Ehrfurcht ein. Der Passeq ist ferner in Rot und in Schwarz erhältlich, die Modellbezeichnung lautet dann 1654 bzw. 1650 – der Vorgänger hieß übrigens Model 2595.

I am biased

Eins vorweg: Ich bin voreingenommen. In meinem Studio benutze ich ausschließlich passive Hardware-EQs zur Klangveredelung und digitale Plug-in-basierte EQs eigentlich nur zur Korrektur. Außerdem stehe ich extrem auf den warmen, gesättigten Klang von Röhren und ihren Übertragern. Aber das sind doch aktive Elemente? Richtig, denn so gut wie jeder (passive) EQ benötigt eingangs- und ausgangsseitig dennoch eine Impedanzanpassung sowie eine Aufholverstärkung. Der Terminus „Passiv“ bezieht sich also normalerweise nur auf das Filternetzwerk. 

Bei den Klassikern wie Pultec, seinen Nachbauten von beispielsweise Warm Audio und Klark Teknik sowie bei Adaptionen wie Lydkraft‘s Tube Tech PE-1C und Manley´s Massive Passive wird die Anpassung immer von einer Übertrager-basierten Röhrenschaltung übernommen. Und hier haben wir schon den ersten großen Unterschied: Im Passeq kommen keine Röhren und Überträger, sondern SPLs eigene 120Volt-Operationsverstärker zum Einsatz. Und auch die sind natürlich nicht passiv. 

Passiv Dual-Mono „Made in Germany“

Der Passeq ist ein klassischer Dual-Mono-Hardware-EQ, was bedeutet, dass jeder seiner beiden Kanäle unabhängig voneinander bearbeitet werden kann. Einen Stereo-Link gibt es nicht. Das ist allerdings nicht ohne weiteres technisch machbar und auch gar nicht schlimm, da alle Bedienelemente gerastert und beide Wege sorgfältig gematcht sind. Ein Umstand, der in Verbindung mit dem Siegel „konzipiert und gefertigt in Deutschland“ auch für das stolze Preisschild von 4949 Euro (UVP) verantwortlich ist. Im Gegenzug erhält man aber auch feinste Verarbeitungsqualität und qualitativ hochwertige Bauelemente – und davon sollte man sich selbst von der vielen Luft im Inneren nicht ablenken lassen.

Sechs Bänder pro Seite

Jeder Kanal des Passeq besitzt sechs Bändern mit jeweils zwölf fixen Frequenzen. Es handelt sich dabei um Drehschalter mit diskreten Positionen, die schön schwergängig sind und „amtlich“ klacken. Die Schalter sind recht groß und fassen sich sehr gut an. Es gibt jeweils drei Bänder zum Absenken und jeweils drei Bändern zum Anheben – pro Seite. Der maximale Hub ist bei jedem Band anders und wird mit einem weiteren, etwas kleineren Poti eingestellt, das über eine feine 41-schrittige Rasterung verfügt.

Der Q-Faktor variiert bei allen Positionen und wurde laut Handbuch nach Gehör in unzähligen Hörsession in Verbindung mit Materialerprobungen angepasst. Nur das HF- Boost-Band verfügt noch zusätzlich über einen variablen Q, welcher mit einem weiteren gerasterten 41-Positionen-Poti angepasst werden kann. Da hier mit Proportional Q gearbeitet wird, sollte man sich von den angezeigten Werten nicht täuschen lassen, sie sollten wirklich nur als Anhaltspunkt für Notizen dienen.

Alle Drehschalter und Poti wurden außerdem sternförmig um den großen Gain-Regler angeordnet, welcher nachgeschaltet ist und über einen Hub von -10 dB bis +10 dB verfügt. Das ist notwendig, da passive Bänder u. a. ihren Boost durch Absenken anderer Frequenzbereiche erzielen – die Energie unter der Funktion bleibt damit quasi gleich.

Zahlen sind Schall und Rauch

Generell sollte man sich von den Beschriftungen nicht lenken lassen, da sich die resultierenden Kurven und Klangfarben deutlich davon unterscheiden – es geht hier eben nur um Bezugspunkte. Deshalb möchte ich euch die Werte auch nur in einer groben Aufzählung nennen. Wer die genauen Einsatzfrequenzen wissen möchte, sollte das obige Bild genaustens studieren.

  • LF- : Low Frequency Cut, Shelf mit ca. 6 dB/oct, 30 Hz bis 600 Hz, maximale Amplitudenänderung: 22 dB.
  • LF+ : Low Frequency Boost, Shelf mit ca. 6 dB/oct, 10 Hz bis 550 Hz maximale Amplitudenänderung: 17 dB.
  • MF- : Mid Frequency Cut, Glocke, 200 Hz bis 6 kHz, maximale Amplitudenänderung: 11,5 dB.
  • MF+ : Mid Frequency Boost, Glocke, 220 Hz bis 4,8 kHz, maximale Amplitudenänderung: 10 dB.
  • HF- : High Frequency Cut, Shelf, 580 Hz bis 22 kHz, maximale Amplitudenänderung: 14,5 dB.
  • HF+:  High Frequency Boost, Glocke, 5 kHz bis 35 kHz, maximale Amplitudenänderung: 12,5 dB.

Die Ausgangsstufe zeichnet sich durch SPLs proprietären Operationsverstärker aus, die natürlich wieder mit 120 Volt arbeiten (genauer: mit +60 Volt und -60 Volt), um Headroom und Signal-Rauschabstand zu maximieren. Das Handbuch hält auch noch reichlich weitere Messwerte und Diagramme parat. Aber wen interessiert das schon? Rauschen oder Clippen tut hier für meine Ohren jedenfalls nichts.

Pultec-Style und der sich aufdrängende Vergleich zu Manley

Und logisch: In alter Pultec-Manier überlappen die Bänder gehörig und können abgesenkt und gleichzeitig auch angehoben werden, was für die typischen Push/Pull-Effekte sorgt, welche auch mit ihren besonderen Auswirkungen auf den Phasengang ein ordentliche Position Magie ausmachen. 

Ein entscheidender Unterschied gegenüber dem Manley Massive Passive zeigt sich hier bereits: Alle sechs Bänder des Passeq können gleichzeitig benutzt werden, davon maximal drei für Push und drei für Pull. Der Manley Massive Passive hingegen bietet pro Seite vier Bänder, welche sich zwischen Boost (Push) und Cut (Pull) umschalten lassen – jedoch nicht gleichzeitig verwendet werden können. Bei Manley sind außerdem alle Bänder zwischen Shelf und Glocke umschaltbar, beim Passeq sind die Charakteristika wiederum fix – aber für jedes Band auch anders. Beispielsweise ist das HF- ein Shelving-Filter während das „HF+“-Filter ein Peak-Filter ist. Ein echter Pluspunkt für den Manley: Es gibt zusätzliche Low- und High-Pass Filter, gerade der 39 Hz Lowcut hat es mit dabei angetan, da er einen leichten Overshot hat.

Sonstiges

Das Ganze ist links und rechts selbstverständlich identisch gehalten. Hinzu kommen zwei mittige, orange beleuchtete Bypass-Taster für jeden Kanal sowie das mittlerweile bekannte Auto-Bypass-Feature. Mit Letzterem wechselt der Bypass zwischen An und Aus mit einem einstellbaren „Intervall“ (also einem Zeitfenster). Somit kann die Aufmerksamkeit ganz auf die klanglichen Auswirkungen gelenkt werden, ohne dass man den Sweetspot verlassen müsste. Eine Status-LED und silberne Einfassungen runden das Ganze ab.

Schliche Rückseite, schlichte Verpackung, rückseitiger Hauptschalter

Rückseitig gibt es echt nicht viel zu entdecken: XLR rein, XLR raus, Ground-Lift und Stromanschluss nebst Sicherung sowie der Hauptschalter. Richtig gelesen: der Hauptschalter ist wieder hinten. Das ist wie bei dem Iron und damit meiner Einschätzung nach nicht gelungen – ein echter Beinbruch ist es aber ebenfalls nicht.

Zum Lieferumfang gehört übrigens ein sehr schön und detailiert geschriebenes sowie gedrucktes Handbuch inklusive Messdiagrammen und Recall-Sheets in Deutsch und Englisch sowie das nötige IEC-Kaltgerätekabel. Das Ganze wird im schicken Öko-Karton verschickt.

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