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Test
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02.07.2013

Praxis

Multibandkompression ist generell etwas schwerer zu beherrschen als Singleband-Processing. Das liegt aber an der Natur der Sache, etwa den zahlreichen Parametern, und ist nicht per se bestimmten Geräten anzukreiden. Wenn die Lernkurve beim SM Pro MBC502 also etwas steiler ausfällt, so nehmen wir dies hin, ohne dem Gerät selbst einen Strick draus zu drehen.

Es fällt allerdings auf, dass die Bedienung des MBC502 aufgrund der kleinen und sehr eng beieinander stehenden Bedienlemente nicht ganz unkompliziert ist. Der Mäuseklavierfaktor ist hier auf jeden Fall deutlich größer als bei anderen 500-Modulen, und das ist nicht ganz so schön. Nun muss die Frontplatte auch eine ganze Menge Potis, Schalter und Anzeigen beherbergen, aber es drängt sich der Eindruck auf, dass beim Design eher der Grundsatz „Function follows form“ befolgt wurde, als – wie wünschenswert – das Gegenteil davon. Ein etwas luftigeres Arrangement der Bedienelemente ohne dieses pinke Alu-Element hätte eventuell noch ein paar Platzressourcen freigeschaufelt. Nun denn, dies sind Äußerlichkeiten, die zwar nicht ganz unwichtig sind, die aber auch nicht den Blick auf das wesentliche, den Klang verstellen sollten.

Kommen wir also zur Frage aller Fragen: Was stellt man denn mit einem Mono-Zweibandkompressor überhaupt schönes an? Der Schlüssel zur Antwort liegt in folgender Denkweise: Man darf solch ein Gerät nicht nur als Dynamiktool betrachten, sondern auch und gerade als Werkzeug, um den Frequenzgang zu bearbeiten. Würde man nicht so denken, so könnte man auch einfach einen Fullrange-Einbandkompressor verwenden. Die Zweibandigkeit bietet sich immer dann an, wenn man einzelne Frequenzbereiche gezielt bearbeiten möchte, und nicht immer müssen beide Bänder auch Pegelreduktion erzeugen. Weniger ist bei mehrbandigen Tools oftmals mehr! Um das zu verdeutlichen werfen wir einen Blick auf auf das Bass-Klangbeispiel. Wir wollen hier mehr Bassfundament herauskitzeln und setzen die Trennfrequenz beider Bänder oberhalb des Grundtonbereiches, etwa bei 150 Hz. Wenn wir diesen nun unangetastet lassen und alles oberhalb dieser Frequenz kräftig kompromieren, entsteht ein volumiöses, bassstarkes Signal, das sich bestens als Fundament einer Mischung eignet. Aus Spaß schalten wir anschließend das obere Band ganz ab – übrig bleibt ein dubbiger Sound, der sich als Spezialeffekt oder als Grundsound für gewisse Genres ebenfalls sehr gut macht.

Bei den Vocals denken wir genau anders herum: Die Grenzfrequenz sitzt nun bei 3,6 kHz – wir komprimieren nun nur die „untere Hälfte“ des Signals und lassen die Hochmitten und die Luftfrequenzen intakt. Reißen wir nun das Höhenband unkomprimiert weit auf, so sorgt dies für mehr Glanz und Hauch, auch ein schöner Effekt.

Diese beiden Beispiele nur als Grundgedanken, als mögliche Anwendungsbeispiele des MBC502. Spinnt man dieses Komzept weiter, so lassen sich für viele Situationen passende Settings finden, mit denen man Ergebnisse erzielen kann, die man nur mit einem Kompressor oder einem EQ so ohne weiteres nicht erzielen würde.

Der Sound des MBC502 bleibt dabei größtenteils transparent. Der Kompressor macht das Signal angenehm wenig kaputt, auf der anderen Seite fügt er aber auch kaum euphonische, signalverschönernde Effekte hinzu. Das ist völlig in Ordnung, es handelt sich hier dann eben um ein Werkzeug, bei dem die eigentliche Funktion im Vordergrund steht und nicht etwaige Nebeneffekte. Die eigentliche Kompression des MBC502 arbeitet unabhängig von der Single- bzw. Multiband-Frage ziemlich smooth und liegt damit voll auf der Linie anderer aktueller Dynamiktools mit optoelektronischem Regelelement. VCA-mäßige Aggressivität bietet das Teil nicht, eher ein sanftes, aber bestimmtes Leveling, wobei der MBC502 mit schnellen Zeitkonstanten trotzdem recht „grabby“ werden kann – aber eben in kultivierten Maßen. Mit längeren Release-Werten lässt sich dieses Verhalten etwas zähmen. Mit dem eher auf Klarheit ausgelegten Signalweg und diesem Kompressionsverhalten bleibt aber klar: Das Ziel des MBC502 ist nicht charaktervoll schnaufende Pegelreduktion etwa à la 1176, sondern es geht darum, mit einem geschmeidig-sauberen Klangverhalten die Möglichkeiten zweibandiger Dynamikbearbeitung auszuloten.

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