Gitarre
Test
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21.08.2018

Spector Timbre Test

Viersaitiger Akustikbass

Vater des Edelbasses – unplugged!

Stuart Spector zählt zweifellos zu den bedeutendsten Innovatoren im Bassbau. Zusammen mit Ned Steinberger entwarf er 1979 ein revolutionäres und mittlerweile legendäres Korpus-Design, und die darauf basierenden NS1- oder NS2-Modelle haben verdientermaßen einen festen Platz in der "Hall Of Fame". Stuart Spector gilt als einer der Väter des modernen Edelbasses und inspirierte zudem viele andere Bassbauer dazu, ebenfalls neue Wege zu gehen. Bis vor kurzem bestand die Modell-Palette bei Spector hauptsächlich aus diversen Variationen des NS1- oder NS2-Modells, die entweder aus amerikanischer, tschechischer (mit dem Beinamen "Euro") oder asiatischer Fertigung (Legend-Serie) stammen. 2016 folgte aber dann eine Ankündigung, welche die Basswelt aufhorchen ließ: Spector betritt erstmalig völlig neues Terrain und stellt einen Akustikbass namens Timbre vor ‑ das macht natürlich neugierig! Ein wenig mussten wir uns in Europa noch gedulden, bis die ersten Exemplare des Timbres eintrafen, aber seit einiger Zeit ist es soweit. Ob sich das Warten gelohnt hat, wird sich heute mit einem ausführlichen Test zeigen!

Details

Der erste Blick auf den Timbre lässt schon erahnen, wo die Reise hingeht: Der cleane Look ohne jegliche barocken Inlays aus Abalone und überflüssigen Schnörkel zeigt gleich, dass man sich hier auf das Wesentliche konzentriert hat. Details, welche vielleicht schön aussehen, aber nichts zum Klang beitragen, finden sich nicht. Ich persönlich mag derartige optische Schlichtheit auch viel lieber, denn sie verströmt eine gewisse zeitlose Eleganz und ein nobles Understatement. Aber das ist eindeutig Geschmackssache und darüber lässt sich bekanntlich streiten. Das wollen wir natürlich nicht und kommen lieber zu den harten Fakten.

Der Timbre besitzt eine massive Fichtendecke mit einem ovalen Schallloch. Dieses liegt relativ weit oben und nicht mittig in der Decke, wie bei vielen anderen Bässen. Auf diese Weise rückt es etwas in Richtung Spieler, der sich dadurch besser hören kann. Boden und Zargen bestehen aus mehreren Streifen Sapele, einem Holz aus der Mahagoni-Familie. Der Hals wurde ebenfalls aus Sapele gefertigt, das Griffbrett aus Palisander (Rosewood). Der gesamte Bass - mit Ausnahme des Griffbrettes - wurde in einem dünnen Matt-Finish gehalten.

Die beschriebenen Hölzer sind übrigens die einzigen Optionen, die zur Auswahl stehen. Dies dient in erster Linie dazu, die Produktionskosten und somit auch den Verkaufspreis wettbewerbsfähig zu gestalten. Optisch gibt es drei Varianten: Natur, Schwarz und Walnuss (rötlich).

Von den Erfolgsmodellen NS1 und NS2 übernommen wurde die Kopfplatte; auf diese Weise bleibt auch im Timbre ein Teil der firmeneigenen Corporate Identity erhalten! Die Stimmmechaniken hat man im Verhältnis 2:2 angebracht, und die Mensur des Timbres beträgt wie bei einem E-Bass 34 Zoll (86,4 cm).

20 Bünde gilt es für den Spieler zu erobern und das großzügige untere Cutaway macht diese auch schön zugänglich. Relativ unüblich bei Akustikbässen ist die hier verwendete Bolt-On-Konstruktion. Durch vier Schrauben wird der Hals an einem massiven Sapele-Block im Inneren des Timbres mit dem Korpus verbunden. Das wirkt zu der sonst üblichen Methode des eingeleimten Halses etwas rustikaler, klanglich gibt es jedoch Argumente für beide Versionen. In dem elegant geformten Steg aus Palisander lassen sich die Saiten einhängen und per Pin befestigen: eine schlichte, aber recht effiziente Methode!

Der Timbre ist zwar ein Akustikbass, lässt sich aber natürlich auch verstärken. Dafür ist als Tonabnehmer ein Fishman Sonicore Undersaddle an Bord, welcher in den Steg integriert wurde. Der dazugehörige Preamp namens Presys bietet einen Dreiband-Equalizer mit Bässen, Mitten und Höhen. Zusätzlich gibt es einen Notch Filter zur Reduzierung von Feedbacks, einen Brilliance-Regler und einen Schalter zur Phasenumkehr, falls es mit dem verstärkten Signal zu Auslöschungen im Frequenzband kommen sollte. Obendrein hat der Preamp noch ein Stimmgerät an Bord. Aktiviert man dieses per Knopfdruck, so wird der Pickup automatisch stumm geschaltet. Die Klinken-Buchse für das Instrumentenkabel verbirgt sich in dem Gurtpin in der Zarge.

Insgesamt wirkt der Timbre sehr solide verarbeitet. Ein, zwei kleine Schönheitsfehler muss ich feststellen (kleine Farbunregelmäßigkeiten im Lack), aber nichts, was die Spielfreude wirklich trüben würde. Vor allem angesichts des Preises ist die vermittelte Wertigkeit eher erstaunlich. Stuart Spector scheint hier einen Weg gefunden zu haben, an der richtigen Stelle zu sparen (keine Abalone-Einlagen, mattes Finish, nur eine Holzkombination ...) und nicht an der wichtigen Substanz des Instruments!

Ehe wir nun im Praxisteil fortfahren, habe ich für einen ersten Eindruck für euch ein kleines Video mit ein paar Soundbeispielen produziert.

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