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15.01.2019

Shure 545SD Test

Dynamisches Instrumentenmikrofon

Ich bin dein Bruder!

Was hat den Buchstaben S und die Ziffer 5 im Namen, wird von vielen bekannten Musikern und Studiobetreibern zum Aufnehmen von Gitarre, Schlagzeug und Gesang benutzt, wurde von einer amerikanischen Firma namens Shure in den Sechzigerjahren entwickelt und wird heute noch gebaut? Richtig, das Shure 545SD Unidyne III! Wer das nicht gewusst hat, muss sich nicht schämen, denn zweifellos ist der jüngere Bruder namens SM57 deutlich bekannter.

Aber wie es bei Brüdern wohl oft der Fall ist, standen auch diese beiden zeitlebens in Konkurrenz zueinander. Die Frage lautet aber am Ende: klingt der ältere womöglich besser oder handelt es sich hier mal wieder um die übliche Retro-Verklärung alter Studiohasen, denen ihr Werkzeug gar nicht nicht alt genug sein kann? Wir haben das 545SD im Test einer eingehenden Inspektion unterzogen und - natürlich – mit dem 57er verglichen. Einen kleinen Geschichtsexkurs findet ihr gleich anschließend. 

Details

History: Wie aus dem 545SD Undidyne III das SM57 wurde

Im Jahre 1960 stellte die Firma Shure das Modell 545SD Unidyne III als Teil der Unidyne Mikrofon-Serie vor. Zu jener Reihe gehörte übrigens auch das berühmte Elvis-Mikrofon mit Namen 55S. Anders als dieses, war das 545 mit seiner kompakten Bauform eher auf die Abnahme von Instrumenten ausgelegt, ein besonderes Feature stellte zudem die Umschaltbarkeit der Impedanz dar. Damit konnte es auch direkt an einen Gitarren-Verstärker angeschlossen werden, was es zu einem beliebten Modell unter Harp-Spielern machte. Aber auch als (deutlich teureres) Rundfunkmikrofon 546 wurde Shures Bestseller sehr beliebt. 1965 wurde dann das SM57 vorgestellt, welches über die gleiche Kapsel verfügte wie der Vorgänger. Formal ähneln sich beide Typen stark, trotzdem sind sie leicht zu unterscheiden, denn das neuere SM57 besitzt einen einfarbig schwarz lackierten Zinkguss-Korpus, wo das 545 über ein zweifarbiges Bakelit-/Metallgehäuse verfügt. 

Das 545SD besitzt einen On/Off-Schalter

Beim Auspacken des 545SD gibt es keine Überraschungen. Neben dem Mikrofon selbst finde ich eine einfache Kunstledertasche, eine Stativhalterung sowie eine Gewindeverkleinerung, die auch europäischen Nutzern unmittelbares Loslegen mit dem Mikrofon erlaubt. Der Vergleich mit dem SM57 ergibt identische Abmessungen, auch das Gewicht ist mit etwa 270 Gramm praktisch gleich. Zwei Details sorgen allerdings für eine schnelle Identifizierbarkeit beider Mikrofone. Da wäre zunächst der aus zwei unterschiedlichen Materialien bestehende Korpus des 545SD. Der mittlere Teil ist aus schwarzem Kunststoff, der untere aus gebürstetem Metall. So kommt das 545 mit einer deutlichen Retro-Anmutung daher, wo das SM57 einfach unscheinbar wirkt. Wer bis hierhin geglaubt hat, es mit einem lediglich optisch aufgepeppten 57er zu tun zu haben, wird nicht nur durch den magnetischen On/Off-Schalter eines Besseren belehrt. Das 545 besitzt nämlich die Möglichkeit der Impedanzumschaltung. Mithilfe eines kleinen Schlitzschraubendrehers lässt sich die XLR-Buchse abnehmen und umdrehen. So wird aus einem symmetrischen Ausgangssignal mit 250 Ohm ein umsymmetrisches, hochohmiges. Damit lässt sich das Mikrofon an einen Gitarrenverstärker anschließen, eine Möglichkeit, die besonders Bluesharp-Spieler zu schätzen wissen.  

Der Name der Kapsel: Unidyne III

Technisch liegen die beiden Mikros nah beieinander, was bei identischen Kapseln zumindest zu erwarten war. Unidyne III heisst das Bauteil, es ist als Tauchspulenmembran ausgelegt und „hört“ dank rückwärtiger Öffnungen im Mikrofonkopf nierenförmig gerichtet. 50 bis 15000 Hertz überträgt die Kapsel im 545, das 57er beginnt seine Arbeit im Bassbereich hingegen schon bei 40 Hertz. Auch bei der Empfindlichkeit liegt das 545 mit 1,3 mV/Pa minimal hinter dem legendären Bruder, welcher 1,6 mV/Pa bietet. Das Frequenzdiagramm des 545 zeigt den typischen Präsenz-Boost bei 6000 Hertz, interessant ist allerdings, dass sich die Kurve bei 10000 Hertz erneut zu einem kleinen Hügel aufrafft, den man beim SM57 nicht findet. Ob und in welcher Form sich diese Messkurve klanglich auswirkt, erfahrt ihr im Praxisteil. Insgesamt ist der Testkandidat robust konstruiert und auch an der Detailverarbeitung dieses in Mexiko hergestellten Schallwandlers gibt es nichts auszusetzen. 

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