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Test
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18.08.2018

SPL DMC Test

Mastering Console

Hochwertigste Verwaltung von Stereosignalen und mehr

SPL räumt auf! Seit dem Iron bringt die Firma konstant neuen rot/schwarzen Stuff raus, welcher auch Generalüberholungen von Klassikern umfasst. Und so werden die teils exorbitant teuren Mastering-Spezialanfertigungen auch in den Bereich des finanziell Machbaren von Normalsterblichen gebracht.

Der neuste Streich des Sound Performance Labs ist die DMC („Dual Channel Mastering Console“), welche das Herz einer ganzen Reihe von neuen Systemlösungen darstellt.

Details

SPL wird sexy

Mit hochwertigen Masteringgeräten hat SPL einen echten Nerv getroffen, denn die neuen, schwarzen oder roten Kisten tauchen in immer mehr Studios auf. Einige haben wir bereits getestet und für sehr gut befunden, darunter der PQ und der Passeq – beides EQs – sowie auch der Iron Compressor.

Vor kurzem kamen der MC16 und die DMC hinzu, wobei wir uns letzterer im Detail widmen werden. Doch vorher möchte ich noch was zum MC16 sagen: Hierbei handelt es sich um einen dedizierten Monitor-Controller für Surround-Anwendungen mit bis zu 16 Lautsprechern, dem sogenannten Immersive Audio/3D-Sound wie ihn Dolby Atmos oder Auro 3D anbieten. Er lässt sich mit der DMC kombinieren, genau wie weitere bald erscheinende Produkte von SPL.

My Heart goes OP

Die DMC ist als Herzstück des modernen Masteringstudios gedacht und kümmert sich als solches um die Auswahl der verschiedenen Quellen, Ziele und Lautsprecher. Hinzukommt die Grundlage für das korrekte Gain-Stageing, sprich die Festlegung der korrekten Ein- und Ausgangspegel. 

Das alles ist kein Hexenwerk, denn im Grunde benötigt man nur genügend hochwertige VCAs. Im Falle von SPL kommen da natürlich die proprietären, in 120V-Technik ausgelegten Chips zum Einsatz. Das bedeutet, dass die Rail-Spannung der SPL-OP-Amps mit ±60 V deutlich höher ausfällt. Und das sorgt bekanntlich für einen größeren Rauschabstand, eine bessere Dynamik sowie mehr Headroom und vor allem eine bessere Übersteuerungsfestigkeit.

Links recorden, rechts abhören

Das Layout der 3 HE hohen, etwa 31 cm tiefen und rund 11 kg schweren Console lässt sich in zwei Bereiche einteilen: Rechts ist dabei die Monitorsektion, links die Masteringsektion mit der Quellenwahl und den Aufnahmeeinstellungen. Es gibt acht Eingänge und acht Ausgänge. Eine grundlegend simple Sache.

Alle Taster der SPL DMC sind hochwertig beleuchtet, überwiegend relaisschaltend und versenkt. Die Verarbeitungsqualität ist durchweg erstklassig, besonders gut hat mir aber das „smoothe“ Drehgefühl – "wie in Schweröl gebettet" – der beiden großen Potentiometer und das satte Einrasten der vier Trim-Drehschalter gefallen. 

Monitorcontroller für vier Speaker plus Sub

Fangen wir bei der Speaker Section an: Es können drei Stereopaare, ein Monospeaker sowie ein Subwoofer angeschlossen und geschalten werden. Hinzukommt der Phonitor-HP-Out, welcher aber nichts anderes als ein weiterer, schaltbarer Line Out ist. Zwischen den vier Speakerausgängen wird umgeschaltet, der Sub und der Phonitor Out können indes hinzugeschaltet werden. Der Ausgangspegel wird dabei mit dem großen „Monitoring Level“-Regler definiert. Er dreht und fasst sich wirklich fantastisch an und bietet auch einen beleuchteten Marker.

GPI indes steht für „General Purpose Interface“ und aktiviert mit dem entsprechenden Taster eine Schaltspannung von 24 Volt über eine Klinkenbuchse auf der Rückseite. Hiermit können beispielsweise Red Lights oder Talkbacks ferngeschalten werden – oder beispielsweise auch ein Room-Optimizer wie der Trinnov ST2 Pro „gebypassed“ werden.

Hinzukommen Soloschalter für Links und Rechts sowie Phasendrehungen für beide Kanäle. Mono-, Dim- und Mute-Taster gibt es außerdem sowie einen weiteres, kleines Volumen-Poti mit Schalter („Offset“), womit ein Lautstärkeunterschied beispielsweise beim Umschalten zwischen verschiedenen Quellen manuell ausgeglichen werden kann.

Acht Eingänge


Schauen wir nun bitte nach links. Hier finden sich vier Inputs, welche zur Bearbeitung und Aufnahme gedacht sind. Auch sie bieten Phasendrehung und Mutes getrennt für den linken und den rechten Kanal. Warum man aber in der Monitoringsektion auf Solos und hier auf Mutes setzt, erschließt sich mir nicht ganz. Das Ergebnis ist zwar dasselbe, ignoriert man ihre Beschriftung ist ihre Funktion aber vertauscht, was ich didaktisch als nicht ganz so sinnvoll erachte.

Anschließend geht es in den Recording-Gain, welcher mit dem Rec-Gain-On-Taster zuvor aber erst aktiviert werden muss. Er regelt die Ausgangslautstärke der beiden rückseitigen Recording Outs in einem Bereich von ±10 dB und arbeitet ziemlich filigran. Zwei sind es deshalb, damit man beispielsweise auch verschieden A/D-Wandler anschließen kann. Hinzukommt ein weiterer Monoschalter, der allerdings nun hier auch auf die Recording Outs wirkt und nicht mehr nur für das reine Monitoring angedacht ist.

Die vier Sources sind ebenfalls Inputs, können aber nur abgehört werden und landen somit auch nicht auf den Recording Outs. Hier speist man Vergleichsquellen ein, auch die Returnwege der DAW oder der Wandler, um quasi „hinter dem Band“ anhören zu können. 

Zwischen den Inputs und den Sources wird mit einem Sourceschalter umgeschalten, was nur das Monitoringsignal betrifft, also das was abgehört wird – der ausgewählte Input landet weiterhin in dem Recording Out. Der Umschalter befindet sich zentral, bei dem mittlerweile durchaus bekannten Autobypass, den so gut wie jede SPL-Neuerscheinung erhält. Mit seinem Poti wird ein Zeitfenster eingestellt, und das wechselt dann zwischen Insert On und Off. Somit kann man sich auch mit geschlossenen Augen in den Sweetspot zurückziehen und sein Werk akustisch bewerten – oder man nutzt es als simplen „Kopierschutz“, falls der Kunde noch nicht gezahlt hat und man keine vollständigen Mixe herausgeben will.

Master Insert

Und somit wären wir beim Insert, der wohl wichtigsten Funktion einer Mastering Console. Mit nur einem Insert fallen die Möglichkeiten hier allerdings äußerst knapp aus. Man bräuchte somit noch eine Art nachgeschaltete Patchbay oder besser noch eine eigenständige, umfangreiche Insertmatrix mit deutlich mehr Inserts – na, und da kommt ja bald was von SPL heraus.

Der Insert wird außerdem von vier Trims begleitet, wovon zwei auf dem Namen „Input Trim“ hören und sich vor dem Insert befinden. Die beiden anderen sind mit „Insert Return Trim“ beschriftet und befinden sich entsprechend nach dem Insert. Es handelt sich bei allen um diskrete Drehschalter, welche mit 0,25 dB Schritten bis 2 dB regeln und danach die Positionen 2,5, 3, 4 und 6 dB kennen. Mit den kleinen Kippschaltern daneben wird ausgewählt, ob der Gain nun als Hub oder Absenkung angewendet werden soll oder auch, ob der Trim gänzlich aus dem Signalweg verschwinden soll. Und damit hätten wir die Vorderseite – schauen wir uns die Rückseite an.

Rückseite

Alle Audioanschlüsse sind symmetrisch und mit XLR ausgestattet. Die Stecker stammen von Neutrik und sind vergoldet. In der untersten HE finden wir die Ausgänge. Rechts außen die beiden Recording Outs, die jeweils eigene Ausgangsstufen besitzen, also voneinander unabhängig sind, allerdings immer beide den selben Pegel erhalten. Im Anschluss folgend die Speaker Outs, also die Stereopaare A,B und C sowie der Mono Out D und der Subwoofer Out. Hinzukommt der Phonitor Out, der aber in Wahrheit nur ein gewöhnlicher zuschaltbarer Line Out ist, sowie der Meter Output mit den drei Anschlüssen L, R und Mono. Hier kann man folgerichtig Audio-Analyzer oder dergleichen anschließen, welche selbstverständlich dem Monitoringpfad folgen.

Eine HE weiter oben finden wir die Eingänge: Input 1 bis 4 und Sources 1 bis 4. Ganz simpel. Noch eine Reihe weiter oben finden wir den Insert Send und Return sowie die MC16 Feeds. Ich hatte es ganz am Anfang bereits angesprochen, der Surround-Monitor-Controller MC16 kann mit dem DMC kombiniert werden – und zwar so, dass man für das Stereomastering auch die Hauptmonitore (L/R) des Surroundsetups sowie dessen Subwoofer/LFE mit verwenden kann.

Last but not not least finden wir rückseitig noch den GPI-Anschluss, einen Ground Lift sowie den Stromanschluss und den Hauptschalter. Ein Umstand der mich übrigens bei allen neueren SPLs nervt: Es gibt vorderseitig keinen Ein-/Aus-Schalter, sodass man immer das ganze Rack mit Strom beschalten muss, wenn man nicht hinter das Rack krabbeln möchte.

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