Hersteller_Sonor Genre_Metal
Test
4
11.12.2009

PRAXIS
Nehmen wir doch erst mal das Schlagfell ab. Siehe da: Der 1 mm starke Kessel macht – wie sollte es auch anders sein – einen hochwertigen Eindruck. Die Kesselnaht ist einwandfrei verarbeitet und hinterlässt auch keine Spur in der Fellauflagekante. Letztere beträgt übliche 45° und befindet sich wie der gesamte Kessel in tadellosem Zustand.  

Die Verchromung rundherum ist nicht ganz „Rolls Royce“ aber auf jeden Fall hübsch genug. Die Kessel-Hardware samt Typenschildern ist außenseitig mit Kunststoffunterlagen vom Kessel isoliert. Innenseitig findet man keine Plastikunterlagen, sondern die bei Metallsnares üblichen Distanzhütchen. Die Typenschilder sind nach alter Sonor-Tradition geschraubt und nicht genietet. Wie schön! Die „Throw Off“-Snare-Abhebung aus Kunststoff harmoniert nicht ganz hundertprozentig mit dem schicken Signature-Badge. Aber auch wenn Schlitten und Hebel etwas wackelig scheinen, funktioniert sie gut und macht den Eindruck, auch nach längerer Zeit noch ihren Dienst tun zu werden.  Der Teppich lässt sich übrigens mit Vierkant-Schrauben montieren. Apropos Teppich: Dieser ist leider kein „Soundwire“, sondern ein Standard 20-Spiralen-Stahl-Modell. Das Snarebed bietet aber mit etwa 12 cm Breite auch noch Platz für ein paar mehr Spiralen.

Die Doppelböckchen im Stil der „S-Classix“ oder „Delight“ Snares sind mit der „TuneSafe“-Verstimmsicherung ausgestattet. Diese greift recht früh und macht damit den Fellwechsel etwas zeitaufwändig, funktioniert aber gut und gleichmäßig und hat die Stimmschrauben und damit auch die ebenfalls hochwertig wirkenden Guss-Spannreifen fest im Griff. Eins sei noch vor dem Soundcheck erwähnt: Beim Vorstimmen zu Hause stießen die vier Stimmschrauben am Snarebed auf der Unterseite der Trommel mit dem Spannreifen zusammen und blockierten, noch bevor wirklich Spannung ins Fell gebracht war. So wird man zwar nie in die Verlegenheit geraten, ein Fell durch Überdrehen zu zerstören, aber an diesem Punkt ist eben Schluss mit Kurbeln, und damit der Stimmfreiheit eine Grenze gesetzt. Hier lohnt es sich vielleicht, noch mal ein Fell mit niedrigerer „Krempe“ zu probieren.

Sound
Messing around ist das Motto! In der Phil Rudd Signature-Snare steckt viel mehr als nur Phil Rudd, auch wenn das sicherlich schon genug wäre. Messing ist einfach ein tolles Material für Snaredrums. Der Kessel ist zwar sehr singfreudig, aber zusammen mit den Guss-Spannreifen tut er es auf eine angenehme, runde und voluminös-warme Art (Hmm.. Klang in Worte fassen „klingt“ manchmal komisch, deswegen hört selbst!).

In hohen Stimmungen ist ihr Sound sehr knackig und lädt zum „Rimshotten“ ein. Dabei behält sie– Messing sei Dank – eine erdige Schwere (klingt wie bei einer Weinprobe…erdige Schwere im Abgang…). Dasselbe gilt natürlich auch für mittlere Stimmungen. Hier sorgt besagte Schwere für sehr gute Durchsetzungskraft und hier fängt Madame auch schon an, ihre Qualitäten als Backbeat-Macherin zu offenbaren (Phil, ick hör dir trapsen!). Nebenbei besitzt sie eine auffällige „Frische“. Das bedeutet, dass man auch mit viel Dämpfung nicht Gefahr läuft, einen muffigen oder dumpfen Ton zu bekommen. Und sie ist ein Scheinriese! Denn je tiefer man sie stimmt, desto größer scheint sie zu werden. Eigentlich gefällt sie mir sogar am besten in tiefen Stimmungen. Ohne Dämpfung singen die Obertöne hier richtig schön. Man hat sehr großen Spielraum über verschiedene Dämpfungen den Sound zu verändern. Richtig tot gemacht (also stark bedämpft) „bummst“ sie fantastisch, so dass die Mitmusiker sicher nicht vergessen, wo die Zählzeiten Zwei und Vier zu ertönen haben!

Die spannende Frage aber war ja eigentlich: „Bekommt man AC/DC-Sound aus der Phil Rudd Signature Snare?“ Uuund die Antwort ist: Highway to Hell, Yesss! Und es war gar nicht schwierig!

Für alle, die es selbst einmal probieren möchten kommen hier die Zutaten:

-1 Phil Rudd Signature Snaredrum
-1 klares Remo CS Fell (das mit dem schwarzen Center-Dot)
-1 Rolle Gewebeklebeband
-1 SM 57 am oberen Fell
-1 MD 421 am unteren Fell


Zubereitet wird wie folgt: Schlagfell gleichmäßig und nicht zu tief stimmen (siehe Audiobeispiele AC/DC Stimmung ohne Dämpfung). Gleichmäßige Grundspannung auf das Resonanzfell bringen. Stimmschrauben am Resofell entlang des Snarebeds ordentlich anziehen. Dann ebenfalls den Teppich relativ fest spannen, damit er schön kurz klingt. Jetzt den evtl. verlorenen Bass durch gleichmäßiges Lösen der restlichen Stimmschrauben des Resofells reaktivieren. Zum Schluss knapp die Hälfte (!) des Schlagfells mit Gewebeklebeband abkleben, das die obertonreichen Schwingungen abfedert, fertig! Alles was jetzt noch fehlt, ist eine Tonbandmaschine (für die Bandsättigung und Kompression) und eine echte 3 x 3 Meter große Hallplatte, wie z.B. bei „Highway to Hell“. Na gut, es geht natürlich auch stattdessen mit Plug-Ins. Viel Spaß!

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