Test
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14.08.2018

Praxis

Halt(er)ungssache

Direkt beim Aufbauen des Soyuz SU-023 „Bomblet“ staune ich etwas: Die Halterung hat nicht genug Gewindeweg und könnte bei Unachtsamkeit abfallen, wenn man das Mikro gegen den Ständer verdreht. Vielleicht will man aber sowieso eine externe Spinne (wie etwa eine Rycote USM) verwenden, denn besonders trittschallunempfindlich ist die Konstruktion ebenfalls nicht. 

Karakterkoff…

oder zumindest „Charakterkopf“ beschreibt das Soyuz klanglich recht gut. Und tatsächlich, es ist ein reich klingendes Mikrofon. Vor allem Stimmen klingen dadurch nah und „groß“, aber gleichzeitig ist die Detailtreue immer außerordentlich hoch. Das SU-023 hat wenig „Holz“ im Klang, ist als fokussiert und höhenreich gut beschrieben. Ganz toll ist der deutlich vorhandene Bassbereich, der bei vielen männlichen Sängern die Brustraumresonanzen hervorhebt – gleichzeitig bleibt aber selbst ein nahes „P“ erstaunlich flott und schlank. Auch bei kurzen Abständen zur Schallquelle gerät nichts ins Schwimmen oder Wummern. Überhaupt Vocals: Das Mikrofon scheint für die menschliche Stimme optimiert und gefällt wirklich, wirklich gut. Im Mix werden vielleicht die knusprigen Höhen etwas zu viel des Guten sein, rufen damit aber geradezu nach einem Spulen-Shelf à la Neve 1073 oder der Attenuation mit einem Pultec-EQ. Im Vergleich erkennt man, wie viel „einfacher“ das Mojave MA-201FET klingt, ein Mikrofon, das vor zehn Jahren als eines der besten FET-Großmembran-Nieren unter 1000 Euro gelten durfte. 

Mikrofondisziplin wird verlangt

Recht extrem ist, wieviel Mikrofondisziplin das Soyuz SU-023 von Sänger oder Sängerin verlangt. Mit dem Sänger, der auf den Soundbeispielen zu hören ist, habe ich enorm Glück, denn er kann sich auf dem festgelegten Abstandspunkt geradezu festtackern. Hampelt jemand aufgeregt vor dem Mikro hin und her oder wiegt sich mit der Musik zur Seite, dreht den Kopf zu Mitmusikern, guckt durch die Regieraumscheibe oder gar zum Textblatt (Pfui!), straft das 023 direkt ab: Abseits des kleinen Sweet-Spots gibt es durchaus markante und das Klangbild ändernde Einbrüche im oberen Spektrum. Jenseits der 30 Grad kommen teilweise enorme Phasenlöcher und -überhöhungen hinzu. Zudem wird das Soyuz dann auch schnell sehr poppempfindlich. Also: Eine möglichst konstant positionierte Schallquelle und ein nicht zu reflektives Außenrum sind sehr ratsam, wenn man das Soyuz SU-023 einsetzen will. Aber diese Bemühungen werden schließlich auch belohnt!

Besonderheit Pad

Dynamisch gibt es nichts auszusetzen: Das Eigenrauschen ist völlig in Ordnung, die Klangcharakteristik ändert sich nur unwesentlich mit dem Pegel. Mit der Trompete getestet zeigt sich, dass bei höheren Schalldruckpegeln die Harmonischen angenehm kontrolliert und sanft in den Vordergrund treten. Eine kleine Besonderheit: Üblicherweise liefere ich die Soundbeispiele für das Pad nicht mit. Hier aber schon, denn das Schraub-Dämpfungsglied ändert den Klangcharakter doch in nicht unerheblicher Weise. Schon das unpassende Äußere rät dem User ja schon eigentlich dazu, es wegzulassen, wenn es die Positionierung und die Schallquelle hergeben. Auf die Contra-Liste des Tests schafft es dieser Umstand auch nicht, ich verbuche es unter "Dreingabe, auf die man getrost hätte verzichten können".

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