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13.04.2019

So sollte man einen Gitarrenverstärker niemals einsetzen

Gitarrenverstärker richtig einstellen, anschließen und aufstellen

Die häufigsten Fehler mit dem Gitarren-Amp

Auch wenn viele Gitarrenamps eher eine überschaubare Anzahl an Regeloptionen haben, bieten auch die schon eine ganze Reihe von Fallstricken beim Einstellen des Sounds, die sich im ungünstigsten Fall auch noch addieren. Eine Vielzahl von Anschlüssen soll eigentlich für einen variablen Einsatz sorgen, aber ein Stecker in der falschen oder kein Stecker in der richtigen Buchse kann unter Umständen sogar den Verstärker kosten.

Deshalb beschäftigen wir uns in diesem kleinen Ratgeber mit den Do's und Don'ts rund um unseren Gitarrenverstärker. Wie sich Einstellungen negativ oder positiv auf den Sound auswirken, was an welchen Anschluss gehört und nicht zuletzt auch, wie und wo unser Amp für den besten Sound positioniert werden sollte. Hier stellen wir euch einige Lösungsmöglichkeiten vor.

Quick Facts:

  • Röhrenendstufen benötigen einen Lastwiderstand. Daher niemals eine Endstufe ohne angeschlossen Box oder Dummy Load einsetzen.
  • Amps besitzen unterschiedliche Regeleinheiten für den Klang (Tonestacks). Seinen Sound sollte man deshalb immer nach Gehör und nicht nur nach Vorgabe einstellen.
  • Zu viel Gain nimmt dem Sound Definition und Punch. Häufig klingen Zerrsounds mit weniger Gain wesentlich druckvoller und unter Umständen auch härter.
  • Den Amp immer im Kontext einstellen, z.B bei einer Probe oder zu einem Playback. Isoliertes Einstellen zeigt meist nicht, wie er sich im Bandsound tatsächlich einfügt.
  • Box so aufstellen, dass die Schallwellen eure Ohren treffen. Auf dem Boden sieht sie cool aus, agiert aber akustisch nicht immer sinnvoll.

1. Röhrenendstufe ohne Lautsprecher spielen

Gitarrenamps sind mit Speaker-Ausgängen versehen, die die Endstufe mit dem Cabinet verbinden. Diese Verkabelung findet bei Combos innerhalb des Gehäuses statt und bei Stacks via Boxenkabel zwischen Topteil und Cabinet. Der Gitarrenspeaker fungiert als Lastwiderstand und nimmt die Energie der Endstufe auf. Verzichtet man vor allem bei Röhrenverstärkern auf den Anschluss eines Speakers oder einer anderen Last, baut sich eine Überlast im Ausgangstrafo auf und der Amp nimmt Schaden. Daher unbedingt sicherstellen, dass ein Cabinet oder aber ein Lastwiderstand (Load Box, Power Soak o.ä.) mit dem Speaker-Out verbunden ist. Übrigens: Es gibt Solid-State-Amps oder auch Röhrenverstärker mit DI-Out, die nicht alle zwangsläufig eine Last benötigen, wenn man diesen Direktausgang verwendet. Hier hilft ein Blick in die Bedienungsanleitung.

2. Reglersettings wörtlich nehmen

Gitarrenverstärker sind häufig mit rudimentären EQs ausgestattet, mit denen man den Sound grundlegend anpassen kann. Diese bestehen meist aus Bass-, Mitten -und Höhenregler. Interessanterweise fallen die Tonestacks und auch der Wirkungsgrad der Klangregelung je nach Amptyp vollkommen anders aus. Hier gilt es, beim Sound-Einstellen die Ohren und nicht die Augen zu nutzen.

Regler können hier auch interaktiv arbeiten und das mittige Setting muss nicht immer das klangneutralste sein. Ein gutes Beispiel für extreme EQ-Settings sind Tweed Fender Bassman- oder Marshall JTM45-Modelle, bei denen es durchaus üblich ist, den Bassregler auf das Minimum und Mitten und Höhen auf Maximalwerte zu setzen, ohne dadurch einen extremen Sound zu erhalten.

Generell ist es auch ratsam, den Mitten eine besondere Bedeutung beizumessen. Die Gitarre hat gerade in diesem Frequenzbereich ihren Platz im Mix und auch wenn es manchmal subjektiv angenehmer klingt, die Mitten herauszudrehen, beraubt man sich dadurch häufig der Durchsetzungskraft im Bandgefüge.

3. Zu viel Gain einsetzen

Rockriffs und Soli sind häufig leichter und angenehmer zu spielen, wenn man den Gainregler weit aufreißt. Bei Soli hat das durchaus Berechtigung, bei Rhythmusparts allerdings sollte man aufpassen, dass trotz des Wunschs nach mehr Zerre die Definition und auch die Präsenz erhalten bleiben. Zu viel Gain führt oft zu verwaschenen Attacks, d.h., gerade wenn man einen harten und "punchigen" Anschlag sucht, kommt man mit einem moderaten Gainsetting oft eher zum Ziel.

Experimentiert selbst, wie viel Verzerrung tatsächlich notwendig ist, um euren gewünschten Sound zu erhalten. Ganz nebenbei dankt euch das der Sound auch durch weniger Nebengeräusche

4. Ampsound isoliert einstellen

Viele Gitarristen begehen den Fehler, ihren Sound zuhause unter isolierten Bedingungen einzustellen und sind dann verwundert, wenn sie im Bandkontext untergehen. Mein Tipp lautet hier: Stellt euren Amp immer zu einem Playback oder innerhalb der Probe ein, denn nur so könnt ihr sichergehen, dass die Gitarre auch ihren richtigen Platz neben den anderen Instrumenten findet und Präsenz und Durchsetzungsfähigkeit erhält. Unter Umständen werdet ihr dabei feststellen, dass ihr einen Sound erhaltet, der für sich alleine genommen vollkommen anders klingt, als er sich im Kontext verhält. Aber das ist vollkommen in Ordnung, denn es sollte ja primär um den Bandsound gehen.

5. Falsche Amp-Positionierung

Häufig begehen Gitarristen den Fehler, ihr Cabinet direkt auf den Boden zu stellen und sich dann unmittelbar davor zu positionieren, sodass der Gitarrensound ordentlich gegen die Kniekehle bläst, aber im Ohr wenig davon ankommt. Aufgrund des Abstrahlwinkels des Speakers stellt sich die Situation für die anderen Bandmitglieder und das Publikum häufig anders dar, die in den Genuss des viel zu lauten Gitarrenbretts und des "Beams" des Speakers kommen. Hinzu kommt, dass der FOH beim Live-Gig nur noch eingeschränkte Möglichkeiten hat, einen guten Bandsound zu mischen.

Versucht daher am besten, das Cabinet entweder leicht zu kippen, oder aber in einer erhöhten Position zu platzieren, sodass die Speaker euch ordentlich anstrahlen und dadurch auch eine niedrigere Lautstärke nötig wird. Auch technische Hilfsmittel wie das Deeflexx können hier extrem hilfreich sein.

Test

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