Bass Hersteller_Stuart_Spector_Design_LTD
Test
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06.04.2017

Spector Euro5 LX Test

E-Bass Fünfsaiter

US-Klassiker, made in Europe

Der Spector Euro5 LX gilt als die fünfsaitige Euro Edelvariante des so bekannten und beliebten USA Spector NS Kultbasses. Vor nicht allzu langer Zeit testete mein geschätzter Kollege Rainer Wind den Spector Rebop 5 Deluxe Bass, der eine preiswerte Variante des klassischen Spector NS Basses mit geschraubtem Hals darstellt. Wie er im Test erwähnte, lässt Stuart Spector seine von Ned Steinberger designten Bässe bereits seit den frühen Neunzigern für seine erschwinglichere "Euro-Serie" in der Tschechischen Republik herstellen. Sein erklärtes Ziel dabei ist nicht weniger als eine "günstige Fertigung ohne qualitative Kompromisse". Das hierfür auserkorene Herstellerland ist eine gute Wahl, denn Tschechien hat eine große Tradition im Instrumentenbau und ist eine Top-Adresse, wenn es um hochqualitatives Handwerk geht.

Das für den heutigen Test auserkorene Instrument schaltet die Klassenstufe noch einen Gang höher und hört auf die Bezeichnung Spector Euro5 LX. Dabei ist dieser Bass immer noch gut 50% günstiger als das in den USA gefertigte Original. Wir wollen herausfinden, was sich hinter diesem "Schnäppchen" verbirgt.

Details

Der 4,8 kg wiegende Spector Euro5 LX wird ohne Koffer ausgeliefert, wobei die Option besteht, sich für etwas mehr als 200 Euro ein original Spector-Case zu leisten oder sich für die moderne und solide Gigbag-Alternative zu entscheiden. Klar sollte aber auf jeden Fall sein, dass dieses Budget beim Kauf berücksichtigt werden muss, sofern man nicht bereits über eine passende Transportmöglichkeit verfügt, denn das, was ich da aus dem Karton hebe, wirkt sehr, sehr edel. Von der ersten Sekunde an erscheint das Instrument haptisch und optisch wertvoll. Mein persönliches "Erfahrungs-Preisschild" würde ihn auf jeden Fall in der "3500-plus-Liga" vermuten - doch wir wissen es ja besser und analysieren weiter.

Der komplette Bass inklusive Halsrückseite ist hochglanzlackiert. Die Farbe des Testinstrumentes nennt sich Black High Gloss. Spector bietet derweil auch weitere Farbtöne an: Black Cherry Gloss, Natural Matte, Ultra Amber Gloss und Exotic Poplar Burl Top/Natural Gloss. Die schwarze Färbung lässt transparent die schöne Maserung des Holzes hervortreten. Unter dem Klarlack kann man entsprechend die aparte Ahorndecke des Spector-typisch geschwungenen und nach hinten gewölbten Korpus erkennen. Die Decke wird getragen von einem Erlekorpus und einem kleinen Trennstreifen aus Walnuss am Korpus-Deckenübergang. Der durchgehende, dreiteilige Ahornhals mit Palisandergriffbrett, markiert mit Spectors Trademark-Perlmutt "Kroneninlays" und ausgestattet mit 24 Bünden, ist außer mit dem gängigen Halsstellstab zusätzlich innen mit Graphitstäben verstärkt. Der Hals-Korpusübergang liegt im Bereich des 21. Bundes, der 22. Bund ist noch leicht erreichbar, die letzten beiden Bünde verlangen ein minimales Stretching der Greifhand. Die Mensur wurde leicht verlängert auf 35" (88,9cm), was zu einer etwas höheren Saitenspannung führt und sich vornehmlich in einer deutlicheren Ansprache der B-Saite bemerkbar machen soll.

Oberhalb des Messingsattels befindet sich an der angewinkelten Kopfplatte der Zugang zur Halsstellschraube, der von einem dreipunktverschraubten Kunststoffplättchen verschlossen wird. Die Kopfplatte des Fünfsaitermodells unterscheidet sich deutlich vom klassischen Spector NS 4-Saiter und ist kleiner, nach oben hin verjüngt und nicht auseinanderlaufend wie beim 4-Saiter. Die goldfarbenen, kleinen verkapselten Schaller-Mechaniken sind in 3-zu-2-Anordnung verteilt, wobei die drei Mechaniken der tiefen Saiten (B/E/A) so passgenau sitzen, dass sich zwischen den Mechanikflügeln kaum noch Luft befindet, sobald sie parallel ausgerichtet sind. Einerseits mag das Stimmen dadurch gelegentlich etwas "spitzfingrig" ausfallen, aber die Mechaniken laufen in Verbindung mit dem Messingsattel absolut reibungsfrei und sanft. Selten habe ich ein so "hakelfreies", gleitendes Stimmgefühl erlebt.

Die goldene Hardware passt sehr gut zum edlen Erscheinungsbild des Spector Euro5 LX. So auch die Zink-Messingbrücke, die gekonnt und passgenau im Korpus versenkt ist. Bei ihr handelt es sich um eine 2-D Locking Bridge mit Quickchange-Saitenaufhängung. Die einzelnen soliden Reiterböckchen lassen sich in Höhe und Intonation verstellen. Das Spacing ist fest vorgegeben und lässt sich nicht verändern. Die Reiter können mittels zweier seitlich im Bridgerahmen sitzenden Madenschrauben fest verankert werden, sodass sie sich weder in der Höhe, noch in der Intonation ungewollt verstellen können, auch Rasseln und Resonieren einzelner Bridgekomponenten wird dadurch vermieden.

Der hintere der beiden Schaller Straplock-Gurtpins ist nach oben hin versetzt angebracht, sitzt also in der oberen Korpuskurve und nicht mittig hinter der Brücke. Das sorgt für eine veränderte Hängeposition, bei der der Hals stärker nach oben ausgerichtet ist und weniger waagerecht hängend. Am Gurt zieht der Hals nicht nach unten. Durch die Verlängerung der Mensur und die Position des hinteren Gurtpins kommt es zu einer leichten Mittelpunktverlagerung des Instrumentes, auf die ich im Praxisteil noch eingehen werde.

Zwei EMG Soapbar-Tonabnehmer vom Typ EMG-CS TW schmücken den Spector Euro5 LX. Positionell sind sie eher zentral angeordnet und relativ nahe zueinander, jedoch in gesundem Abstand zu Steg und Halsende und damit in einer Region, in der die Saiten eine Schwingungsauslenkung haben, die weder zu höhen-, noch zu basslastig sein dürfte. Die Pickups bergen die Besonderheit in sich, sowohl Humbucker-, als auch Singlecoil-Funktionen zu bieten, welche sich mittels Push-/Pull Volumepotis abrufen lassen. Entsprechend finden wir getrennte Lautstärkeregler für Hals- und Stegtonabnehmer, ausgestattet mit einer Push-Pull-Funktion, wobei die Standardausrichtung der Humbuckerbetrieb ist und die Singlecoilfunktion des entsprechenden Tonabnehmers dann aktiviert wird, wenn das korrespondierende Volume-Poti herausgezogen wird.

Die Tonzentrale bildet eine aktive 2-Band Klangregelung, die sich Spector "Tone Pump" nennt. Sie wurde von der tschechischen Firma "Petr Michalik Designs, Ltd." im Jahr 2002 für Spector entwickelt und gebaut und läuft auch unter der Bezeichnung BP-4. Es ist eine Schaltung, basierend auf JFET (Sperrschicht-Feldeffekttransistor), der herstellerseitig eine sehr schnelle Reaktionszeit und somit hohe tonale Artikulation bescheinigt wird. Etwas verwirrend sind die technischen Angaben seitens Spector bezüglich einer "18dB Boost only" Klangregelung. Dem widerspricht Spector in der Bedienungsanleitung und sagt, dass die Poti-Nullposition nicht einem linearen Frequenzgang entspricht, sondern dieser in etwa erreicht wird, wenn man Höhen- und Bassregler leicht aufdreht. Es existieren keine Markierungen und auch keine Potiraster, die eine exakte Ermittlung etwaiger Positionen ermöglichen würde. Herrschendes Gesetz ist also alleine das Gehör.

Entsprechend den Angaben auf der Michalik Website handelt es sich um eine Klangregelung mit +12dB Gain, und EQs mit den Regelbereichen:

Bass: +14dB/-4dB @ 55Hz

Treble: +14dB/-4dB @ 6,5kHz

Daran erkennt man, dass die Klangregelung definitiv nicht nur "boost only" ist, sondern eben auch Frequenzen absenkt. Die Kappung der besagten Frequenzbereiche entspricht auch dem Hörempfinden, das sich im Praxistest ergibt, wenn man den Bass mit den Potis der Klangregelung in Nullposition spielt.

Warum Spector hier in seinen Spezifikationen andere Angaben macht, ist nicht ganz nachzuvollziehen. Vielleicht ist es einfacher, mit dem Denkansatz von einer "boost only" Position auszugehen, statt erklären zu müssen, warum die Potis keine "Linear-Raste" oder sonstige Markierung besitzen. An den klanglichen Tatsachen ändert ja eine Skalierung nichts und zum generellen Soundcharakter des Spector Euro5 LX werden wir gleich kommen, nachdem ich die Position der Klinkenbuchse an der unteren Korpuskurve lokalisiert und mich noch kurz dem Elektronikfach gewidmet habe.

Das Elektronikfach wird von einer fünffach verschraubten schwarzen Kunststoffplatte abgedeckt, wobei die Schrauben in versenkten Messinggewinden sitzen. Nicht ganz so gelungen erscheint - im insgesamt doch sehr hochwertig anmutendem Gesamtbild des Spector Euro5 LX - dass der Deckel des E-Fachs aus Kunststoff ist und zudem nicht bündig versenkt, sondern einfach auf den Korpus geschraubt wurde. Infolgedessen steht er in seiner vollen Höhe über, bildet also keine ebene Fläche zum Rest der Korpusrückseite. Das hätte man schöner lösen können. Für die vorhandene Lösung spricht allerdings, dass die Bauteile, vor allem die der Push/Pullpotis, sehr weit in das Elektronikfach hineinragen und ein versenkter Deckel sie eventuell berührt hätte.

Im Inneren des mit Abschirmlack verkleideten Fachs ist auch die 9V-Batterie verstaut. Sie ist etwas unglücklich hinter das Poti des Halstonabnehmers geklemmt, an eine Standard-Batterieklemme geheftet, eingewickelt in etwas Schaumstoff und fixiert mit recht kurz geratenem Klettband. Man muss kein Prophet sein, um hier eine kleine Kummerstelle vorherzusagen. Auch wenn der Batterie eine wirklich sehr lange Lebensdauer von 420 bis zu 1000 Stunden (Alkaline) zugestanden wird, so wird man schon aus Sicherheitsgründen doch öfters wechseln oder zumindest kontrollieren wollen. Daher wäre ein separates und isoliert zu öffnendes Batteriefach sicherlich auch keine schlechte Idee gewesen. Aber vielleicht bin ich auch nur zu sehr geschädigt von diversen Stromfresser-Elektroniken und deshalb ein wenig 9Volt-paranoid geworden.

An dem verkapselten Bauteil der "Tone Pump"-Elektronik befindet sich ein kleines Poti, mit dem sich optional die Ausgangslautstärke (Gain) verändern lässt. Es kann durchaus sein, dass der eine oder andere davon Gebrauch machen wird, um den Gain zu drosseln, denn besonders im Verbindung mit der Klangregelung verfügt der Bass schon über einen sehr hohen Output. Das kann eine Bassvorstufe durchaus in Verlegenheit bringen, sollte sie keine Anpassung bzw. Inputgain-Absenkung für aktive Bässe besitzen.

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