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18.12.2014

Slate Digital Virtual Mix Rack (VMR) Test

EQ- und Compressor-Plug-In

Crème de la Crème

Slate Digital Virtual Mix Rack (VMR) im Test bei bonedo – Nach zwei Jahren exzessiven Developments von Steven Slate und seinem „Algorithmus-Guru“ Fabrice Gabriel wird nun endlich das Slate Digital Virtual Mix Rack – kurz VMR – auf die Producer-, Mixer- und Musikerwelt losgelassen. Die Erwartungen sind entsprechend hoch, da Steven Slate selbst das VMR schon vor vielen Monaten in diversen Foren angekündigt hat. Als Beta-Tester des Slate Digital Teams durfte ich das Virtual Mix Rack seit nunmehr fast drei Monaten täglich in meinen Produktionen und Mixen ausgiebig testen. Und soviel vorweg: Es ist ziemlich geil!

Im Design einer virtuellen API-500 „Lunchbox“ gehalten, lässt das VMR bis dato folgende fünf Module auf uns los: FG-S, FG-N, FG-401, FG-116 und Revival. Das Rack selbst und das Revival Modul sind übrigens als kleiner Marketinggag gratis erhältlich. 

Details

Das VMR 500 Series Lunchbox Rack

Dank der „Lunchbox-Architektur“ kann man bis zu acht Module in ein Rack laden und vier davon gleichzeitig anzeigen lassen und bearbeiten. Links befindet sich der Module Browser. Dort gibt es von jedem Modul eine fotorealistische GUI und eine kurze Beschreibung des Plug-Ins. Es besteht auch die Möglichkeit, die Module im Browser unter Kategorien zu sortieren. Die Module zieht man einfach per Drag & Drop in das VMRRack. Ebenso per Drag & Drop lassen sich die Module im Rack verschieben, deaktivieren und solo hören. Zudem ist es auch möglich, mehrere Instanzen des gleichen Moduls zu öffnen. Das VMR ist ein Plug-In für die Schnittstellen AU/VST/VST3/RTAS/AXX und ist sowohl für den Mac als auch den PC in 32- und 64-Bit-Versionen erhältlich.

Das VMR hat eine sehr gelungene Preset-Struktur. Man kann Presets für das Rack, also für bis zu acht Module, oder aber als Einzel-Preset für jedes Modul abspeichern sowie laden. Sehr gut finde ich dabei gelöst, dass geschriebene Automationen nur auf das jeweilige Modul reagieren und nicht etwa auf eine Rack-Position. Wenn man also die Reihenfolge der Module im Rack verändert, bleiben die Automationen weiterhin intakt. Zusätzlich besteht die Möglichkeit einen A/B Vergleich zu machen. Man kann je acht Module unter A und B laden und dann zwischen A und B hin und her schalten. Top!

FG-S

Beim FG-S handelt es sich um eine virtuelle Nachbildung des legendären EQs aus den SSL 4000 E Konsolen. Millionen von Produktionen wurden auf diesem Mischpult veredelt. Schauen wir uns das FG-S-Modul also besser mal genauer an.

Ganz unten finden wir das legendäre High-Pass-Filter, dessen Eckfrequenzen zwischen 20 und 500 Hz gewählt werden kann. Direkt darüber befindet sich das Low-Shelf-Filter (umschaltbar auf Bell), welches wiederum zwischen 30 und 450 Hz tätig werden kann. Das tiefe Mittenfilter arbeitet hingegen von 200 Hz bis 2500 Hz und hat einen einstellbaren Q-Faktor von 0,5 bis 2,5. Das obere Mittenfilter lässt sich wiederum von 600 bis 7000 Hz regeln und weist einen identischen Q-Bereich auf. Last but not least gibt es auch noch ein High-Shelf-Filter zu vermelden, das ebenfalls auf Bell umschaltbar ist und einen Regelbereich von 1500 bis 16000 Hz aufweist. Mit Hilfe der Gain-Regler kann man hier bis zu -15 dB absenken und bis +15 dB boosten. Warum jedoch der essentielle Low-Pass-Filter vergessen wurde, welches beim Original SSL 4000 EQ verbaut wurde, bleibt mir ein echtes Rätsel.

FG-N

Der FG-N wurde – wer hätte es gedacht – nach dem legendären Neve 1073 EQ/Preamp gemodelt. Selbst der Carnhill-Transformer wurde nicht vergessen, wobei sich dieser von 0 bis +24 dB hinzufügen lässt. Da der originale 1073-EQ nur über ein einziges Mittenband verfügt, wurde dem FG-N kurzerhand ein weiteres, identisches Mittenband spendiert. Logisch: „Eleven is one more than ten“. Ein weiterer Unterschied zur Original-Hardware besteht darin, dass der „richtige 1073“ nur feste Frequenzeinstellungen zu bieten hat – was bei Hardware ja auch ein Qualitätsmerkmal ist – der FG-N hingegen kann auf den vollen Bereich zurück greifen. 

Im Gegensatz zu einem SSL-EQ, welcher vor allem für chirurgische Eingriffe ins Signal prädestiniert ist, wird der Neve 1073 vor allem zur Klangveredelung eingesetzt. Der 1073 klingt nämlich sehr warm und musikalisch, was natürlich auch an seinen breiten Filter-Kurven liegt. Durch den Carnhill-Übertrager erhält man aber auch zusätzliche und sehr schöne harmonische Verzerrungen. Bis heute ist der 1073 Preamp für sehr viele Producer und Engineers die erste Wahl, wenn es um Recording geht. Anders gesprochen: „'Ne Neve zum Recorden, 'ne SSL zum Mischen.“ Doch genug Geplänkel, nehmen wir das FG-N-Modul mal genauer unter die Lupe:

Unten befindet sich wie beim FG-S das High-Pass-Filter, welches in einem Bereich von 20 Hz bis 300 Hz arbeitet. Direkt daneben liegt der „DRIVE“-Transformer-Schalter. Wenn dieser gedrückt ist, kann man den Gain Line Regler von 0 dB bis +24 dB boosten, ohne dass die Lautstärke darauf Einfluss nimmt. Output Compensation: sehr schön!

Direkt über dem High-Pass-Filter befindet sich das Low-Shelf-Filter, welches mit einem Funktionsbereich von 35 Hz bis 220 Hz zu Gange geht. Das doppelt vorhandene Mittenband-Filter regelt den Bereich von 360 Hz bis 7200 Hz. Ganz oben findet sich das High-Shelf-Filter, welches mit einer festen Eckfrequenz von 12000 Hz arbeitet. Weiterhin lassen sich alle Gainregler bis zu -16 dB absenken beziehungsweise auf +16 dB boosten.

FG-401

Der FG-401 ist eine erweiterte, virtuelle Nachbildung des SSL 4000 Channel VCA Compressors, der in der Original SSL 4000 Konsole in jedem Kanal zu finden ist. Der FG-401 verfügt über einen zuschaltbaren Transformer und einen zweiten, weicheren und wärmeren Compressor-Schaltkreis. Schade finde ich allerdings, dass das Gate des Originals fehlt.

Unten links findet sich der On/Off-Schalter des Transformers. Der „Off“-Mode steht für cleane Bearbeitung, wohingegen dem Signal bei „On“ harmonische Verzerrungen zugefügt werden. Rechts daneben befinden sich die beiden umschaltbaren Kompressor-Schaltkreise.

Circuit 1 ist hierbei der Schaltkreis des Originals und bringt agressiven und schnellen Sound. Circuit 2 bietet einen weicheren und wärmeren Kompressor-Sound. Direkt darüber ist das Make-Up-Gain, mit dem man die Output-Lautstärke von -24 dB bis +24 dB regeln kann, sowie ein sich daneben befindlicher Dry/Wet-Regler. Mit einem Funktionsbereich zwischen 0% und 100%, kann man nämlich mit dem Dry/Wet-Regler das Signal auch parallel komprimieren. Wenn man beispielsweise einen Drum-Bus stark komprimieren will, ohne dabei die Transienten zu killen, mischt man einfach das komprimierte Signal zu dem nicht-komprimierten Signal hinzu. Jetzt klingt das Signal dicht komprimiert, aber dennoch sind die Transienten noch voll intakt. Durch den Dry/Wet- Regler kann man sich den Aux also sparen. Bei dem 0% -Setting hört man nur das unbearbeitete Signal, wohingegen man bei 100% nur das bearbeitete, komprimierte Signal hört. Alles dazwischen nennt man „Parallel Compression“. 

Der Attack- und Release-Regelbereich ist mit „1 – 6 „beschriftet, wobei 1 („Fast“) die kürzeste und 6 („Slow“) die längste Attack- und Release-Zeit darstellt. Der Threshold lässt sich von 0 bis -60 dB einstellen und die Ratio ist von 1:1 bis 10:1, in 0,5dB-Schritten regelbar.

FG-116

Hier wurde der Vintage Urei 1176 LN FET Compressor/Limiter als Vorbild genommen. Der 1176 ist bekannt für seine extrem schnellen Attack- und Release-Zeiten. Der 1176 wurde eigentlich als reiner Limiter entworfen und diente dazu, die Peaks bei der Aufnahme auf Band abzufangen. Schnell fanden die damaligen Engineers aber noch andere Verwendungen für den 1176. Er ist bis heute einer der beliebtesten Compressor/Limiter für Vocals, Drums, E-Gitarren und Bass. Leider fehlt dem FG-116 der bekannte „All Button Mode“. Mit diesem kann man bei der Original 1176 Hardware, aber auch bei vielen 1176 Plug-In-Nachbildungen, alle Ratio-Knöpfe gleichzeitig drücken. Dadurch sind die Attack- und Release-Zeiten und Ratio abhängig von der Art des Audiosignals. Dafür verfügt auch der FG-116 aber über einen Dry/Wet-Regler für parallele Kompression, welchen man in der Original HW nicht findet.

Ganz unten finden wir einen On/Off-Schalter für die Noise-Reduction. Daneben haben wir wieder einen Dry/Wet-Regler mit einem Regelweg von 0-100%.

Der Attack- und Release-Regelbereich liegt diesmal zwischen „1 - 7“, wobei 1 („Slow“) wieder die längste und 7 („Fast“) wieder die kürzeste Attack- und Release-Zeit darstellt. Achtung! Der Regelbereich ist verkehrt herum, genau wie beim Original.

Input- und Output-Gain lassen sich von 0 bis -60 dB einstellen, für die Ratio hat man folgende Auswahl: 4:1, 8:1, 12:1 oder 20:1.

Revival (Free Plug-In)

Bei Revival-Modul handelt es sich um einen Art „Sonic Enhancer“ beziehungsweise um einen sogenannten „Better Maker“. Der Revival hat mit nur zwei Reglern zwar relativ wenig Spielraum zu bieten, trotzdem können „Shimmer“ und „Thickness“ für interessante Ergebnisse sorgen.

Shimmer ist dabei eine Art Exciter, welcher laut Steven Slate auf einer Tape-, Transformer- und Filter-Technik beruht, die dem Signal Air, Klarheit und Tiefe zuführen sollen. Der Thickness-Regler hingegen verdichtet das Signal und verleiht ihm so mehr Punch, Fattness und Wärme (ähnlich wie der Density-Reglers des Kush Audio UBK-1 Compressors). Es bleibt festzustellen: Revival funktioniert nicht auf allen Signalen, aber wenn er funktioniert, dann ist er eine wirkliche Bereicherung!

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