Workshop_Thema
Workshop
3
13.05.2016

SOUND-WERKSTATT

Streichersound richtig programmieren

Wie baue ich mir meinen Streichersound  für den Live-Einsatz?

Der Sound aus dem Beispiel stammt aus einem Waldorf Blofeld. Er lässt sich aber auch mit den meisten anderen analogen oder virtuell-analogen Synthesizern herstellen.  

Ausgangsbasis ist eine Pulswelle

Nun moduliert ein LFO die Pulsbreite der Welle. Dadurch bewegt sich der Klang zyklisch in Richtung Sägezahn und zurück, was eine schöne Schwebung erzeugt.

Zusätzlich lassen wir jetzt einen zweiten LFO den Pitch des Oszillators etwas modulieren. Der Sound fängt leicht an zu eiern. Vorsicht: Nicht zu viel davon!

Als Nächstes müssen wir die Hüllkurve (Envelope) streichertypisch einstellen, also mit langer Attackzeit und viel Release.

Den oder die anderen Oszillatoren behandeln  wir genauso und mischen sie dazu. Wie hier beim Blofeld, bei dem derer drei aktiv sind. Viele Synths besitzen nur zwei, aber das reicht auch. Die Pitchmodulation per LFO kann man bei OSC2 negativ setzen, sodass die beiden Oszillatoren pitchmäßig auseinanderlaufen.

Den Filter stellen wir auf eine mittlere Position, je nachdem, wie hell oder dunkel wir unsere Strings gerne hätten.

So klingt das Ganze doch schon recht amtlich, vor allem, wenn wir Sexten und Dezimen spielen.

Das letzte Quantum Schwebung gibt uns der Chorus.

Und auch ein bisschen Delay ist erlaubt

Und fertig ist unser Stringsound.  

Für schnelle und kurze Marcatostreicher verkürzen wir die Attack- und die Releasezeit.

An dieser Stelle möchte ich allen, die ihren Streichern gerne etwas Hall geben, folgenden Trick verraten: Hall ist auf der Bühne grundsätzlich problematisch. Er führt dazu, dass Sounds vermatschen und im Mix untergehen. Um unseren Strings trotzdem etwas „Suppe“ zu geben, machen wir Folgendes: Wir nehmen den soeben erstellten „Marcato“-Sound, geben ihm etwas mehr Release und speichern ihn auf einen neuen Speicherplatz. Dann wechseln wir in den Multimode und packen die beiden Marcatosounds aufeinander, wobei der mit dem längeren Release etwas leiser sein sollte. Nun haben wir einen „Nachhall“, ohne dass wir ein Reverb mit den erwähnten Nachteilen benutzen müssen.

Dieser Trick hat sich in der Praxis super bewährt. Die Streicher matschen nicht und klingen trotzdem schön „suppig“.

Schlusswort

Wie bei den Klaviersounds (siehe dazu den Artikel Shortcut: Klaviersound auf der Bühne) ist auch bei Streichern nicht immer der Sound mit den meisten Gigabytes der am besten für die Bühne geeignete. Ich rate dazu, mal mit analogen Strings zu experimentieren und zu sehen, wie sie sich im Vergleich zu den Samples in den Bandsound einfügen. Gute Ergebnisse kann man auch mit Layers aus analogen und gesampelten Streichern erzielen. Hier sorgen dann die Samples für die Authentizität und das Analoge für Wärme und Fülle.

Viel Spaß beim Forschen!

3 / 3

Verwandte Artikel

User Kommentare